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Alleinerziehende in Deutschland: Immer mehr Ein-Eltern-Familien

Vater, Mutter, Kind - diese Konstellation wird in Deutschland zunehmend seltener. Jedes fünfte Kind wächst mit nur einem Elternteil auf. Häufig sind es die Mütter, die Kindererziehung und Beruf unter einen Hut bringen müssen.

Immer mehr Kinder in Deutschland wachsen mit nur einem Elternteil auf. Wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin mitteilte, lebten im vergangenen Jahr rund 19 Prozent der Kinder unter 18 Jahren in einem Haushalt mit Alleinerziehenden. Vor 13 Jahren war es nur jede siebte Familie. Ein-Eltern-Familien wohnen häufiger in Großstädten, und ihr Anteil in Ostdeutschland ist deutlich höher.

Wenig überraschend: Alleinerziehen ist Frauensache. In neun von zehn Fällen betreute im Jahr 2009 die Mutter den Nachwuchs. Immerhin zwei von fünf alleinerziehenden Mütter arbeiteten Vollzeit. 58 Prozent schafften es, sich überwiegend aus eigener Arbeit zu finanzieren. Ein Drittel hatte aber weniger als 1100 Euro monatlich zur Verfügung, zwei Drittel kamen immerhin auf 1100 bis 2600 Euro. Sind Kleinkinder im Haus, sieht es jedoch bei den Finanzen düster aus: Nur jede vierte alleinerziehende Mutter von Unter-Dreijährigen (23 Prozent) war 2009 überhaupt berufstätig. Mit Kindern zwischen 15 und 17 Jahren arbeiteten hingegen drei Viertel.

Ein Viertel der Stadtbewohner sind Alleinerziehende

In Ostdeutschland liegt der Anteil der Alleinerziehenden an allen Familien deutlich höher: Hier beträgt er 27 Prozent, im Westen dagegen nur 17 Prozent. Auch in Großstädten mit mehr als 500.000 Einwohnern sind Alleinerziehende häufiger: Sie stellen hier 26 Prozent aller Familien. In den großen Städten Ostdeutschlands, wo alternative Familienformen generell weiter verbreitet sind, sind es mit knapp einem Drittel (31 Prozent) sogar noch deutlich mehr.

Knapp zwei Drittel der westdeutschen Alleinerziehenden waren 2009 geschieden oder lebten in Trennung vom Ehepartner. Anders im Osten: Hier war über die Hälfte (54 Prozent) ledig. Gründe sind, dass Kinder in den neuen Ländern öfter unehelich geboren werden und zudem die Mütter tendenziell jünger sind.

Bessere Betreuung für Kinder gefordert

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) bekräftigte aus Anlass der Studie ihre Absicht, ab 2012 jedem dritten Kind unter drei Jahren einen Krippenplatz anzubieten. "Gerade Alleinerziehende brauchen eine ausreichende und qualitativ gute Kinderbetreuung mit flexiblen Betreuungszeiten", erklärte sie. Die Opposition warf der Regierung aber schwere Versäumnisse in der Familienpolitik vor.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte, dass nach wie vor viele Ein-Eltern-Familien auf Hartz IV angewiesen sind und ihr Armutsrisiko damit hoch ist. Im März bezogen rund 636.000 Alleinerziehende mit rund einer Million Kindern Arbeitslosengeld II, wie Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach berichtete. Sie forderte als Konsequenz bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und Existenz sichernde Jobs. Die Sprecherin der Grünen im Bundestag für Kinder- und Familienpolitik, Katja Dörner, erklärte, die nun geplante Abschaffung des Elterngelds für Hartz-IV-Bezieher und die Anrechnung des Elterngelds bei Mini-Jobbern und Aufstockern werde das Armutsrisiko gerade bei Alleinerziehenden verschärfen. Weiter verlangte sie, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Unter-Dreijährige müsse unbedingt umgesetzt werden. Im Bundesgesetz müsse zudem klargestellt werden, dass Anspruch auf einen ganztägigen Betreuungsplatz bestehe.

swd/APN/AFP
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