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49. Jahrestag des Mauerbaus in Deutschland Noch immer werden Völker von Mauern getrennt


Fast 30 Jahre lang trennte die Mauer Berlin in zwei Hälften. Zum 49. Jahrestag des Mauerbaus wirkt die Teilung schon weit entfernt. Aber für viele Staaten sind Mauertote und Grenzsoldaten noch immer brutale Realität.

Sie heißen "Tortilla Curtain", "Grüne Linie" oder "Niemandsland" - 49 Jahre nach dem Mauerbau in Deutschland (13.08.1961) sind kilometerlange Grenzanlagen auf der Welt noch immer ein gängiges Mittel zur Zementierung von Konflikten zwischen Staaten. Ein Ende scheint nicht in Sicht. Dabei ist die Verhinderung der Ausreise der eigenen Bürger, wie bei der ehemaligen DDR, oft nicht der Grund für den Bau einer Sperranlage.

Mit mehr als 1 000 Kilometern besitzen die USA als Land der Superlative auch die längste gesicherte Grenze der Welt. Grundlage ist der "Secure Fence Act", den die Bush-Regierung 2006 zum Schutz vor illegalen Einwandererströmen verabschiedete. Seitdem verriegelt das "Land der Freiheit" seine Grenze zu Mexiko mit einem gigantischen Doppelzaun, Fahrzeugsperren und 5 000 Nationalgardisten. Schon vorher waren rund 18 000 Beamte der Border Control an der insgesamt 3200 Kilometer langen Grenze stationiert. Jedes Jahr sterben nach Schätzungen am "Tortilla Curtain" etwa 250 bis 500 illegale Einwanderer. Mexikos Präsident Felipe Calderon verglich die Sperranlage sogar mit dem Bau der Berliner Mauer.

Die Zahl von illegalen Einwanderern konnte der Zaun aber nicht senken. Inzwischen leben bis zu 12 Millionen Menschen ohne Papiere in den USA. Experten meinen, dass nur eine "totale Militarisierung des Grenzgebiets" den Zustrom stoppen könnte.

Weitaus weniger Grenzverkehr gibt es auf der koreanischen Halbinsel. Dort stehen sich über eine Million Soldaten der nord- und südkoreanischen Armee am 38. Breitengrad gegenüber. Seit 1953 verläuft hier die sogenannte "demilitarisierte Zone" (DMZ) - eine 248 Kilometer lange militärische Pufferzone, die noch undurchdringlicher ist, als es die innerdeutsche Grenze jemals war. Mehrfach verstärkte Stacheldrahtzäune, Wachtürme, Landminen, Panzersperren - die Einheimischen nennen die DMZ auch "Niemandsland".

In diesem Gebiet konnte sich die Natur in den vergangenen Jahrzehnten frei entfalten. Südkorea plant sogar die DMZ zu einer Touristenattraktion zu machen, mit Parks und einem langen Fahrradweg. Schon jetzt gibt es eine "DMZ-Tourismus-Homepage", auf der Interessierte mehrstündige Touren entlang der Grenzanlage buchen können.

Etwas durchlässiger ist die "Grüne Linie" auf Zypern. Dort gibt es zurzeit intensive Gespräche zur Bildung eines einheitlichen föderativen Staates. Aber noch trennt den griechischen Süden vom türkischen Norden ein 180 Kilometer langer Sperrwall mit Stacheldraht, Barrikaden und Minen. Gesichert wird das teilweise bis zu fünf Kilometer breite Grenzgebiet von UN-Blauhelmen. Die Sperranlage trennt auch die Inselhauptstadt Nikosia.

Genauso wie in Jerusalem. Dort ragt eine bis zu 8 Meter hohe Mauer in den Himmel. Sie ist Teil einer über 700 Kilometer langen Sperranlage, an der Israel seit 2003 arbeitet. Die Anlage besteht in weiten Teilen aus einem gesicherten Metallzaun mit Stacheldraht, Bewegungsmeldern, einem Graben und geharkten Sandstreifen.

Die Sperranlage soll den unkontrollierten Zutritt von Palästinensern nach Israel unterbinden. Das Land erhofft sich davon eine Verminderung der Selbstmordattentate. Israelische und palästinensische Menschenrechtsorganisationen beklagen hingegen, dass Israel nach Fertigstellung der Sperranlagen etwa 9 Prozent des Westjordanlandes unrechtmäßig annektiert habe.

Andre Zantow, DPA DPA

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