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Allensbach-Umfrage: Deutsche wünschen einheitliches Bildungssystem

Die Mehrheit der Bundesbürger ist mit dem deutschen Schulsystem unzufrieden. Dies zeigt eine aktuelle Allensbach-Studie. Besonders in der Kritik steht die föderale Struktur. Ebenfalls ein Ärgernis: zu große Klassen und häufiger Unterrichtsausfall.

Laut einer Allensbach-Umfrage wünschen sich die Deutschen eine bundeseinheitliche Schulpolitik. Die Mehrheit der Bürger ist mit den unterschiedlichen Bildungssystemen in den Ländern unzufrieden. 61 Prozent der Deutschen wünschen sich ein Schulsystem, in dem die Bundesregierung die Verantwortung für die Bildungspolitik trägt. Ein Drittel der Bürger aus dem Osten Deutschlands sind mit dem achtjährigen Gymnasium (G-8) unzufrieden, während ein Drittel Verbesserungsbedarf bei den Lehrplänen sieht. Ein weiteres Drittel tritt für die Rückkehr zum G-9 ein. In den alten Bundesländern wollen dies 71 Prozent. Keine großen Erwartungen setzen die Bürger in die geplante oder bereits beschlossene Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen.

Eine Verbesserung der konkreten Lernbedingungen an den Schulen ist für viele Befragte wichtiger als eine Strukturreform. Fast 60 Prozent fordern eine Verkleinerung der Klassen, bei den Eltern schulpflichtiger Kinder sind es sogar 69 Prozent. Ebenfalls bemängelt wurde der hohe Unterrichtsausfall. Hans-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Philologenverbandes, führt dies auf den verstärkten Lehrermangel zurück. Mehr als die Hälfte der Umfrage-Teilnehmer wünschen sich eine stärkere individuelle und begabungsgerechte Förderung ihrer Kinder.

Was ist ein guter Lehrer?

Ein Lehrer muss Kinder motivieren können und zudem eine hohe fachliche Kompetenz aufweisen. Diese Punkte nennt eine Mehrheit der Befragten als Haupteigenschaften eines guten Lehrers. Anerkannt wird einerseits, dass der Beruf anstrengender geworden ist. Andererseits wird kritisiert, dass Lehrer zu viel über ihre Belastung klagen. Insgesamt ist die allgemeine Bewertung der Lehrer laut Allensbach deutlich schlechter als das Urteil über die Pädagogen, die die eigenen Kinder unterrichten. Eine Benotung der Lehrer durch Schüler, wie beispielsweise auf dem Internetportal spickmich.de praktiziert wird, hält Hans-Peter Meidinger für fraglich. Über "neue Rückmeldungssysteme" müsse man aber nachdenken.

Im Auftrag der Vodafone-Stiftung hat das Meinungsforschungs-Institut Allensbach mehr als 2000 Deutsche zur Schulpolitik und zum Lehrerbild in Deutschland befragt. Die Länder erhielten von den Befragten für ihre Schulpolitik nur eine 3,6. Am besten kam Bayern mit einer 3,3, am schlechtesten Schleswig-Holstein mit einer Note von 4,2 weg.

Claudia Kemmer / AP / AP