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Aktion "Bank Run": Eric Cantona und der Sturm auf die Banken

Mit Traumtoren und Wutausbrüchen hat es Eric Cantona in seiner Fußballkarriere zu Weltruhm gebracht. Nun präsentiert er sich als Revoluzzer und bläst zum Aufstand gegen die Finanzwelt. Heute ist der Tag, an dem die Menschen ihre Bankkonten räumen sollen.

Genialer Torjäger, Rabauke ohne Manieren und sensibler Künstler - der ehemalige französische Nationalstürmer Eric Cantona galt schon immer als ebenso widersprüchliche wie faszinierende Persönlichkeit. Jetzt versucht sich der 44-Jährige auch noch als Revolutionsführer. In einem verbreiteten Video ruft er seine Landsleute dazu auf, ihre Konten zu räumen und damit die Macht der Banken zu brechen. An diesem Dienstag soll es so weit sein. Auch wenn die Aktion keine Aussicht auf Erfolg hat - mittlerweile gibt es zehntausende Sympathisanten des "Bank Run" in ganz Europa.

Die Aufregung um seine Idee kam wohl selbst für Cantona überraschend. Tagelang fand sein Aufruf zur Revolte kaum Beachtung. Lediglich einige Sportinteressierte verbreiteten die in einem Interview geäußerten Ideen des ehemaligen Superstars von Manchester United. "Wenn 20 Millionen Menschen gleichzeitig ihr Geld von der Bank abheben, dann bricht das System zusammen", hatte Cantona Anfang Oktober philosophiert und sich dabei in einem knallrotem Pulli und mit dichtem Bart filmen lassen. "Für diese Revolution braucht man keine Waffen und kein Mensch wird getötet."

Kritiker werfen Cantona Heuchelei vor

Konkreter wurde Cantona nicht. Das übernahmen andere für ihn. Eine französisch-belgische Gruppe entdeckte das Potenzial der Äußerungen des Ex-Stars und rief im Internet die Bewegung ins Leben: "Revolution! Am 7. Dezember heben wir alle unser Geld von den Banken ab!" Mittlerweile haben allein über die französische Facebook-Seite mehr als 36.000 Menschen ihre Beteiligung zugesagt, auf der deutschen Seite nicht ganz 3000. Auch Cantona, den seine Fans einst "King Eric" nannten, kündigte an, an diesem Dienstag sein Konto leer zu räumen. Kritiker werfen ihm allerdings Heuchelei vor. Sie spotten, er werde Koffer mitbringen müssen angesichts der Beträge, die er in den vergangenen Jahren mit Werbekampagnen für Marken wie Nike, Lipton, Renault oder L'Oréal verdient hat.

Dass der sogenannte "Bank Run" ernsthafte Konsequenzen für die Finanzwelt haben könnte, gilt als ausgeschlossen. Allein in Deutschland gibt es laut Bundesbank mehr als 39.000 Bankfilialen. Bei 20.000 Teilnehmern in Deutschland käme im Schnitt nur auf jede zweite ein protestierender Kunde. Zudem muss das Abheben größerer Geldbeträge in der Regel zuvor angemeldet werden - ganz abgesehen davon, dass unter den Teilnehmern nur wenige Vermögende sein dürften.

Finanzbranche ist nicht begeistert

Die durch die irische Schuldenkrise gebeutelte Finanzbranche ist dennoch nicht begeistert. Der Aufruf von Cantona verbreite nur Unsicherheit und sei ohne Grundlage, schimpfte der Generaldirektor der französischen Großbank BNP, Baudouin Prot. "Man sollte über Sachen reden, von denen man Ahnung hat", kommentierte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Cantona sei ein großartiger Fußballer, aus wirtschaftlichen Dingen solle er sich aber besser heraushalten.

Der Ex-Fußballer untermauert mit seinen Revolutionsideen einmal mehr seinen Ruf als unberechenbares "Enfant terrible". Weltberühmt wurde er 1995 mit einem "Kung-Fu-Tritt" gegen einen Fan, der ihn zuvor angepöbelt hatte. Wegen seiner Auseinandersetzungen mit Mitspielern, Fans, Schiedsrichtern, Funktionären und Journalisten war Cantona schon zuvor in Frankreich zeitweise derart umstritten, dass er 1991 drauf und dran war, mit 28 vorzeitig die Stiefel an den Nagel zu hängen.

Debüt als sensibler Schauspieler

Nach seinem Karriere-Ende 1997 schien es dann zunächst, als hätte er das große Rebellentum aufgegeben. Er debütierte in "Looking for Eric" als sensibler Schauspieler, spielte Beachsoccer und kümmerte sich um seine schöne Frau Rachida Brakni und die Kinder. Jetzt dürfen seine Anhänger wieder den Schlachtruf auspacken. "Ooh, Aah - Cantona" wurde der Fußballer von seinen britischen Fans besungen.

Ansgar Haase/DPA / DPA