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Anne-Will-Talkshow: Lebenswichtige Fragen

Ist Sterbehilfe ein Gnadenakt - oder zynische Geschäftemacherei? Diese Frage versuchte Anne Will am Sonntag in ihrer Talkshow zu beantworten. Mit dabei: der umstrittene Dignitas-Chef Ludwig A. Minelli. Für bewegende Momente sorgten jedoch andere. Eine TV-Kritik von Malte Arnsperger.

Sie will entscheiden. Über ihr Leben und auch über ihren Tod. Sie hat Brustkrebs, doch sie lehnt eine Behandlung ab. Die Frau genießt lieber die letzten Jahre ihres Lebens in vollen Zügen. Währenddessen breitet sich die Krankheit in ihrem ganzen Körper aus, überall bilden sich Metastasen. Nun will sie sterben. Würdevoll. Selbstbestimmt. Doch in Deutschland geht das nicht. Deshalb fährt sie mit ihrer Freundin in die Schweiz und lässt sich dort ein tödliches Mittel verschreiben. Begleitet von einem Arzt und ihrer Freundin nimmt sie das Mittel in einem Schweizer Hotelzimmer ein - sie begeht assistierten Suizid.

Diese bewegende Geschichte erzählte Barbara Wolf zu Beginn der gestrigen Anne-Will-Talkshow in der ARD. Wolf war die Freundin der krebskranken Frau. Sie hat erlebt, wie sich ein Mensch für den Freitod entscheidet. Und sie hat erlebt, wie froh dieser Mensch war, dies nicht durch den Sprung vor einen Zug tun zu müssen. Über den Tod ihrer Freundin sagte sie: "Es war ein würdevolles Sterben. Sie hat sich danach gesehnt." Barbara Wolf versicherte mit brüchiger Stimme, sichtlich bewegt, dass sie genau so handeln würde wir ihre Freundin.

Dignitas will Präzedenzfall schaffen

Sterben. Wie soll es geschehen? Wo? Und wann? Diese Fragen standen am Sonntagabend im Mittelpunkt von Anne Wills Sendung, Thema: "Der organisierte Tod? Geschäft oder Gnadenakt?" Das Thema war sehr gut gewählt, die Diskussion über Sterbehilfe war in den vergangenen Wochen durch zwei Vorfälle wieder in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Zum einen hatten zwei Deutsche auf einem Parkplatz in der Schweiz Suizid begangen. Geholfen hat ihnen dabei der Schweizer Sterbehilfe-Verein Dignitas. Zum anderen hat Dignitas' deutscher Ableger Dignitate kurz darauf ankündigt, im kommenden Jahr erstmals auch in Deutschland Menschen beim Suizid unterstützen zu wollen. Man wolle damit einen Präzedenzfall schaffen, hieß es. Rechtlicher Hintergrund: Mit Sterbehilfe bewegt man sich in Deutschland in einer juristischen Grauzone. Nach Ansicht vieler Rechtsexperten ist es zwar erlaubt, einem Sterbewilligen ein todbringendes Mittel zu reichen. Der Mediziner, oder ein anderer Helfer, riskiert jedoch strafrechtliche Konsequenzen wegen unterlassener Hilfeleistung, wenn er dem Suizid beiwohnt und sich nicht zuvor entfernt.

Eine äußerst gefährliche und vor allem unübersichtliche Situation. Das sieht auch Henning Scherf so. Der ehemalige Bremer Bürgermeister forderte in Wills Sendung eine rechtliche Klarstellung, sprach sich aber gegen den assistieren Suizid aus. Wirklich schlagende Argumente brachte Scherf für seine Haltung jedoch nicht vor. Er verglich den unterstützen Freitod mit Euthanasie und Nazi-Methoden, gab jedoch zu, er sei "noch nicht durch mit dem Thema".

