Amnesty International Jede dritte Hinrichtung weltweit in China


Nirgendwo auf der Welt werden so viele Menschen hingerichtet wie in China. Zusammen mit dem Reich der Mitte sind gerade einmal fünf Länder für 90 Prozent der vollstreckten Todesurteile verantwortlich. China will an der Todesstrafe festhalten: Das Volk würde die Abschaffung nicht akzeptieren.

Im Jahr vor den Olympischen Spielen in Peking sind in China wieder mehr Menschen hingerichtet worden als in jedem anderen Land der Welt. Zwar ließ die chinesische Justiz 2007 nach einer Statistik von Amnesty International mit mindestens 470 nur noch halb so viele Menschen töten wie im Vorjahr. Trotzdem machte das immer noch mehr als ein Drittel aller weltweit vollstreckten Todesurteile aus. Insgesamt zählte Amnesty im vergangenen Jahr weltweit 1252 Hinrichtungen in 24 Ländern und damit 21 Prozent weniger als im Vorjahr.

Für knapp 90 Prozent aller vollstreckten Todesurteile waren China und vier weitere Länder verantwortlich: der Iran (317), Saudi-Arabien (143), Pakistan (135) und die USA (42). Offizielle Zahlen gibt es nur aus wenigen Staaten wie den USA. In anderen Ländern wie China ist die Zahl der Hinrichtungen Staatsgeheimnis. Amnesty geht davon aus, dass in China im vergangenen Jahr tatsächlich mehrere tausend Menschen hingerichtet wurden. "Tatsächlich glauben wir, dass es bei der Zahl der Hinrichtungen einen Rückgang gab", sagte Amnesty-Experte Piers Bannister. "Ob dieser Rückgang von Dauer ist und von welcher Bedeutung er ist, wissen wir nicht, da es ein Staatsgeheimnis ist."

China verteidigt unteredessen die Anwendung der Todesstrafe. "Es ist nicht der richtige Zeitpunkt für China, die Todesstrafe abzuschaffen, das chinesische Volk würde die Abschaffung nicht akzeptieren", erklärte die Sprecherin des Außenministeriums, Jiang Yu, in Peking als Reaktion auf den Amnesty-Bericht. Die Pekinger Außenamtssprecherin betonte China wende die Todesstrafe mit "Bedacht" bei einer "kleinen Anzahl" von Schwerverbrechern an. Gegenwärtig gebe es weltweit mehr Länder, die an der Todesstrafe festhalten, als solche, die sie abgeschafft hätten, erklärte Jiang Yu. Peking hatte im vergangenen Jahr die Todesstrafe reformiert. Seitdem müssen dem Gesetz zufolge alle Todesurteile vom höchsten Gericht in Peking geprüft werden.

Drei Staaten schafften die Todesstrafe ab

Drei Staaten schafften die Todesstrafe 2007 komplett ab: Albanien, die Cook-Inseln und Ruanda. 62 Staaten halten allerdings noch daran fest. 3347 Menschen in 51 Ländern wurden im vergangenen Jahr zum Tode verurteilt und damit 13 Prozent weniger als 2006. Nach den Erkenntnissen von amnesty werden Todesstrafen allerdings nicht nur wegen gewalttätiger Verbrechen, sondern zunehmend für weniger gravierende Delikte ausgesprochen, beispielsweise in Saudi-Arabien wegen Homosexualität, in Südostasien wegen Drogenhandels und in China wegen Korruption und Steuerhinterziehung.

Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl wurden im vergangenen Jahr in Saudi-Arabien die meisten Todesurteile vollstreckt, gefolgt von Iran und Libyen. Die Hinrichtungsmethoden sind unterschiedlich. Neben dem in den USA üblichen Elektrischen Stuhl und der Giftspritze, werden in anderen Ländern laut Amnesty Menschen durch Steinigung (Afghanistan, Iran), Enthauptung (Saudi-Arabien), Hängen (Ägypten, Iran, Irak, Japan u.a.) oder Erschießen (China, Taiwan, Weißrussland u.a.) hingerichtet.

AP/DPA AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker