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50 Prozent mehr Fälle als im Vorjahr Kinderhilfswerk bestürzt über Zahl ausgesetzter Babys


Das Kinderhilfswerk Terre des hommes zeigt sich bestürzt über die wachsende Zahl von Neugeborenen in Deutschland, die bald nach ihrer Geburt ausgesetzt wurden. Dies geschah nach Angaben der Organisation im vergangenen Jahr 25 Mal. Die Dunkelziffer dürfte noch weit höher liegen.

Das Kinderhilfswerk Terre des hommes hat sich bestürzt über die Zahl der in Deutschland nach der Geburt ausgesetzten und tot aufgefundenen Babys gezeigt. Im vergangenen Jahr wurden 16 Neugeborene in Deutschland tot aufgefunden, wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" am Dienstag unter Berufung auf Zahlen des Kinderhilfswerks berichtete. Neun ausgesetzte Babys wurden demnach lebend gefunden. Im Vergleich zu 2010 stieg die Zahl der Fälle damit um mehr als 50 Prozent.

Terre-des-hommes-Experte Bernd Wacker nannte die aktuelle Entwicklung "bestürzend", zumal es sich nur um Mindestzahlen handele. "Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein", sagte er der Zeitung. Das Kinderhilfswerk wertet für seine Fallstudie in erster Linie Medienberichte aus.

Wacker kritisierte, dass es nach wie vor keine offizielle Statistik darüber gebe, wie viele Säuglinge in Deutschland getötet oder ausgesetzt werden. Unklar sei auch, "wie viele Babyklappen es gibt, wie viele Neugeborene dort landen oder wie viele Babys anonym in Kliniken zur Welt kommen". Der Kinderschutz-Experte forderte den Gesetzgeber zugleich auf, die Empfehlungen des Deutschen Ethikrats aus dem Jahr 2009 umzusetzen, um Müttern in Notsituationen besser zu helfen und Kindstötungen zu verhindern.

Trotz des Anstiegs der von Terre des hommes registrierten Fälle ging die Zahl der ausgesetzten Babys im Zehn-Jahres-Vergleich aber leicht zurück. 2001 hatte das Kinderhilfswerk noch 17 tot und 14 lebend gefundene Neugeborene registriert.

AFP/DPA DPA

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