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5 Jahre Holocaust-Mahnmal: "Das Denkmal hat seinen Platz gefunden"

Das Holocaust-Mahnmal in Berlin wird am 10. Mai fünf Jahre alt. US-Architekt Peter Eisenman, der das gigantische Stelenfeld im Herzen der Stadt gemeinsam mit dem Bildhauer Richard Serra entworfen hatte, zog am Dienstag eine positive Bilanz. "Das Denkmal hat seinen Platz im Bewusstsein und im Unterbewusstsein der Deutschen gefunden", sagte er vor Journalisten in Berlin.

Kranzabwurfstelle", "Abenteuerspielplatz" oder "Steinerner Schlussstrich" - als vor fünf Jahren das Holocaust- Mahnmal in Berlin eingeweiht wurde, war die Skepsis noch groß. Doch das gigantische Stelenfeld, das an die Ermordung von sechs Millionen Juden durch die Nazis erinnert, hat längst seine Anziehungskraft bewiesen. Schätzungsweise acht Millionen Menschen besuchten seither den Erinnerungsort unweit des Brandenburger Tors - nur einen Steinwurf von Hitlers einstiger Reichskanzlei entfernt.

"Das Denkmal hat seinen Platz im Bewusstsein und im Unterbewusstsein der Deutschen gefunden", sagte US-Architekt Peter Eisenman am Dienstag vor Journalisten in Berlin. "Ich glaube, es hat einen Anteil daran, dass die Deutschen ihr Erinnerungsvermögen wiedergewinnen."

Der jahrelange leidenschaftliche Streit um die angemessene Form des Gedenkens ist zum Jubiläum fast schon Geschichte. "Wie das Mahnmal von den Menschen alles in allem angenommen wird, berührt mich immer wieder sehr", sagte die Publizistin Lea Rosh (73), die fast zwei Jahrzehnte lang mit dem Historiker Eberhard Jäckel für das schließlich knapp 28 Millionen Euro teure Projekt gekämpft hatte.

Eine Ausstellung des Förderkreises "Denkmal für die ermordeten Juden Europas", die an diesem Mittwoch mit einem Bürgerfest eröffnet werden soll, erinnert an das harte Ringen. So lehnte der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) 1995 einen bereits fest geplanten Entwurf der Berliner Künstlerin Christine Jackob-Marks ab, der eine riesige Gedenkplatte mit den Namen aller umgebrachten Juden vorsah.

Auch ein erstes Konzept Eisenmans mit dem amerikanischen Bildhauer Richard Serra wurde überarbeitet, Serra zog sich entnervt zurück. Selbst nach Baubeginn 2003 gab es noch einmal eine Unterbrechung, als die Geschichte der mit dem Anti-Graffiti-Schutz beauftragten Firma Degussa während der Nazi-Zeit ein Streitthema wurde. Am 10. Mai 2005 schließlich war feierliche Eröffnung. Die feinen Risse, die sich seither an einem Großteil der 2711 unterschiedlich großen Betonquader gebildet haben, werden derzeit noch untersucht.

Ihm sei es vor allem darum gegangen, den Deutschen eine Erinnerung wiederzugeben, die die Alliierten ihnen in gewisser Weise genommen hätten, sagte Eisenman. "Ich komme hier nicht als ein Held auf weißem Pferd, sondern als jemand, der stolz ist auf das, was wir erreicht haben."

Und Bundestagspräsident Norbert Lammert, zugleich Chef des Kuratoriums, zollte ausdrücklich auch den früheren Kritikern Respekt, die ihre Vorbehalte inzwischen revidiert hätten. "Der Umgang mit dem Denkmal hat sich in einer so selbstverständlichen Weise in das Leben und die politische Kultur dieses Landes eingefunden, dass wir nur dankbar und glücklich sein können", sagte er.

Nach Angaben von Stiftungsdirektor Uwe Neumärker haben allein 2,3 Millionen Menschen auch den "Ort der Information" besucht, der in Kellerräumen unter dem Mahnmal die Leidensgeschichte der Juden nachzeichnet. Eisenman, einst ein entschiedener Gegner des Infozentrums, sprach sich sogar für eine Vergrößerung aus.

Und auch Initiatorin Rosh zog eine positive Bilanz. "Es gibt kein vergleichbares Verbrechen in der Weltgeschichte wie den Holocaust", sagte sie. "Es gibt aber auch kein anderes Volk, das sich so offen mit den eigenen Verbrechen auseinandergesetzt hat."

Nada Weigelt, DPA / DPA