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30 Jahre deutsche Einheit Typisch Ossi? Typisch Wessi? Paare über Eigenheiten, die heute immer noch eine Rolle spielen

Sehen Sie im Video: Typisch Ossi? Typisch Wessi? Paare erzählen, welche Eigenheiten heute immer noch eine Rolle spielen.




Wie steht es um das Zusammenwachsen von Ost- und West, im Jahr 2020, dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung? Haben Liebesbeziehungen, in denen Erfahrungen aus beiden Teilen Deutschlands zusammenkommen, vielleicht dazu beigetragen, die Teilung zu überwinden? Zu dieser Frage regt die Ausstellung „30 Jahre, 30 Paare" an, die noch bis zum 4. Oktober in Potsdam zu sehen ist. "Ich bin Dagmar." - "Ich bin Mathias." - „Ich komme aus Niedersachsen." "Ich komme aus Thüringen, wohne aber schon seit 55 Jahren in Berlin und Potsdam." - "Wir haben uns vor 13 Jahren kennengelernt." "Ja, und sind heute immer noch glücklich." Dagmar und Matthias sind eines der Paare, die sich für die Ausstellung die Frage stellen ließen, ob es denn etwas gebe, dass typisch Ossi, beziehungsweise typisch Wessi sei. "Aber so große Unterschiede würde ich jetzt nicht sehen. Und ich musste wirklich überlegen, also lange überlegen, was ich so typisch Ossi finde. Und das gab auch eine Diskussion da bei uns im Haus, also durchaus. Also da waren wir uns also auch nicht ganz einig. (…) Ja, schon, also eine typische Eigenschaft ist ja, der Ossi ist ja in der Mangelwirtschaft geboren. Und aus der Mangelwirtschaft heraus hat er natürlich versucht, viele Dinge, die da waren, zu reparieren oder halt aus nichts eben mehr zu machen. Und das ist, denke ich, schon einmal eine Eigenschaft, die man hat. Aber das ist eben natürlich auch so eine Stereotype, die halt immer dem Ossi dann so zugesagt wird." „Und das kann man ja auch nicht ablegen, also diese Art von Sozialisation, die ja jetzt auch nicht die schlechteste ist, also jetzt gerade unter Nachhaltigkeitsaspekten, also kommt das ja jetzt auch wieder. Aber es ist schon ziemlich so verankert, würde ich sagen tatsächlich. Also das ist aber auch das Einzige im Alltag, was eine Rolle spielt." Wertevorstellungen hätten sie nie miteinander aushandeln müssen, erzählt das Paar, selbst wenn sie manchmal auf deutliche Sozialisierungsunterschiede stoßen, hätten sie die Perspektive des anderen immer als Bereicherung empfunden. "Ja, ich finde es schade, dass es immer noch so viele Ressentiments gibt und auch so viele Stereotype, über die gesprochen wird von Ost und West und dieses Schubladendenken. 30 Jahre nach der Einheit hätte ich das nicht erwartet, muss ich ganz ehrlich sagen, und habe auch manchmal den Eindruck, dass es zu wenig Interesse gibt auch, sich mit Ostdeutschland und der Geschichte zu beschäftigen." Befragt wurden Paare im Alter von 31 bis 76 Jahre. Die Fragebögen wurden von einem paritätisch besetzten Ost-West-Team entwickelt. Kuratorin Verena Postweiler aus dem Team erzählt, jahrgangsbedingten Gesetzmäßigkeiten unter den Antworten hätten sie nicht feststellen können. „Und wirklich, da gibt es so eine große Spannweite von 'Spielt überhaupt keine Rolle' bis hin zu 'Wir merken immer noch die Unterschiede'. Aber man kann wirklich sagen, der Grundtenor ist: Es funktioniert, das Zusammenwachsen funktioniert. Also man kann schon eigentlich sagen, das war ja unsere Frage am Anfang: Erweisen sich die Paare als Hoffnungsträger des Zusammenwachsens von Ost und West? Und man kann für diese Paare hier, für diese 30 Paare in Brandenburg, kann man sagen: Ja, sie tun es."
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Die Ausstellung "30 Jahre, 30 Paare" in Potsdam zeigt, wie Liebesbeziehungen bei der Wiedervereinigung geholfen haben. Sie geht der Frage nach, wie es um das Zusammenwachsen von Ost- und West 30 Jahre nach der Wiedervereinigung steht.

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