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60 Jahre Israel: Die Streitpunkte im Nahost-Konflikt

Seit Jahrzehnten gibt es im Nahen Osten keinen lang andauernden Frieden. Die Ursachen des Konflikts reichen bis weit vor Christi Geburt zurück. Lesen Sie hier einen Überblick, warum Israelis und Palästinenser im Heiligen Land zu keiner Einigung kommen.

Am 14. Mai 2008 feiert Israel den 60. Jahrestag seiner Gründung. Doch von Frieden ist der Nahe Osten weit entfernt. Die Frage, wem das Land gehört, reicht bis in Zeit um Christi Geburt zurück, als das Heilige Land von den Römern erobert wurde. Rund 600 Jahre später besetzen Araber das Gebiet und leben dort über 1000 Jahre.

Ende des 19. Jahrhunderts fliehen viele Juden vor dem Antisemitismus in Europa nach Palästina. 1897 fordert Theodor Herzl auf dem "Ersten Zionistischen Weltkongress" die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Mit der "Balfour-Deklaration" im Jahr 1917 unterstützt Großbritannien dieses Ziel. 1922 wird Palästina unter britisches Protektorat gestellt - allerdings unter der Bedingung, eine Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu schaffen und damit die Balfour-Deklaration zu erfüllen. Während die Juden den Anspruch auf das Heilige Land als ihr biblisches Recht erachten, empfinden die Araber es als eine Invasion ihres Territoriums. Im April 1936 beginnt deswegen mit einem Generalstreik der arabische Widerstand gegen die britische Palästina-Politik und die jüdische Einwanderung, der in einem bewaffneten Kampf gipfelt. Der Versuch der sogenannten "Peel-Kommission" im Juli 1937, mit einer Teilung des Gebiets beiden Parteien gerecht zu werden, scheitert an der Zustimmung der arabischen Staaten.

Arabische Staaten lehnen Teilung ab

1945 reglementieren die Briten die jüdische Einwandererwelle, worauf die jüdische Miliz mit Anschlägen auf britische Einrichtungen reagiert. Am 29. November 1947 beschließt die UNO-Vollversammlung die Teilung des Gebiets: Die Juden sollen 55 Prozent, die arabischen Palästinenser 42 Prozent des Landes erhalten. Die arabischen Staaten und die Arabische Liga lehnen diesen Kompromiss aber ab. 1948 proklamiert David Ben Gurion trotzdem den unabhängigen und souveränen Staat Israel. Daraufhin greifen im israelischen Unabhängigkeitskrieg fünf arabische Staaten Israel an. Doch Israel kann sich erfolgreich verteidigen, mindestens 750.000 Araber, aber ebenso auch 750.000 Juden auf arabischen Gebieten, werden zu Flüchtlingen, ihr Besitz wird von Israel konfisziert.

Im Kampf um das Heilige Land folgen zahlreiche weitere Kriege. Im zweiten israelisch-arabischen Krieg stößt Israel 1956 bis an den Suezkanal vor, muss sich jedoch 1957 aus Gaza und dem Sinai wieder zurückziehen. Im 6-Tage-Krieg 1967 erobert Israel erneut die Sinai-Halbinsel, den von Ägypten verwalteten Gazastreifen, die Golanhöhen und das Westjordanland mit dem Ostteil Jerusalems. 1973 greifen Ägypten und Syrien Israel am Jom-Kippur-Feiertag an, um sich die Gebieter wieder zurückzuholen. Im Friedensvertrag von Camp David (USA) erkennt dann aber Ägypten 1979 als erstes arabisches Land den Staat Israel an. Als die 1964 von Yassir Arafat gegründete PLO (Organisation zur Befreiung Palästinas) 1982 in London ein Attentat auf einen israelischen Diplomaten verübt, marschiert Israel in den Libanon ein, um die PLO zu zerschlagen. Während des Krieges schließen sich verschiedene schiitische Gruppen im Libanon zur Hisbollah zusammen, um gegen Israel zu kämpfen.

