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Alkoholverbot Tag eins: Biertrinken im Bahnhof

Alkohol ist seit Donnerstag in Hamburgs Nahverkehr tabu. Doch viele Fahrgäste und Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe wissen noch nichts davon. Mancher trinkt sein Bier wie gewohnt. Und im Internet bitten die Gegner des Verbots zur feuchtfröhlichen Party am Hauptbahnhof.

U-Bahn-Station Kellinghusenstraße, Donnerstagmorgen, 9.00 Uhr: "Bitte beachten Sie das in den Zügen geltende Rauch- und Alkoholverbot." So lautet die automatische Durchsage am 1. September im Hamburger Nahverkehr. Seit Donnerstag darf weder in Hamburgs U- und S-Bahnen noch in Bussen oder an Haltestellen Alkohol getrunken oder in unverschlossenen Behältern bei sich getragen werden.

Die Ansichten zum Alkoholverbot sind gespalten. "Ich finde das Alkoholverbot gut", sagt Fahrgast Katharina Marquardt am Morgen in der U-Bahn. "Ich wurde mal von einem Betrunkenen abends an der Haltestelle angepöbelt. Das wird jetzt hoffentlich nicht mehr passieren." Doch mit dem Alkoholverbot sind für andere auch die Zeiten des lustigen "Vorglühens" in der U-Bahn vorbei. "Ich halte nichts von diesem Alkoholverbot. Ich trink' gern schon mal einen mit meinen Kumpels in der Bahn, bevor wir feiern gehen. Das stört doch niemanden", sagt der etwa 20-jährige Philipp kurz vor der Haltestelle Hallerstraße.

Zumindest schonmal davon gehört

Um die komplizierten Regelungen besser zu vermitteln, dreht das Sicherheitspersonal des Hamburger Verkehrs Verbundes (HVV) in U- und S-Bahnen seine Runden und verteilt Infokarten. "Alkoholfreie Zone. Danke, dass Sie mitmachen", steht auf den feuerroten Karten. "Für alle eine gute Sache", leuchtet es in weißen Lettern.

Der HVV setzt zunächst auf eine einmonatige "Verwarnphase". Laut Pressesprecherin Gisela Becker wolle man die Fahrgäste langsam an das neue Verbot gewöhnen. Bußgelder werden erst ab dem 1. Oktober verhängt. Dann werden bei Verstößen 40 Euro fällig. Anders als beim Schwarzfahren kommt es aber nicht zur Strafanzeige. "Alkohol zu trinken ist ja kein Straftatbestand", sagt Becker.

Hamburger Hauptbahnhof, 12 Uhr: Dichtes Gedränge, Stimmengewirr, viele Koffer. Auf den Bahnsteigen ist noch kein Sicherheitspersonal mit Infokarten zu sehen. Dafür aber Biertrinker am Eingang zur U-Bahnlinie 1. Am kleinen Infoschalter des HVV nebenan hat man vom Alkoholverbot zumindest schon mal gehört. Näheres weiß die Mitarbeiterin aber nicht. Am großen Infocenter des HVV im Hauptbahnhof heißt es, Sicherheitspersonal müsse theoretisch unterwegs sein. Die Infokärtchen liegen aber noch unberührt im Schrank.

Via Internet organisieren sich zurzeit alle Gegner des Alkoholverbots im Nahverkehr. Auf Facebook lädt der User "Dei Ne Mudda" zum großen "HVV Abschiedstrinken" ein. Am 30. September soll ab 20 Uhr in der Linie U3 am Hauptbahnhof feuchtfröhlich gefeiert werden. Der Termin sorgt unter den Usern für Verwirrung. Warum erst am 30. September feiern, wenn das Verbot doch schon 29 Tage zuvor gilt? Richtig, gezahlt wird ja erst ab dem 1. Oktober. Zur "friedlichen und gelassenen Party" am 30. September haben sich schon annähernd 6000 Teilnehmer angekündigt. Die Hamburger Hochbahn arbeitet derzeit mit dem HVV und der Innenbehörde an einem Konzept, um die Sicherheit bei dieser Fete zu gewährleisten.

Für manchen bedeutet das Alkoholverbot auch geschäftliche Einbußen. Am Kiosk Kellinghusenstraße meint die Verkäuferin: "Ich habe schon ein bisschen Angst, dass die Leute jetzt hier weniger kaufen." Aber eigentlich ist sie zuversichtlich, trotz des Alkoholverbots in den U-Bahnen weiterhin Hochprozentiges zu verkaufen. Wo die Leute das dann trinken, sei schließlich deren Sache.

Silvia Haselhuhn, DPA / DPA