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Allensbach-Studie Job-Stress frisst sich ins Familienleben


Eltern im Dauerstress: Laut einer Studie beklagen sich viele Mütter und Väter über zu wenig Zeit für die Kinder und Arbeit nach Dienstschluss. Viele Frauen wollen dabei nur eins: einfach entspannen.

Familien in Deutschland sind laut einer Studie oft gestresst und leiden unter Zeitmangel und Überlastung. Die Mehrheit der berufstätigen Mütter (55 Prozent) gibt an, in der Freizeit nur noch selten entspannen zu können. Bei den berufstätigen Vätern liegt die Quote der Dauer-Gestressten bei 49 Prozent. Nur 28 Prozent der insgesamt 1600 Befragten gaben an, viel Zeit für die Familie zu haben. Das sind die Ergebnisse der Vorwerk-Familienstudie 2012, für die das Allensbach-Institut in Deutschland einen repräsentativen Bevölkerungsquerschnitt befragt hat.

Die Arbeit tritt inzwischen auch nach Dienstschluss in Konkurrenz zu den Kindern und verlangt nach Aufmerksamkeit: 29 Prozent aller Berufstätigen gaben an, im Feierabend für Kollegen, Kunden und Vorgesetzte ansprechbar sein zu müssen. Zwar sind die überwiegend in Teilzeit arbeitenden Mütter seltener als die Väter im Feierabend für ihre Firma erreichbar, die Doppelbelastung der Familienarbeit schlägt bei ihnen dafür umso stärker zu Buche. Während die Väter sich mehr Zeit mit der Familie wünschen, hätten die Mütter gerne mehr Zeit für sich selbst.

Bei keinem Punkt der Studie klaffen Anspruch und Wirklichkeit so sehr auseinander wie bei der Frage nach viel gemeinsamer Zeit der Eltern mit ihren Kindern: 83 Prozent halten dies für wünschenswert, nur 28 Prozent sehen es als verwirklicht.

Elternzeit steht hoch im Kurs

Ein Ideal, das seit Jahrzehnten auf Verwirklichung wartet: 69 Prozent sind für die gleichberechtigte Aufteilung der Haushaltsarbeit - nur 31 Prozent sehen das im Alltag als erfüllt. Nach wie vor erledigen Frauen den Großteil der Hausarbeit. Tröstlich: Die Mütter erhalten dafür mehr Anerkennung als noch vor sieben Jahren. Sahen 2005 nur 53 Prozent der Frauen ihre Arbeit für die Familie ausreichend gewürdigt, sind es inzwischen 71 Prozent.

Bei den Berufstätigen mit Kinderwunsch steht die Elternzeit hoch im Kurs: 72 Prozent können sich vorstellen, Elternzeit zu nehmen. Bei der Idee einer "Großelternzeit" von Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist das Echo verhaltener: 40 Prozent spielen mit dem Gedanken, zugunsten der Enkel im Beruf kürzerzutreten. Für 44 Prozent kommt das nicht infrage. Während 41 Prozent ganz bestimmt Elternzeit nehmen wollen, sind es bei der Großelternzeit nur zehn Prozent.

Offen zeigen sich die Deutschen für die Rückkehr zum Wohnen verschiedener Generationen unter einem Dach: 76 Prozent halten Mehrgenerationenhäuser für eine "gute Sache", nur 14 Prozent lehnen diese Wohnform ab, bei der Ältere auf die Kinder aufpassen und die Jüngeren im Gegenzug Besorgungen erledigen könnten. 51 Prozent der Befragten können sich sogar vorstellen, selbst in einem solchen Haus zu wohnen. Im Auftrag des Haushaltsgeräteherstellers Vorwerk hat das Allensbach-Institut für Demoskopie die Familienstudie zum achten Mal erstellt. Sie soll jährlich fortgeführt werden.

Kinder häufiger in Kita als im OECD-Schnitt

Abseits der großelterlichen Betreuung setzen deutsche Eltern stärker auf den Kindergarten als in anderen Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Der Anteil der Dreijährigen, die einen Kindergarten oder eine vergleichbare Einrichtung besuchen, lag in Deutschland im Jahr 2010 bei 89 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Bei den Vier- und Fünfjährigen waren es je 96 Prozent.

Damit sind die Quoten deutlich höher als im Durchschnitt der OECD-Mitgliedstaaten. Durchschnittlich gingen zwei von drei Kindern im Alter von drei Jahren in den Kindergarten, bei den Vier- und Fünfjährigen waren es jeweils etwa vier von fünf Kindern.

mlr/DPA DPA

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