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#Yesallwomen: Ein #Aufschrei reicht nicht mehr aus

Nachdem ein 22-Jähriger sechs Menschen ermordet hat, weil er sich von Frauen zurückgewiesen fühlte, versammelt der Hashtag yesallwomen den weltweiten Aufschrei. Aber bringt er uns weiter?

Von Sophie Albers Ben Chamo

Trauer, Wut und Fassungslosigkeit am Tatort in Santa Barbara - und im Internet.

Trauer, Wut und Fassungslosigkeit am Tatort in Santa Barbara - und im Internet.

Es herrscht Krieg. Seit ... hm ... schon immer. Mann gegen Frau. Mal scheinen sich die Gefechte aus dem Blickwinkel unserer Welt etwas zu beruhigen, dann verwandelt sich die Front wieder in ein blut- und kotzegetränktes Schlachtfeld. So wie gerade in Kalifornien, wo ein 22-Jähriger vier Männer und zwei Frauen ermordet hat, was er in einem vor der Tat veröffentlichten Manifest und Video als Rachefeldzug gegen Frauen, die ihn abgelehnt haben, beschrieb.

Weil der Mörder im Internet sehr aktiv war, seinen Frauenhass mit anderen "Abgelehnten" in Foren geteilt hat, und auch weil derzeit das Medium der Botschaft ist, hat sich der Krieg auf Twitter verlagert. Unter dem Hashtag Yesallwomen sind in bisher rund einer Million Tweets Vorwürfe, weitere Kriegserklärungen und Hass zu lesen. Von beiden Seiten.

Der Hass und der Gegenhass

Frauen wie Männer schlagen zurück. Frauen berichten (ähnlich wie in der deutschen Aufschrei-Debatte Anfang 2013) von der auch in unserer Gesellschaft völlig selbstverständlichen Angst vor dem Mann. Manche Männer zeigen Verständnis, andere gehen in die taube Defensive oder erfüllen alle Klischees des Frauenhassers. Und Frauen, die sich offen mit dem Thema Frauenhass beschäftigen, haben gerade besonders viele Vergewaltigungsdrohungen in der Mailbox.

Hass produziert (absolut verständlichen) Gegenhass - was die Menschheit seit Jahrtausenden weiß, aber nicht daraus zu lernen wagt. Um eine Balance des Leids zu erreichen, müsste die Rache der Frauen einer Apokalypse gleichkommen. Zu Ende gedacht würde das zum Aussterben der Spezies führen. Liest man die Einträge unter #Yesallwomen kann frau durchaus Endzeitgedanken bekommen. Denn natürlich gibt es gewalttätigen Frauenhass, und natürlich darf niemand die Augen verschließen vor diesen Zahlen. Aber jetzt kommt das "Aber".

Männer sind toll

Ich will kein Leben im Krieg. Ich liebe Männer, ich finde Männer toll. Ich bin der festen Überzeugung, dass Mann und Frau ein unschlagbares Team sein können, um sich perfekt zu ergänzen. Und deshalb kann die (nochmal: absolut verständliche) nicht abreißende Kette an Vorwürfen und Rachegedanken nicht die Lösung sein. Wer bisher nicht mitbekommen hat, dass Frauenhass ein Problem ist, will es nicht mitbekommen. Wir reden also mit uns selbst. Was auch okay ist. Aber nicht reicht.

Wir - Männer wie Frauen - sollten die Kampfzone verlassen und Fragen stellen, auf die ernsthaft geantwortet wird. Was müssen Männer UND Frauen tun, um diesen Krieg/ diese Angst/ diesen Hass zu beenden? Und wenn Ihnen jetzt nur zynisch-sexistische Witze einfallen, haben Sie die Apokalypse wohl verdient.

Themen in diesem Artikel
Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?