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Angst vor Altersarmut: Jugendliche verstehen System der Altersvorsorge nicht

Die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat nach den Ergebnissen einer Studie Angst vor Altersarmut. 61 Prozent der Befragten im Alter zwischen 17 und 27 Jahren haben demnach Sorge, im Alter arm zu sein.

Die Reform der Alterssicherung überfordert einer Studie zufolge die Kompetenzen junger Leute. "Die Mehrzahl der befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen steuert ungewollt auf die Altersarmut zu", sagte der Jugendforscher Klaus Hurrelmann am Donnerstag in Berlin. Sie seien zwar zur Zukunftssicherung bereit, verstünden aber die komplizierten Regelungen nicht.

Der Jugendforscher Professor Klaus Hurrelmann bezeichnete die Ergebnisse als "sehr ernüchternd und beunruhigend". "Die Überforderung ist groß", sagte der wissenschaftliche Leiter der Studie. "Die vor zehn Jahren eingeleitete Reform der Alterssicherung durch mehr Eigenbeteiligung ist nicht bei den jungen Leuten angekommen."

Zudem schätzen junge Leute der Studie zufolge ihr Wissen über Altersversorgung falsch ein. So sagten in der Befragung von TNS Infratest mehr als ein Drittel, sie könnten die Begriffe Riester-Rente und betriebliche Altersvorsorge erklären. Frage man sie dann aber nach dem Ausdruck Bruttoentgeltumwandlung, hätten nur 12 Prozent überhaupt davon gehört. Zugleich sei ihnen das Risiko von Altersarmut bewusst, aber nur wenige könnten genug für die private Vorsorge zurücklegen.

Für die Studie im Auftrag von Metallrente, dem Versorgungswerk der IG Metall und des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, wurden 2.500 junge Leute befragt. Danach äußerten 61 Prozent die Befürchtung, sie könnten im Alter nur eine Mindestversorgung erhalten: Dabei war der Anteil junger Frauen deutlich höher als der der Männer.

78 Prozent erklärten, sie wollten für ihre Zukunftsvorsorge so viel Geld wie möglich beiseite legen. "Das bedeutet im Umkehrschluss allerdings auch, dass 22 Prozent der Jugendlichen es nicht für notwendig oder möglich erachten, sich darum zu kümmern", heißt es in der Studie weiter.

Mehr als die Hälfte der Jugendlichen (51 Prozent) spart regelmäßig, weitere 31 Prozent ab und zu, und 16 Prozent sparen nicht. Bei den Spargründen stehen an erster Stelle größere Anschaffungen, gefolgt von Vorsorge für unvorhersehbare Lebensfälle. Bereits auf Platz drei folgt mit 55 Prozent die Altersvorsorge. Allerdings hält nach Einschätzung der Forscher häufig Geldknappheit junge Leute von ausreichender Vorsorge ab, sowie "der Hedonismus, der neben der bewussten verantwortlichen Lebensplanung eine gewisse Rolle in der jugendlichen Mentalität spielt".

Die Finanzkrise hat das Vertrauen vieler in Banken und Versicherungen erschüttert - so stimmten rund 60 Prozent der Aussage zu: "Man weiß nicht mehr, wem man in so weitreichenden Fragen wie der Altersvorsorge vertrauen kann." Eine große Mehrheit wünscht sich deshalb mehr Kontrolle des Staates: 77 Prozent erklärten, sie würden sich sicherer fühlen, wenn der Staat die Produkte der Banken und Versicherungen besser überwachen würde.

53 Prozent der Befragten erklärten, sie würden sich in finanziellen Fragen "gut" oder "sehr gut" auskennen. "Weniger gute" finanzielle Kompetenz bescheinigen sich 43 Prozent, und mehr als ein Drittel der Jugendlichen fühlt sich von den verfügbaren Informationen über finanzielle Dinge überfordert.

Hurrelmann, der die Studie wissenschaftlich begleitete, fordert deshalb die Einführung eines Schulfachs "Ökonomische Bildung". Die Fähigkeiten Jugendlicher in Finanzdingen müsse deutlich erhöht werden. Die meisten jungen Leute wünschen sich dies auch, wie aus der Befragung hervorgeht.

APN/DPA / DPA