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"Zurück auf Los": Margot Käßmanns Aufbruch ins Ungewisse

Die nach einer Alkoholfahrt im Februar zurückgetretene EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann will ganz neu anfangen. "An meinem 52. Geburtstag bin ich aufgewacht und habe gedacht, das ist so ein bisschen wie Monopoly: 'Gehe zurück auf Los!" sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Die nach einer Alkoholfahrt im Februar zurückgetretene EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann will ganz neu anfangen. "An meinem 52. Geburtstag bin ich aufgewacht und habe gedacht, das ist so ein bisschen wie Monopoly: 'Gehe zurück auf Los!" sagte sie dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Die Berichterstattung habe sie als unverhältnismäßig empfunden. Vor Gericht sei ihre Fahrt unter Alkoholeinfluss als Fahrlässigkeit bezeichnet worden. "Für eine Fahrlässigkeit hat die ganze Angelegenheit allerdings eine große Dimension bekommen."

Ihre Promillezahl habe sie zuerst aus der Zeitung erfahren, sagte Käßmann. An dem fraglichen Abend sei sie um 22.50 Uhr nach Hause gekommen. "Ich bin ausgestiegen, habe das Garagentor aufgemacht und wollte mein Auto einparken." Dann sei ein Polizei gekommen und habe gesagt, er wolle die Fahrzeugpapiere sehen. "Das ist mir übrigens im ganzen Leben noch nicht passiert, seitdem ich 1976 meinen Führerschein gemacht habe."

Sie habe eine Strafe in Höhe von 3.600 Euro bezahlen sowie einen Erste-Hilfe-Kurs und einen Sehtest ablegen müssen. "Und den Führerschein bekomme ich am 22. Dezember wieder."

Sie habe einen Riesenfehler gemacht, sagte die frühere Landesbischöfin von Hannover. "Und für Fehler muss der Mensch die Verantwortung übernehmen." Die Entscheidung, als EKD-Ratsvorsitzende zurückzutreten, habe sie allein getroffen, und sie bereue sie nicht. "Es war die richtige Konsequenz." Sie habe es ihrer Kirche nicht zumuten können, lächerlich gemacht zu werden.

Ihren vier Töchtern, die sie zu der Pressekonferenz zu ihrem Rücktritt begleiteten, habe sie gesagt: "Wir werden nicht weinen." Vorher hätten sie alle geheult, durch die Bank.

Was sie in Zukunft mache, sei ungewiss. "Ich habe keinen Arbeitsplatz, ich habe keine Wohnung, jetzt ist auch meine jüngste Tochter ausgezogen", sagte sie. "Ich werde ohne Familie irgendwo neu anfangen." Dies könne aber auch eine Chance sein - "es ist in der Bibel übrigens oft so, dass es ganz starke Brüche gibt und dann plötzlich Abraham neu aufbricht oder Mose oder ein ganzes Volk durch den Sinai.

Ab August will Käßmann zunächst in den USA vier Monate lang an der Emory University in Atlanta Gastvorträge halten. "Mit dem Abstand hoffe ich dann, dass zum 1. Januar irgendeine Aufgabe da ist." Allerdings sei das Jobprofil für die Kirche durchaus schwierig. "Wo findet sie für eine 52-Jährige, die Bischöfin sowie Ratsvorsitzende war, jetzt einen neuen Ort?" Sie wolle auch keinen Dissidentenstatus, sagte Käßmann.

APN / APN