Teile des Westjordanlands und den Gazastreifen für die Palästinenser

1987 löst eine eskalierende Demonstration in Israel einen palästinensischen Volksaufstand, die erste Intifada aus, die bis zum Sommer 1993 andauert. Im Frieden von Oslo einigen sich dann PLO-Chef Yassir Arafat und der damalige Ministerpräsident Israels Yitzhak Rabin auf einen Friedenspakt. Die Palästinenser bekommen Teile des Westjordanlands und den Gazastreifen als autonomes Gebiet zugesprochen. Im Jahr 2000 jedoch löst der Besuch des israelischen Oppositionsführers Ariel Sharon auf dem Tempelberg die zweite Intifada aus, die erst fünf Jahre später durch ein Waffenstillstandsabkommen endet. Israel räumt daraufhin die jüdischen Siedlungen im Gazastreifen.

Der Sieg der radikalislamischen Hamas bei den Wahlen zum palästinensischen Legislativrat im Jahr 2006 weckt in Israel jedoch Ängste vor einer Verschlechterung der Situation. Als am 12. Juli 2006 zwei israelische Soldaten an der Grenze zum Libanon entführt werden, eskaliert der Nahostkonflikt erneut: Die israelische Armee geht militärisch gegen den Libanon vor und marschiert auch wieder in den Gazastreifen ein. Im Westjordanland herrscht unterdessen ein Bürgerkrieg zwischen radikal-islamistischer Hamas und der eher "weltlichen" Fatah - mit fatalen Folgen für die Wirtschaft im Gazastreifen. Auf dem Nahost-Gipfel in Annapolis (USA) am 27. November 2007 versuchen die Parteien erneut, zu einer Einigung zu kommen - doch die Gewalt im Gazastreifen hält an, sodass Israels beginnt, den Gazastreifen abzuriegeln. Die Krise in Nahost ist noch lange nicht beendet.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten die Kernstreitpunkte des Konflikts:

Sicherheit

Israel hat wiederholt deutlich gemacht, dass es keinen Palästinenserstaat geben wird, solange Israels Sicherheit nicht garantiert ist. In den vergangenen Jahren töteten palästinensische Terroristen bei Selbstmordanschlägen zahlreiche Israelis. Die radikal-islamische Hamas schoss zudem seit 2001 mehr als 6000 Kassam-Raketen auf israelische Grenzstädte.

Grenzen

Die Palästinenser fordern, dass ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfasst. Israel hat den Gazastreifen geräumt, will aber aus Sicherheitsgründen an Teilen der Westbank sowie an Jerusalem festhalten. Für konservative Juden gehört das Land zum biblischen Groß-Israel. Im Westjordanland gibt es derzeit rund 130 Siedlungen mit etwa 270.000 Israelis. Die Palästinenser nennen die Besiedlung nach internationalem Recht illegal und verlangen den Abzug der "Besatzer".

Jerusalem

Als Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist der künftige Status besonders umstritten. Israel beharrt darauf, dass das ungeteilte Jerusalem seine Hauptstadt ist. Die Palästinenser beanspruchen den 1967 von Israel besetzten Osten als Hauptstadt. 2000 ist der Nahost-Gipfel in Camp David (USA) an der Jerusalemfrage gescheitert.

Golan

Syrien drängt darauf, dass die 1967 besetzten Golan-Höhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels unter Beschuss nehmen. Heute gibt es in dem Gebiet etwas 20.000 jüdische Einwohner und rund 20.000 Syrer.

Flüchtlinge

Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den Palästinensergebieten sowie den Nachbarländern 4,5 Millionen palästinensische Flüchtlinge und Nachkommen von Flüchtlingen. Unter Hinweis auf internationales Recht verlangen die Palästinenser ein Rückkehrprogramm für etwa 860.000 Heimatlose, Israel erkennt nur 350.000 als "Entwurzelte" an.

Wasser

Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Krieg um Wasserquellen im Nahen Osten gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Von den Lagerstätten des Westjordanlandes pumpt Israel jährlich rund 450 Millionen Kubikmeter ab, für die Palästinenser bleiben nur 150 Millionen Kubikmeter übrig. Auch bei dem Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf dem Golan geht es um die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers.