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Anhörung von Wikileaks-Chef in London: Kommt Assange heute frei?

Wie sieht die Zukunft von Julian Assange aus? Heute unternehmen seine Anwälte einen neuen Versuch, den in London inhaftierten Wikileaks-Chef auf Kaution frei zu bekommen. Im australischen Fernsehen ließ Assange seine Mutter eine Erklärung verlesen - und gibt sich darin kämpferisch.

Die Anwälte des seit einer Woche in London inhaftierten Wikileaks-Gründers Julian Assange wollen am Dienstag erneut versuchen, ihren Mandanten auf Kaution freizubekommen. Nachdem ein EU-weiter Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war, hatte sich der 39-Jährige in der britischen Hauptstadt den Behörden gestellt. Den Haftbefehl hatte die Justiz in Schweden erwirkt, wo Assange wegen Vergewaltigung gesucht wird. Er selbst bestreitet die Vorwürfe.

Eine Freilassung auf Kaution hatte ein Haftrichter in der vergangenen Woche unter Hinweis auf Fluchtgefahr abgelehnt und auf eine Anhörung an diesem Dienstag verwiesen. Assanges Anwälte rechnen zudem mit einer Spionage-Anklage aus den USA. Ein entsprechender Schritt der US-Strafverfolgungsbehörden stehe unmittelbar bevor. Assange und seine Anwälte argumentieren, bei dem Haftbefehl aus Schweden handle es sich um eine aus den USA gesteuerte Aktion.

Assanges Mutter schaltet sich ein

Assange meldete sich unterdessen in einer von seiner Mutter im australischen Fernsehen verlesenen Erklärung: Darin kritisiert er die Kreditkartenunternehmen Visa und Mastercard sowie das Bezahlsystem Paypal scharf, nachdem diese Zahlungsmöglichkeiten an Wikileaks blockiert hatten. "Wir wissen jetzt, dass Visa, Mastercard und Paypal Instrumente der US-Außenpolitik sind", hieß es in der Erklärung. "Das haben wir vorher nicht beachtet".

Wikileaks hatte Ende November mit der umstrittenen Veröffentlichung von Geheimdepeschen der US-Diplomatie im Internet begonnen. Die US-Regierung drohte deswegen wiederholt mit juristischen Schritten. Die beiden Kreditkartenunternehmen sowie das Online-Bezahlsystem hatten vergangene Woche die Zahlungsmöglichkeiten an Wikileaks eingestellt. Paypal lockerte die Sperre zwar etwas, kündigte aber an, vorerst keine neuen Zahlungen zu akzeptieren.

Assange werde an seinen Überzeugungen und Idealen festhalten, hieß es in der Erklärung weiter. "Diese Umstände werden nicht an ihnen rütteln. Diese Entwicklungen haben meine Entschlossenheit eher bestärkt und gezeigt, dass meine Überzeugung richtig ist". Inzwischen ist Assanges Mutter nach London gereist ist, um ihrem Sohn beizustehen. "Als Mutter fordere ich die Welt auf, meinen mutigen Sohn zu unterstützen", sagte sie dem Sender Channel 7.

be/DPA/Reuters / DPA / Reuters