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Altersbild der Deutschen: Alte sind glücklich, Junge perspektivlos

Das Thema Alter spaltet: Laut einer Umfrage geht es den heutigen Alten sehr gut. Viele Deutsche haben jedoch Angst vor dem finanziellen Abstieg im Alter.

Von Annika Noffke

Häufig liest man derzeit Sätze wie: "So glücklich sind unsere Rentner!" oder aber "90 Prozent der Deutschen sehen schwarz für Senioren" - es kursieren momentan viele widersprüchliche Schlagzeilen zum Thema Alter. Dahinter stehen Ergebnisse von Studien, die mit ihren jeweiligen Ansätzen ganz Unterschiedliches zutage fördern.

Aktiv und gut versorgt: Die Generation 65+

Ältere Menschen in Deutschland führen überwiegend ein aktives, abwechslungsreiches Leben. Dieses Bild der 65- bis 85-jährigen zeichnet eine Altersumfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag des Generali Zukunftsfonds. Die Mehrheit der rund 4.000 Befragten stellt den Erhalt ihrer Gesundheit in den Mittelpunkt – sie möchten ihr selbstbestimmtes Leben möglichst lang beibehalten. Die Alten sind aktiv: Im Durchschnitt sind die 65- bis 85-Jährigen an fünf Tagen in der Woche außer Haus unterwegs, jeder Dritte täglich. Die überwiegende Mehrheit hat enge familiäre Bindungen und einen stabilen Freundes- und Bekanntenkreis. Fast die Hälfte der Befragten engagiert sich ehrenamtlich. Außerdem fühlen sich die meisten Alten gut versorgt: 63 Prozent sind mit ihrer wirtschaftlichen Lage zufrieden – die 65- bis 85-Jährigen verfügen über ein monatliches Netto-Haushaltseinkommen von rund 2.200 Euro, mehr als jeder Zweite wohnt in der eigenen Immobilie. Unsere Alten sind anscheinend so glücklich wie noch nie.

Ein anderes Bild zeigt hingegen eine qualitative Studie der Körber-Stiftung, für die das Bremer Institut Nextpractice 205 Intensiv-Interviews von 120 Minuten Länge führte. Befragt wurden alle Altersgruppen. Das Besondere: Ihnen wurden nicht wie in einer Umfrage vorformulierte Antworten zur Auswahl gestellt. Vielmehr assoziierten sie frei zu vorgegebenen Stichworten aus den Bereichen "Leben", "Alter" und "Arbeit". "So lassen sich die tieferliegenden Erwartungen, Ängste und Wünsche zum Alter erkunden", erklärt Karin Haist, Bereichsleitung Gesellschaft der Körber-Stiftung, das Ziel der Studie. Ein Ergebnis: Fast 90 Prozent der Deutschen glauben, dass die Situation älterer Menschen in Zukunft schlecht bleibt oder sogar noch schlechter wird. Drei Viertel meinen, dass es seit den 1990er Jahren für alte Menschen bergab gehe.

Finanzielle Absicherung ist Top-Thema beim Alter

Wichtigstes Thema in Bezug auf Alter ist das Geld. Soziales Engagement spielt für die Befragten der Studie der Körber-Stiftung nur in 6 Prozent der Antworten eine Rolle. Wenn man die Deutschen nach dem Alter fragt, denken sie vielmehr an ihre finanzielle Absicherung: So zählen zu den Top-3-Hoffnungen der Befragten in Bezug auf das Alter "gute finanzieller Ausstattung aufgrund erbrachter Lebensleistung", "Wohlstand, der hohen Lebensstandard erlaubt" und "eine leistungsgerechte Ausstattung für den Lebensabend". Die Top-3-Ängste sind ein "Verlust von Sicherheit und Lebensqualität", "Lohndumping und unakzeptable Arbeitsverhältnisse" sowie "finanzielle Einschränkungen wegen geringer Rente". "Der Zukunftsglaube fehlt", kommentiert Studienleiter Peter Kruse von Nextpractice.

Und er fehlt vor allem bei jungen Menschen, wie eine andere Allensbach-Umfrage zeigt. Die Ergebnisse sind alarmierend: 55 Prozent der jungen Deutschen aus einfachen sozialen Schichten glauben nicht an einen Aufstieg. Mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung denkt, dass Leistung sich nicht lohnt und es nur auf das Elternhaus ankommt. Für die Chancengerechtigkeits-Studie befragte Allensbach 1.835 Personen ab 16 Jahren.

Das Thema Alter ist, wie die neuen Studien zeigen, nicht ohne einen grundsätzlichen Blick auf die Gerechtigkeitsfrage zu diskutieren – egal wie glücklich sich der Einzelne heute fühlt.

Mit Agenturen