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Traditionelle Kleidung: 18-Jährige entfacht heftige Diskussionen mit ihrem ungewöhnlichen Abschlussballkleid

Sie möchte an ihrem Abschlussball einfach nur schön aussehen. Doch weil sie sich ein chinesisches Kleid aussucht, muss Keziah viel Kritik einstecken. Darf man Kleidung fremder Kulturen zum Spaß tragen?

Von Linda Göttner

Die Prom ist der krönende Abschluss der High-School-Zeit in den USA – und natürlich wollen die meisten Mädchen da besonders gut aussehen. Auch die 18-jährige Keziah aus Utah hatte sich Gedanken zu ihrem Outfit gemacht und entschied sich für ein ganz besonderes Kleid. Sie trug ein Qipao, ein traditionell chinesisches Kleid.

Doch was für Keziah einfach ein schönes Festkleid war, empfanden andere als einen Affront gegen die chinesische Kultur. Als sie Fotos vom twitterte, wurde die 18-Jährige wegen ihres Kleides heftig angefeindet. Der Nutzer Jeremy Lam schrieb: "Meine Kultur ist NICHT dein verdammtes Abschlussballkleid" und löste damit eine weitreichende Diskussion aus. 60.000 Nutzer beteiligten sich allein unter seinem Tweet an der Debatte darüber, ob ein amerikanisches Mädchen ohne chinesische Wurzeln solch ein Kleid beim Abschlussball tragen darf. 

Scharfe Kritik an Keziahs Kleiderwahl zum Abschlussball

Lam erklärt, dass chinesische Frauen das Qipao einst im Haushalt und zum Putzen trugen. Später sei es zum Zeichen der Überwindung patriarchalischer Verhältnisse durch chinesische Frauen geworden und habe sich zum festlichen Kleid entwickelt, das man in der Öffentlichkeit trägt. Es sei nicht nur ein schönes, künstlerisches Kleidungsstück, sondern vor allem ein Symbol von Aktivismus.

Daher sei die Adaptierung des Kleides durch ein amerikanisches Mädchen verwerflich, wie Lam weiter auf Twitter schreibt: "Ich bin stolz auf meine Kultur, auch wegen der extremen Hindernisse, die marginalisierte Menschen innerhalb dieser Kultur überwinden mussten. Dass es einfach dem amerikanischen Konsumwahn unterworfen wird und ein weißes Publikum bedient, ist eine Parallele zur kolonialen Ideologie." Das traditionelle Qipao würde durch Keziah zum oberflächlichen Konsumgut und damit abgewertet.

Die Reaktionen sind gespalten

Zu dieser Haltung gehen die Meinungen auseinander. Eine Nutzerin pflichtet ihm bei und schreibt: "Unser traditionelles soll kein Mode-Statement sein oder einen "exotischer" wirken lassen." Insbesondere viele US-Amerikaner mit chinesischem Migrationshintergrund empfinden Keziahs Aktion als respektlos. Doch es gibt auch die andere Seite. Ein Nutzer sieht genau das Gegenteil: "Kleidung schadet niemandem. Es ist nichts dabei, ein Kleid einer anderen Kultur zu tragen und nur weil jemand es trägt, heißt das nicht, dass ihm die Geschichte dahinter egal ist." Viele andere berufen sich auf die Vielfalt und Einwanderungsgeschichte Amerikas und finden, das Kleid würde hervorheben, wie multikulturell eine Gesellschaft sein kann.

Keziah selbst wollte mit dem Kleid die chinesische Tradition wertschätzen: "Ich verstehe das Bedürfnis oder den Wunsch der Menschen nicht, so viel Hass zu verursachen. Ich zeige einfach meine Liebe zu einer schönen Kultur und daran ist nichts falsch." Sie schätze Vielfalt und andere Kulturen. Nach eigenen Aussagen bekomme sie mittlerweile massenweise Medienanfragen, unter anderem von der Talkmasterin Ellen DeGeneres. Mit so viel Aufruhr um ein Kleid hatte Keziah sicherlich nicht gerechnet.

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