Äthiopien Christen begrüßen neues Jahrtausend


Die Äthiopier haben den Beginn des dritten Jahrtausends mit großen Feierlichkeiten begangen. Grund für die um sieben Jahre "verspätete" Party ist ein Rechenfehler, der vor 1500 Jahren begangen wurde.

Sieben Jahre nach weiten Teilen der Welt hat Äthiopien in der Nacht zum Mittwoch den Beginn des neues Jahrtausends eingeläutet. Tausende feierten nach Mitternacht ausgelassen in den Straßen von Addis Abeba das 21. Jahrhundert. Grund für die Verzögerung ist der koptische Kalender, von dem eine Variante in dem Land am Horn von Afrika gilt. Diese hat sieben Jahre Rückstand gegenüber dem im Westen gebräuchlichen gregorianischen Kalender. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche reklamiert für sich, den richtigen Kalender zu verwenden, während die katholische Kirche seit 1500 Jahren dem falschen Kalender anhänge.

Während die Menschen um Mitternacht sangen, jubelten und Fahnen schwenkten, hofften viele auf eine bessere Zukunft im dritten Millennium. "In der Zukunft werde ich vielleicht einen Job haben, das ist meine Hoffnung", sagte Yoself Passew, ein 25-jähriger Schuhputzer. Äthiopien ist nach einem verheerenden Bürgerkrieg und Hungersnöten in den 1980er Jahren, bei denen bis zu eine Million Menschen umkamen, eines der ärmsten Länder der Welt.

Konzertkarten für zwei Monatslöhne

Die Straßen der Hauptstadt wurden für das neue Jahrtausend herausgeputzt. Streunende Hunde wurden getötet und Obdachlose an den Stadtrand abgeschoben. Für die Feierlichkeiten scheute die Regierung in Addis Abeba kaum Kosten. Die US-Popgruppe Black Eyed Peas gab in einer eigens für mehrere Millionen Euro errichteten Halle ein Konzert. Die Eintrittskarten kosteten umgerechnet gut 120 Euro - das Doppelte eines durchschnittlichen Monatslohns in dem armen Land. Einige Veranstaltungen seien jedoch auch kostenlos gewesen, erklärten die Organisatoren.

"In Tausend Jahren, wenn die Äthiopier wieder zusammenkommen, um das vierte Millennium zu begrüßen, werden die Menschen sagen, dass der Vorabend des dritten Jahrtausends der Beginn des Endes der finsteren Zeit in Äthiopien war", erklärte Ministerpräsident Meles Zenawi bei den Feierlichkeiten in der neuen Konzerthalle. Angesichts eines Aufstands in der Region Ogaden, der Verwicklung in den Bürgerkrieg des Nachbarlands Somalia und des Grenzstreits mit Eritrea fanden die Millenniums-Feiern unter großen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Anita Powell/AP AP

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