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"Lieber schlau als blau": Saufen als Unterrichtsfach: Projektleiter verteidigt umstrittene Suchtprävention

Ein Schulprojekt sorgt für Ärger: Jugendliche können in einem Versuch testen, wie viel Alkohol sie vertragen. Darüber empört sich eine Mutter. Der Projektleiter kann die Kritik nicht verstehen.

Suchtprävention

Das Trinkexperiment "Lieber schlau als blau" sorgt an einer Schule in Brandenburg für Ärger

DPA

Nach dem Protest einer Mutter gegen das Alkoholexperiment "Lieber schlau als blau" an einer Oberschule in Templin hat der Leiter das Präventionsprojekt verteidigt. "Wir animieren niemanden zum Trinken", sagte Professor Johannes Lindenmeyer der Nachrichtenagentur DPA. "85 Prozent der erwachsenen Bevölkerung trinkt regelmäßig, und wir müssen davon ausgehen, dass die meisten Jugendlichen früher oder später auch Alkohol trinken", sagte der Direktor der Salus-Klinik in Lindow.

Der "Nordkurier" hatte berichtet, dass sich die Mutter eines 15-jährigen Schülers bei der Zeitung meldete, nachdem ihr Sohn die Einverständniserklärung für das Trinkexperiment mit nach Hause gebracht hatte. Eltern mussten darauf angeben, ob ihr Kind daran teilnehmen darf und wieviel es bei Zustimmung trinken darf.

Seit 2008 können Schüler an dem Alkohol-Experiment teilnehmen

Bei "Lieber schlau als blau" trinken die teilnehmenden Schüler außerhalb der Schule unter Aufsicht eine empfohlene Menge an Alkohol oder weniger. Danach sollen sie einschätzen, wie viel Promille sie haben und wie sie sich fühlen. In Brandenburg nehmen jährlich rund 10 bis 30 Klassen an dem Versuch teil. Mehrere tausend Schüler waren seit dem Projektstart 2008 dabei. In über zehn Jahren sei das die erste Beschwerde, sagte Lindenmeyer.

Rund 15 Eltern hatten laut Lindenmeyer an der Oberschule mit seinem Mitarbeiter über die Teilnahme an dem Projekt beraten. "Diese Mutter, die sich jetzt beschwert, war gar nicht bei der Versammlung", erklärte der Projektleiter. Die Krankenkasse DAK ging inzwischen auf Distanz zu dem Projekt. Der "Berliner Morgenpost" sagte ein Sprecher, Kinder seien "keine Versuchskaninchen".

Im Schnitt haben Jugendliche in Brandenburg mit 14,3 Jahren ihren ersten Rausch, wie Zahlen des Gesundheitsministeriums von 2017 belegen. 15 Prozent der Jungen und neun Prozent der Mädchen im Alter von 15 bis 16 Jahren gaben an, einmal pro Woche Alkohol zu trinken.

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sos / DPA