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Anti-Raucher-Kampagne: Aus für Zigarettenautomaten?

Angeblich diskutiert die Regierung einen neuen Anti-Raucher-Katalog: Tabaksteuer rauf, Automaten weg, Gruselbildchen auf jede Packung. Auf Nachfrage von stern.de bestätigte das Gesundheitsministerium "Diskussionen".

Von Minje Lüder

Raucher gelten mittlerweile als bedauernswerte Drop-Outs der Gesellschaft. Ein neues "Nationales Aktionsprogramm" soll ihnen das Leben noch schwerer machen. Das Gesundheitsministerium plant offenbar, die Tabaksteuer kräftig zu erhöhen, Zigarettenautomaten zu verbieten, die Werbebeschränkungen weiter zu verschärfen und auf jeder Packung Gruselbildchen von Raucherkrankheiten abdrucken zu lassen. Klingt ziemlich unangenehm. Zumindest für die qualmende Minderheit.

Auf Nachfrage von stern.de bestätigte das Bundesgesundheitsministerium, dass diese Pläne debattiert würden. Man erörtere immer wieder Möglichkeiten, den Bürgern das Rauchen abzugewöhnen. Zu der Frage, ob und wann das "Nationale Aktionsprogramm" umgesetzt wird, wollte der Ministeriumssprecher keine Stellung beziehen. Auch das Büro der Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing bestätigte lediglich, dass über Maßnahmen gesprochen werde. Offenbar ist das "Nationale Aktionsprogramm" ein Entwurf, wie die EU-Vorgaben zum Nichtraucherschutz umzusetzen sind, die Bätzing bereits in ihrem Drogen- und Suchtbericht 2008 dargestellt hatte.

Industrie gibt sich gelassen

Die Wirtschaftsverbände, die als erste betroffen wären - darunter die Automatenaufsteller -, geben sich gelassen. Peter Lind, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA), sagte stern.de, es gäbe keine konkreten Pläne des Gesundheitsministeriums, die Zigarettenautomaten abschaffen. Dies sei auch überflüssig. Schon jetzt werde der Jugendschutz eingehalten: Das Chipsystem sorge dafür, dass nur Konsumenten über 16 Jahre Zigaretten ziehen könnten. Vom ersten Januar 2009 an werde diese Regel noch mal verschärft - dann müssten die Konsumenten mindestens 18 Jahre alt sein.

Auch der Deutsche Zigarettenverband, die Lobby der Tabakindustrie, wiegelt ab. Von konkreten Gesetzesvorhaben wisse sie nichts, sagte eine Sprecherin. Die Idee, abschreckende Bilder auf Zigarettenschachteln abdrucken zu lassen, sei von der Europäischen Kommission bereits im November 2007 empfohlen worden. Ein Beschluss läge jedoch (noch) nicht vor.

Großpackungen - für den Profit?

Fragwürdig scheint eine weitere Maßnahme, die das "Nationale Aktionsprogramm" angeblich vorsieht: Packungen sollten künftig mindestens 20 Zigaretten enthalten, um den Preis zu verteuern. Der Deutsche Zigarettenverband wies gegenüber stern.de darauf hin, dass dies lediglich eine "optische Preiserhöhung" sei. Der Preis am Automaten würde dann von vier auf fünf Euro steigen. Ob sich jugendliche Raucher davon tatsächlich abschrecken lassen würden, ist offen.

Klar ist, dass die Mindestanzahl von zwanzig Zigaretten der Industrie in die Hände spielen würde. Frank Bode vom Zigarettengiganten Philipp Morris sagte stern.de: "Die Mindest- Packungsgröße von 20 Zigaretten ist europäischer Standard. Dadurch können die Produktionskosten reduziert werden und eine Auslastung der Werke ist gewährleistest. Somit kann der Standort Deutschland gesichert werden."

Mitarbeit: lk