Dignitas sei auch Lebenshilfe-Verein

Etwas durchdachter argumentierte der wohl umstrittenste Gast, der Gründer und Chef von Dignitas, Ludwig A. Minelli. Anfangs sehr überzeugend setzte sich der wortgewandte Schweizer für seine Arbeit ein. Auch Minelli, selber Anwalt, sprach die rechtlich unklare Situation in Deutschland an und forderte die Gerichte auf, eine eindeutige Entscheidung über den assistierten Suizid zu treffen. Er wies darauf hin, dass Dignitas nicht nur ein Sterbehilfe- sondern auch ein Lebenshilfeverein sei. Denn rund 70 Prozent der Mitglieder die eigentlich schon grünes Licht für ihren unterstützten Freitod bekommen hätten, hätten sich nie wieder bei Dignitas gemeldet.

Eine Fürsprecherin fand Minelli am Sonntagabend in der Schauspielerin und Grünen-Politiker Barbara Rütting. Die 79-Jährige, selber Mitglied bei Dignitate, sagte: "Die Möglichkeit, das Leben selber zu beenden, ist die einzige Freiheit, die der Mensch überhaupt hat." Den Verdacht, der assistierte Suizid durch Dignitas sei Geschäftemacherei, wies Rütting zurück. Ihr monatlicher Mitgliedsbeitrag von nur 16 Euro bei Dignitas sei nicht vergleichbar mit dem Geld, dass die Pharmaindustrie mit schwer kranken Menschen verdiene.

Hitzige Wortgefechte in einer nachdenklichen Sendung

Geschäftemacherei mit dem Tod hatte Dignitas zuvor der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach vorgeworfen. Bosbach, ein vehementer Gegner des unterstützen Selbstmordes, lieferte sich in einer ansonsten sehr nachdenklichen und dem Thema angemessen ruhigen Sendung einige hitzige Wortgefechte mit Dignitas-Chef Minelli. Anfangs schien Minelli, flankiert von den zwei Frauen Wolf und Rütting, die besseren Argumente auf seiner Seite zu haben. Bosbach konnte nur, seinerseits argumentativ assistiert durch die Gründerin einer Palliativstation, auf die schon bestehenden Möglichkeiten der Schmerzmedizin und von Hospizen hinweisen.

Doch zwei Film-Einspielungen ließen Zweifel am assistierten Suizid und an dem Sterbehilfeverein Dignitas selber aufkommen. Zum einen berichtete die Krebspatientin Sibylle M., dass sie sich vor einiger Zeit schon über einen Selbstmord nachgedacht hatte, jedoch durch die gute Betreuung in einer Palliativstation den Lebensmut wiedergewonnen habe. Noch verstörender dann die Schilderung einer ehemaligen Mitarbeiterin von Dignitas. Früher, so erzählte Soraya Wernli, habe Minelli noch Gutes im Sinn gehabt. Mittlerweile jedoch verstehe er die Sterbehilfe als Geschäft. Dignitas fertige die Sterbewilligen zu schnell ab und kümmere sich viel zu wenig um alternative Möglichkeiten. Doch damit nicht genug: Wernli berichtete von zwei Fällen, bei denen Dignitas aktive Sterbehilfe geleistet habe soll - sowohl in Deutschland wie in der Schweiz ist das ein Straftatbestand.

Minelli fehlen überzeugende Antworten

Minelli, von Will mit diesen Aussagen konfrontiert, hatte auf die massiven Vorwürfe keine überzeugenden Antworten parat. Zwar bezichtigte er Soraya Wernli der Lüge und versuchte, die angeblich laufenden Ermittlungen gegen seinen Verein herunterzuspielen. Jedoch hinterließ dies sicher bei vielen Zuschauern ein ungutes Gefühl. Und da die Sendezeit gerade an diesem spannenden Punkt zu Ende war, muss man festhalten: Eine wirkliche überzeugende Antwort auf die Frage, ob der organisierte Tod ein Geschäft oder ein Gnadenakt ist, konnte Anne Will mit ihrer Sendung nicht geben. Aber das hat wohl auch niemand erwartet. Es ging schließlich um nicht weniger als um Leben und Tod.

Korrektur: Liebe Leser, in dem ursprünglichen Text haben wir einen Sachverhalt unpräzise dargestellt. Die Krebspatientin Sibylle M. hatte sich nicht für einen Suizid entschieden. Sie hatte, wie in der Sendung angegeben, über einen Suizid nachgedacht. Diese Ungenauigkeit wurde von uns nachträglich korrigiert. Ihre stern.de-Redaktion

Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.