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Affäre um Tebartz-van Elst: Merkel sieht Kirche belastet

Nein, die Regierung habe der Kirche keinen Rat zu geben - und äußert sich doch. Über ihren Sprecher lässt Kanzlerin Merkel ausrichten, für wie schädlich sie den Skandal um den Limburger Bischof hält.

In die Affäre um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst schaltet sich Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Die Regierungschefin wertet den Skandal nach Worten ihres Sprechers als sehr belastend für Katholiken. Im Bistum Limburg sei für jeden erkennbar eine sehr schwierige Situation entstanden, sagte Steffen Seibert in Berlin. Für die katholischen Christen dort und ihre Kirche sei das eine große Belastung.

Zu den laufenden Beratungen im Vatikan sagte Seibert: "Da hat die Bundesregierung selbstverständlich keinerlei Hinweise oder Ratschläge zu geben. Aber ich darf schon die Hoffnung ausdrücken, dass es eine Lösung für die Gläubigen sein wird, für das Vertrauen der Menschen in ihre Kirche." Merkel hat als Tochter eines evangelischen Theologen keine engen Bindungen an die katholische Kirche.

Kritiker und Unterstützer teilen aus

Tebartz-van Elst steht unter anderem wegen stark gestiegener Kosten für den Bau des Bischofssitzes in Limburg und des Vorwurfs einer Falschaussage in der Kritik. Dem 53-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, die Baukosten systematisch verschleiert und durch luxuriöse Sonderwünsche ständig erhöht zu haben. Ursprünglich sollte der Neubau der Bischofsresidenz 2,5 Millionen Euro kosten, später wurde mit insgesamt 5,5 Millionen Euro Baukosten gerechnet, inzwischen sind es mindestens 31 Millionen - manche gehen sogar von bis zu 40 Millionen Euro aus, da der Umbau in der direkten Umgebung des Bischofssitzes Schäden verursacht hat und die Stadtverwaltung mit Folgekosten in Millionenhöhe rechne. Die Limburger Staatsanwaltschaft wird frühestens Ende der Woche entscheiden, ob sie ein Ermittlungsverfahren wegen Untreue gegen den Bischof einleitet, sagte ein Behördensprecher. Inzwischen seien ein Dutzend Strafanzeigen eingegangen.

Der Bischof war am Wochenende nach Rom gereist, um Gespräche im Vatikan zu führen. Tebartz-van Elst hatte angekündigt, er lege die Entscheidung über sein Amt in die Hände von Papst Franziskus. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, will in dieser Woche im Vatikan Gespräche führen. Er hatte von einem "gewaltigen Glaubwürdigkeitsproblem" der Kirche in dem Fall gesprochen. Inzwischen verliert der Limburger Bischof weiter an Rückhalt. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann legte Tebartz-van Elst den Amtsverzicht nahe. Dieser könne nicht mehr als Seelsorger arbeiten, denn dazu brauche er Akzeptanz, sagte Ackermann in der ARD. "Die Situation ist ja so eskaliert, dass man sagen muss, der Bischof Franz-Peter kann im Grunde in Limburg nicht mehr arbeiten."

Zollitsch kündigte ein zügiges Handeln an. "Ich bin mir aber sicher, dass sich der Bischof von Limburg gründlich und auch mit der notwendigen Selbstkritik mit dieser Entwicklung auseinandersetzt." Vom Landeskomitee der Katholiken in Bayern (LdK) erhielt er indes Unterstützung. Die Diskussion verlaufe völlig unangemessen, sagte LdK-Vorsitzender Albert Schmid dem Bayerischen Rundfunk. "Hier wird ein moralischer Vorwurf erhoben, den kann ich nicht nachvollziehen." Er halte den Limburger Bischof nach wie vor für tragbar, sagte Schmid. Außerdem teilte der LdK-Vorsitzende die Meinung des Präfekten der Glaubenskongregation im Vatikan, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, wonach es sich bei der Diskussion über Bischof Tebartz-van Elst um eine "Medienkampagne" handele.

Warten auf einen Termin beim Papst

Wann die Gespräche in Rom stattfinden, blieb zunächst unklar. Papst Franziskus empfing am Montag zunächst weder Tebartz-van Elst noch seinen ärgsten kircheninternen Kritiker Zollitsch.

Wie es in der Affäre weitergeht, ist ebenfalls völlig offen. Ein Amtsverzicht des Limburger Bischofs wäre nicht die einzige Möglichkeit, sagte der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, im RBB-inforadio. Demnach könnte der Bischof einen sogenannten Co-Adjutor, eine Art Zwangsverwalter, zur Seite gestellt bekommen. Zudem sei auch eine apostolische Visitation denkbar, "also dass der Papst eine Untersuchungskommission bestimmt". Ein Bischof der römisch-katholischen Kirche kann nicht selbst zurücktreten, laut Kirchenrecht dem Papst aber seinen Amtsverzicht anbieten.

Ab wann der Bischof selbst über die tatsächlichen Kosten Bescheid wusste, ist unklar. Laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sollen jahrelang Baukosten unter seiner Verantwortung verschleiert worden sein. Jochen Riebel vom Vermögensverwaltungsrat des Bischofs sagte demnach, Tebartz-van Elst habe intern gesagt, die immensen Kosten für seine Residenz dürften niemals öffentlich werden.

Mindestens zwei Verantwortliche aus dem Umfeld des Bischofs sollen nach Angaben des Architekten allerdings bereits im Sommer 2011 über die tatsächlichen Baukosten der Residenz informiert gewesen sein. Es sei seit der Kostenberechnung im Mai 2011 klar gewesen, dass der Neubau des Gebäudekomplexes auf dem Domberg deutlich stärker zu Buche schlagen werde als die damals veröffentlichte Summe, sagte der Architekt Michael Frielinghaus der DPA.

Da seinerzeit bereits mit "deutlich mehr als 20 Millionen Euro" gerechnet worden sei, habe er sich über die kurz zuvor vom Bischöflichen Stuhl genannte Summe von 5,5 Millionen Euro "gewundert", sagte der Architekt. Er könne aber nicht sagen, ob neben Generalvikar Franz Kaspar und Diözesanbaumeister Tilmann Staudt auch der Bischof selbst informiert gewesen sei. Die Kosten für den Bau seien keineswegs explodiert, da seit langer Zeit mit ihnen gerechnet worden sei.

Die Affäre wirkt sich möglicherweise auch auf die kirchlichen Hilfsorganisationen aus. Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, sagte im Deutschlandfunk, das Spendenaufkommen gehe wegen des Skandals zurück.

anb/DPA/AFP / DPA