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Angebot der Jesuiten: 5000 Euro Entschädigung für jedes Missbrauchsopfer

Vor einem Jahr kamen die ersten sexuellen Missbrauchsfälle in deutschen Jesuitenschulen ans Licht und lösten eine Lawine aus. Nun hat der Orden jedem Opfer 5000 Euro Entschädigung angeboten. Vielen Betroffenen ist das aber viel zu wenig.

Nun ist es offiziell: Ein Jahr nach der Aufdeckung des sexuellem Missbrauchs am Berliner Canisius-Kolleg hat der Jesuitenorden rund 200 Opfern eine Entschädigung von jeweils 5000 Euro angeboten. Das Angebot sei am Dienstag zunächst per E-Mail verschickt worden, Briefe sollen in den nächsten Tagen ankommen, sagte Ordenssprecher Thomas Busch am Mittwoch in München und bestätigte entsprechende Medienberichte. Bislang hatte der Orden keine konkrete Summe genannt, sondern von einer vierstelligen Zahl gesprochen. Opferverbände kritisieren das als viel zu wenig. Sie fordern bis zu 82 400 Euro pro Person.

Die Jesuiten gehören zu den ersten kirchlichen Einrichtungen, die nach dem Missbrauchsskandal konkrete finanzielle Angebote an die Opfer machen. Ordenssprecher Busch nennt das Angebot allerdings nicht Entschädigung, sondern eine "Anerkennungszahlung". Das Leid der Opfer könne man finanziell nicht wiedergutmachen, betonte er. Die Betroffenen würden auch um Geduld gebeten. Umgesetzt werden solle das Angebot in Abstimmung mit der Deutschen Bischofskonferenz. Würden alle Opfer, die sich bisher beim Orden gemeldet haben, 5000 Euro annehmen, ginge es für die Jesuiten insgesamt um rund eine Million Euro.

Der Missbrauch in Schulen des Ordens liegt zumeist mehr als 20 Jahre zurück. Öffentlich wurden die sexuellen Übergriffe auf Jungen an der Berliner Jesuitenschule Canisius-Kolleg Mitte Januar 2010. Das löste eine Lawine aus. Immer mehr verjährte Missbrauchsfälle an weiteren Jesuiten-Schulen, in kirchlichen Einrichtungen und auch an anderen Schulen kamen ans Licht.

Die damaligen Jesuiten-Opfer sind heute zwischen 40 und 50 Jahre alt. Sie berichten, wie einige ihrer Lehrer ihnen einst beim Duschen zusahen, die Genitalien der Jugendlichen berührten oder sie zum Onanieren zwangen. Einige Schüler hatten den Mut, diese Übergriffe dem Orden zu melden. Doch der versetzte die Täter allenfalls und dachte nicht an Hilfe für die Opfer. Bei vielen Betroffenen blieb ein Gefühl von Wut und Ohnmacht zurück.

Die Opfervertraute Andrea Fischer attestierte dem Jesuitenorden im vergangenen Sommer in ihrem Gutachten ein Versagen als pädagogische Institution und als moralische Autorität - in der Vergangenheit. Gleichzeitig würdigte sie den Aufklärungswillen des Ordens in der Gegenwart und riet ihm, bei Entschädigungszahlungen voranzugehen.

"Wir rechnen damit, dass Opfer unser Angebot als nicht ausreichend empfinden werden", sagte Ordenssprecher Busch am Mittwoch. Erleichtert durch die konkrete Summe fühle sich bei den Jesuiten niemand. "Es bleiben Scham und Schmerz über das Geschehene. Es wird immer ein Gefühl der Unversöhnlichkeit bleiben", ergänzte er.

Zu den Missbrauchsopfern der Jesuiten zählt auch der 47-jährige Matthias Katsch. Er wurde als 13-Jähriger von zwei Patres missbraucht und hat im vergangenen Jahr den "Eckigen Tisch" als Opfervertretung gegründet. Der "Eckige Tisch" fordert pauschal 82 373 Euro Entschädigung pro Person. Dies sei der Durchschnitt der in den vergangenen Jahren durch Gerichte festgesetzten Schmerzensgelder für Schäden der Seele, argumentiert Katsch. Die Opfer wollten etwas in der Hand haben für das nichtgelebte Leben und zur Lebensbewältigung.

DPA / DPA