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"Verspottung religiöser Werte": Erzbischof will Gotteslästerung bestrafen

Ist das Christentum Hohn und Spott ausgeliefert? Ja, sagt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Um Gläubige und religiöse Werte zu schützen, fordert er, Blasphemie mit Strafe zu bedrohen.

Ludwig Schick ist ein umtriebiger Erzbischof mit Sendungsbewusstsein. In den vergangenen Tagen hat sich der Bamberger Geistliche zu allerhand gesellschaftlichen Fragen geäußert. So verurteilt er die geplante Panzerlieferung nach Katar, möchte die Integration von Asylbewerber verbessern und verlangt, dass in sozialen Berufen höhere Gehälter gezahlt werden. Kann man erst einmal nichts gegen sagen, seine jüngste Forderung aber fällt etwas aus seinem sozialkatholischen Rahmen: Denn Schick will, dass Gotteslästerung künftig mittels Gesetzen rechtlich geahndet wird.

"Wer die Seele der Gläubigen mit Spott und Hohn verletzt, der muss in die Schranken gewiesen und gegebenenfalls auch bestraft werden", sagte das Bamberger Diözesen-Oberhaupt. Dazu brauche Deutschland ein Gesetz, so Schick, denn, auch Satire über religiöse Einstellungen stellten eine Verletzung der Menschenwürde dar." Der Erzbischof will seine Anti-Blasphemie-Regelung nicht auf das Christentum beschränken, sondern auf alle Religionen angewendet wissen. Gegen "heilige Personen, heilige Schriften, Gottesdienste und Gebete sowie heilige Gegenstände und Geräte aller Religionen" dürfe keine Lästerei zugelassen werden.

Anlass umstrittenes "Titanic"-Cover

Der Zeitpunkt seiner Forderung fällt zeitlich genau in den Streit zwischen der Satire-Zeitschrift "Titanic" und dem Vatikan zusammen. Ein Sprecher des Erzbischoftums Bamberg verneint einen Zusammenhang allerdings und vereist darauf, dass diese Diskussion schon länger geführt werde. Mitte Juli hatte die katholische Kirche in Rom ein Titelbild des Magazins verbieten lassen, das Benedikt XVI. mit einer im Schritt urinbefleckten Soutane zeigt. Darunter stand der Satz: "Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden!" - eine Anspielung auf die "Vatileaks"-Enthüllungsaffäre.

Erst vor wenigen Tagen hatte die USA in einem Bericht zur Religionsfreiheit in der Welt einige "besorgniserregende Entwicklungen" in Deutschland ausgemacht. Auch wenn die freie Ausübung der Religion in Deutschland generell gewährleistet sei, kritisierte Außenministerin Hillary Clinton auf europäischer Ebene steigende Tendenzen von "fremdenfeindlicher, antisemitischer und antimuslimischer Einstellungen sowie Intoleranz". Ludwig Schick sieht offenbar auch die Würde der Christen in Gefahr und dringt darauf, "deutlich zu machen, dass wir Verunglimpfungen unserer Überzeugungen und Werten in Medien und öffentlichen Organen nicht hinzunehmen bereit sind."

Volker Beck wittert Zensur

Widerspruch gegen diese Haltung ließ nicht lange auf sich warten: Volker Beck, streitbarer Grünen-Politiker, ging den Erzbischof mit den Worten an, dass sich "Bischof Schick offenbar motiviert fühlt, gegen demokratische Freiheitsrechte vorzugehen." Ob einem Satire und Ironie gefalle oder - verbieten könne man sie nicht, wird der Parlamentarische Geschäftsführer von der "Süddeutschen Zeitung" zitiert. "Gläubige brauchen keinen anderen strafrechtlichen Schutz vor Diffamierung, Beschimpfung und Hetze als andere soziale Gruppen."

nik