HOME

Pegida-Hetzer: Akif Pirinçci tut nur einer leid: er selbst

Nach seiner Hetz-Rede bei Pegida hatte sich Akif Pirinçci den Fragen des stern gestellt. Der Autor bedauerte seinen Auftritt in Dresden und nannte seine KZ-Anspielung einen "Riesenfehler" - aber nur aus einem Grund.

Ein Kommentar von Marc Drewello

Akif Pirincci

Stellt sich als Opfer dar: Islamhasser Akif Pirinçci

Mit so schwerwiegenden Folgen hatte er nicht gerechnet: Nach seiner hetzerischen Rede bei Pegida am Montag in Dresden schneiten Akif Pirinçci gekündigte Buchverträge und mehrere Strafanzeigen wegen Volksverhetzung ins Haus. Im Interview mit dem stern nannte der Autor am Donnerstag seinen Auftritt für die Rechtspopulisten und seinen KZ-Vergleich einen "Riesenfehler". Glaubhaft? Absolut! Allerdings nicht, weil der 56-Jährige plötzlich irgendwo in seinem Inneren doch noch ein Gewissen entdeckt hätte, sondern weil er vor allem einen bedauert: sich selbst.

"Mit meinem Auftritt in Dresden habe ich meine Existenz zerstört", jammerte der Autor von "Felidae" dem stern ins Telefon. "Jetzt haben sie sogar die Katzenbücher aus dem Programm genommen. Was können denn die armen Katzen dafür."

Ja, die armen Katzen!

Und der arme Akif!

Schnief.

Und die armen Flüchtlinge? Deren Schicksal geht Pirinçci nach seinem unsäglichen Auftritt in Dresden genauso am Arsch vorbei wie vorher. Kein Wort von seinen Hetztiraden gegen die "Invasoren" nimmt er zurück. Stattdessen stellt er sich selbst als Opfer hin.

Als hätte man ihn hinterhältig nach Dresden gelockt

"Ich habe gedacht, das wäre eine Lesung", antwortete Pirinçci dem stern auf die Frage, warum er überhaupt für Pegida auf die Bühne gegangen ist. Als hätte man ihn unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Dresden gelockt. Dabei trat der 56-Jährige am Montagabend mit den Worten vors Mikrofon: "Ich wollte eigentlich aus meinem Buch 'Umvolkung' lesen, aber das wär mir etwas zu billig vorgekommen. Deshalb habe ich eine Originalrede nur für diesen Anlass geschrieben." Er selbst hat also aus einer womöglich geplanten Lesung eine fast halbstündige Hetz-Rede gemacht.

Aber Pirinçci konnte ja nicht ahnen, dass der Jubiläumsaufmarsch der Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes irgendwie auch was mit Politik und Rechtspopulismus zu tun haben könnte. "Ich sehe das zwar im Fernsehen, aber das ist ja wie ein Rockkonzert, die feiern sich da selbst ab. "Hallo, wir sind Pegida, gimme five", erklärte der Deutsch-Türke seine Hass-Arien vor der Semperoper, obwohl er ja "mit Rechten nichts am Hut" hat.

Zwar gibt sich Pirinçci selbst die Schuld an den Konsequenzen seines Auftritts, allerdings nicht etwa, weil er etwas Falsches gesagt habe, sondern weil die Zuhörer sein Bedauern, dass die KZs außer Betrieb sind, falsch interpretieren konnten und es ohnehin "nicht mein Publikum" war. Da fragt man sich welches Publikum denn das richtige für seine Hasspredigt gewesen wäre?

Pirinçci hat immer offen gesagt, was ihn antreibt

Es ist bezeichnend wie Pirinçci, der seit Jahren gegen Moslems, Flüchtlinge, Frauen und Homosexuelle austeilt, jetzt reagiert, da er derjenige ist, der einstecken muss. Beleidigungen und Anfeindungen wären dem Autoren völlig egal. Er will ja provozieren. Er lebt davon. Und das ist sein Problem.

Denn mit der Kündigung seiner Buchverträge droht sein Geschäftsmodell zusammenzubrechen. Sie trifft Pirinçci dort, wo es ihm am meisten weh tut: beim Geld. Der Autor selbst hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, was tatsächlich hinter dem Irrsinn steckt, den er verbreitet: Im April 2014 antwortete er dem stern auf die Frage, was er mit seinem Hetz-Buch "Deutschland von Sinnen" bewirken wolle: "Ich lebe nicht vom Putzen. Das ist mein Beruf. Natürlich geht es um Geld." Und in seinem Telefonat mit der Satire-Zeitschrift "Titanic" stellte er unverblümt klar: "Ich mache alles für Geld."

Da muss auch sein geliebtes Deutschland zurückstecken. "Ich liebe Deutschland sehr, aber zum ersten Mal denke ich darüber nach, das Land zu verlassen", sagte er dem stern. Offenbar will sich Pirinçci, auf der Suche nach "seinem Publikum" ins Ausland absetzen. Der Flüchtlingshasser als Wirtschaftsflüchtling. Das hat schon was.