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Mutmaßlicher Attentäter von Berlin: Amri offenbar kurz nach Anschlag nahe Berliner Moschee gefilmt

Hat sich der mutmaßliche Attentäter von Berlin in einer Salafistenmoschee radikalisiert? Unmittelbar nach der Tat soll Anis Amri nahe einer Moschee in Moabit gefilmt worden sein.

Anis Amri

Der mutmaßliche Attentäter von Berlin, Anis Amri, hat laut rbb Kontakte zu einer Moschee in Berlin-Moabit unterhalten

Weiteres Puzzle-Teil bei der Fahndung nach Anis Amri: Nach Informationen des RBB wurde der wegen des Anschlags in europaweit gesuchte Tunesier kurz nach der Tat gefilmt. Der 24-Jährige sei auf einem Überwachungsvideo zu sehen, das ihn in der Nacht zum Dienstag im Stadtteil Moabit zeige, berichtete der Sender. Die "Bild" veröffentlichte derweil das Video eines Augenzeugen, das den Moment des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche in Berlin festhält.

Ort der Observation in Moabit war laut RBB eine Moschee. Sie gelte als Treffpunkt von Islamisten und sei am Donnerstagmorgen von der Polizei durchsucht worden, berichtete der Sender weiter. Von Ermittlern hieß es, die Moschee gehöre längst geschlossen und der Moscheeverein verboten. Moschee-Vorstände sollen sie wörtlich "Moschee der ISIS-Leute in Berlin" genannt haben, so zeigen es Telefonüberwachungsprotokolle von Sicherheitsbehörden, die dem rbb bekannt sein sollen. Amri sei außerdem in den Nächten vom 14. und 15. Dezember von Sicherheitskräften gefilmt worden.

Deutsche Sicherheitsbehörden hatten den 24-Jährigen monatelang im Visier. Er wurde als islamistischer Gefährder eingestuft, und es wurde wegen Terrorverdachts gegen ihn ermittelt. Nach Angaben der Berliner Generalstaatsanwaltschaft brachte die Überwachung aber keine Hinweise, so dass sie im September schließlich eingestellt wurde.

Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz war am Montagabend mit einem Lkw in den an der Gedächtniskirche gerast. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet, knapp 50 weitere wurden verletzt.

Video von Anschlag veröffentlicht

"Bild" veröffentlichte die ersten bekannten Videoaufnahmen vom Moment der Attacke. Die von einem Augenzeugen mit einer Autokamera gemachten Aufnahmen zeigen, wie der schwarze Lkw mit hoher Geschwindigkeit aus der Hardenbergstraße kommend ungebremst auf den Weihnachtsmarkt auf dem rast. Danach ist zu sehen, wie zahlreiche Menschen vom Tatort fliehen.

Seit Mittwoch ist europaweit zur Fahndung ausgeschrieben. 2011 hatte er sein Heimatland Tunesien verlassen und war dann zunächst nach Italien gelangt, wo er laut Medienberichten wegen Brandstiftung vier Jahre im Gefängnis saß. Im Sommer 2015 kam er nach Deutschland.

Bruder appelliert an Amri

Eine Abschiebung des Tunesiers scheiterte unter anderem daran, dass die Behörden seines Heimatlandes Amri nicht als tunesischen Staatsbürger anerkannten.

Von Tunesien aus appellierte sein Bruder an Amri, aufzugeben und sich der zu stellen. "Wenn er mich gerade hört, dann sage ich ihm: Stelle Dich, dann ist es für Deine Familie einfacher", sagte Abdelkader Amri vor Journalisten in seiner tunesischen Heimatstadt Oueslatia. "Wenn mein Bruder hinter dem Angriff steckt, dann sage ich ihm: 'Du entehrst uns.'"


kng / AFP