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"Urbi et Orbi": Papst spendet nach Angriff Segen

Einen Tag nach der Attacke einer Frau im Petersdom hat Papst Benedikt XVI. den traditionellen Segen "Urbi et Orbi" gespendet. Der Vatikan überprüft derzeit die Sicherheitsvorkehrungen; denn Susanna M. hat bereits zum zweiten Mal die Absperrungen übersprungen.

Papst Benedikt XVI. hat am Weihnachtstag auf dem Petersplatz den traditionellen apostolischen Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis) gespendet. Zugleich fügte er in 65 Sprachen Weihnachtsgrüße hinzu. Auf Deutsch sagte das Oberhaupt der Katholiken: "Die Geburt Jesu Christi, des Erlösers der Menschen, erfülle Euer Leben mit tiefer Freude und reicher Gnade; sein Friede möge in Euren Herzen wohnen. Gesegnete und frohe Weihnachten!" Zehntausende Gläubige und Touristen aus aller Welt waren bei frühlingshaften Temperaturen zu der Zeremonie auf den Platz vor dem Petersdom gekommen.

Benedikt verlas seine Weihnachtsbotschaft einen Tag nach seinem Sturz im Petersdom. Eine Frau hatte die Sperren überwunden, sich auf ihn geworfen und ihn zu Boden gerissen.

Der Papst war bei dem Zwischenfall unverletzt geblieben. Schwerer getroffen in dem Getümmel hatte es den französischen Kardinal Roger Etchegeray, der sich bei seinem Sturz den Oberschenkel brach. Der 87-Jährige muss in einem Krankenhaus operiert werden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut.

Angreiferin ist Wiederholungstäterin

Bei der Angreiferin handele es sich um eine "psychologisch labile" 25-Jährige mit Schweizer und italienischer Staatsbürgerschaft, teilte der Vatikan am Freitag mit. Susanna M. sei nicht bewaffnet gewesen und werde derzeit medizinisch untersucht. Nach ersten Ermittlungen wollte Susanna M. den Papst umarmen. Der Sprecher des Vatikans, Pater Federico Lombardi, konnte am Tag nach dem Angriff nicht sagen, ob der Vatikan juristische Schritte gegen die Angreiferin einleitet: "Die Justiz des Vatikans ist im allgemeinen sehr gnädig."

Die junge Frau hatte bereits bei der Christmette im vergangenen Jahr versucht, die Absperrungen zu überwinden, konnte damals aber noch von den Sicherheitskräften gestoppt werden. Der Vatikan hatte den Vorfall als unerheblich abgetan.

Vatikan überprüft Sicherheitsvorkehrungen

Inmitten von Zehntausenden Gläubigen bei Messen und Audienzen könne die Sicherheit des 82-Jährigen selbstverständlich nicht hundertprozentig garantiert werden, erklärte Vatikansprecher Lombardi. Man wolle aber aus den bisherigen Erfahrungen lernen und es stünden verschiedene Überlegungen an.

Die Nachricht vom Angriff auf den Papst verbreitete sich am Heiligabend in rasender Geschwindigkeit über den Kurznachrichtendienst Twitter. Im Onlinenetzwerk Facebook hat sich eine Fanclub mit bereits mehr als 340 Mitgliedern gegründet. Italienische Politiker debattieren nun darüber, wie derartige Beiträge im Internet unterbunden werden können. Denn bereits nach dem Angriff auf den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der am 13. Dezember in Mailand mit einer kleinen Nachbildung der dortigen Kathedrale schwer im Gesicht verletzt worden war, hatte sich in dem Onlinenetzwerk eine Fangemeinde gegründet.

"Das Gemeinwohl fördern und die Schwächsten achten"

In seiner Weihnachtsbotschaft setzte sich der Papst dafür ein, die Logik der Gewalt und Rache aufzugeben und die unveräußerlichen Rechte jedes Menschen zu achten. Das solidarische "Wir" der Kirche, der weltweiten Familie der Christen, könne der krisengeschüttelten Menschheit Hoffnung geben.

Benedikt sprach von der Menschheit, "die tief von einer schweren wirtschaftlichen, aber mehr noch von einer moralischen Krise und den schmerzlichen Wunden von Kriegen und Konflikten gezeichnet ist." Es seien aber alle trotz der Tragödien, Prüfungen und Probleme zur Hoffnung berufen: "In Europa und in Nordamerika spornt das "Wir" der Kirche dazu an, eine egoistische und technokratische Mentalität zu überwinden." Man müsse "das Gemeinwohl fördern und die schwächsten Personen, beginnend mit den noch nicht Geborenen, achten."

Den versammelten Katholiken rief Benedikt zu, es sei ein großes Geschenk, "zu einer Gemeinschaft zu gehören, die für alle da ist." Er setzte sich vor allem für eine Friedenslösung im Heiligen Land ein und erwähnte "die bedrängte Situation im Irak und jener kleinen Herde von Christen in dieser Region". Die Kirche sorge sich um die, die in Asien, Afrika und Lateinamerika unter Gewalt und Unfrieden leiden müssten. "Solidarisch ist die Kirche mit denen, die von den Naturkatastrophen und der Armut getroffen sind, auch in den Überflussgesellschaften", fügte er an.

dre/swd/APD/AFP/DPA / DPA