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Afrika-Reise: Papst will Angolas Geister austreiben

Unheilvolle Geister sieht der Papst in Angola am Werk. Da hilft seiner Meinung nach nur ein Mittel: Das afrikanische Land muss stärker missioniert, die Ungläubigen bekehrt werden. Zum Streitthema Kondome, mit dem Benedikt XVI. zum Beginn seiner Afrika-Reise aufgefallen war, gab es weitere Erläuterungen.

Papst Benedikt XVI. hat am Samstag in Angola zur weiteren Missionierung des afrikanischen Kontinents aufgerufen. Auch fünf Jahrhunderte nach dem Beginn der Evangelisierung Angolas seien viele Menschen orientierungslos oder glaubten sich von unheilvollen Geistern und Mächten bedroht, sagte der Papst in einer Messe vor Bischöfen, Priestern und Ordensleuten in der Chiesa São Paulo der Hauptstadt Luanda.

"Unsere Aufgabe ist es, allen die Möglichkeit zu bieten, das ewige Leben zu erreichen", erklärte Benedikt. Er forderte dazu auf, keine sozialen Gruppen auszugrenzen, Straßenkinder nicht zu verurteilen und Greise nicht als Hexer zu verfolgen. Mit dieser Messe begann der zweite Tag des katholischen Kirchenoberhaupts in Angola. Auf seiner ersten Afrika-Reise hatte Benedikt zuvor Kamerun besucht.

Der Papst trifft in Angola auf eine sehr junge und auch sehr katholische Bevölkerung. Wo vor gut 500 Jahren die Evangelisierung des südlichen Afrika begann, sind heute mehr als die Hälfte der Menschen katholisch. Weit mehr als die Hälfte der rund 13 Millionen Angolaner sind jünger als 18 Jahre alt.

Benedikt kam nachmittags im Sportstadion Dos Coquieros der Hauptstadt mit Zehntausenden von Jugendlichen zusammen, um sie in der Aufbauarbeit nach 27 Jahren Bürgerkrieg zu "Mut und Gottvertrauen" zu ermuntern. Der Papst litt dabei augenscheinlich unter der Hitze, verfolgte aber aufmerksam das als religiöses Volksfest mit Stammestänzen und Gesängen gefeierte Treffen.

"Die herrschende soziale Kultur hilft euch nicht, das Wort Gottes zu leben" kritisierte Benedikt. In Kamerun hatte er bereits vor der "Tyrannei des Materialismus" gewarnt. "Die dynamische Kraft der Zukunft ist in euch", rief er den Jugendlichen zu, unter ihnen viele bürgerkriegsversehrte junge Angolaner, "die Erneuerung kommt von innen". Die katholische Kirche boomt in Afrika, und sie setzt darauf, auf dem "jungen" Kontinent noch weiter wachsen zu können.

Vatikan-Sprecher Federico Lombardi musste "Falschinterpretationen" von Äußerungen des Papstes zur Abtreibung richtigstellen. Benedikt habe am Freitag nicht gesagt, "dass die therapeutische Abtreibung abgelehnt werden muss", erklärte Lombardi. Er habe sich vielmehr gegen gesundheitspolitische Programme ausgesprochen, «in denen die Abtreibung als ein Mittel der Geburtenkontrolle breit verteidigt wird." Benedikt hatte vor afrikanischen Politikern und Diplomaten gesagt, es mache ihm besonders Sorgen, dass manche in ihrer Politik die Abtreibung als einen Teil "mütterlicher" Gesundheitsvorsorge anpriesen. "Was für eine bittere Ironie", rief der Papst aus.