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Sachsen: Selbst ernannte Bürgerwehr fesselt Flüchtling mit Kabelbinder an Baum

Ein weiterer bizarrer Vorfall aus Sachsen: Ein psychisch kranker Flüchtling, der sich in einem Supermarkt nicht verständigen konnte, wurde von einer selbst ernannten Bürgerwehr gewaltsam an einen Baum gefesselt.

Screenshot aus dem Video aus dem Supermarkt in Sachsen: Mehrere schwarz gekleidete Männer gingen auf den Flüchtling los

Mehrere schwarz gekleidete Männer gingen in Arnsdorf in Sachsen auf den Flüchtling los

Es ist eine weitere Geschichte aus Sachsen, die einen erschreckenden Umgang mit Flüchtlingen dokumentiert: Im sächsischen Arnsdorf haben mehrere Männer einen Asylbewerber geschlagen, gewaltsam aus einem Supermarkt getragen und an einen Baum gefesselt.

Wie unter anderem die "Sächsiche Zeitung" berichtet und auch die Polizei in einer Meldung schreibt, hatte ein 21 Jahre alter Flüchtling aus dem Irak mit einer Verkäuferin diskutiert. Er sei in Rage geraten und soll die Frau mit einer Glasflasche aus einem der Regale bedroht haben. Dass der junge Mann psychisch erkrankt ist, sei laut Polizei bekannt; er soll Patient im psychiatrischen Arnsdorfer Fachkrankenhaus sein. Als er den Supermarkt trotz Aufforderung nicht verließ, wurde er schließlich von einer der Polizei nicht bekannten, offenbar selbst ernannten Bürgerwehr mit Gewalt aus dem Laden getragen. Von dem Vorfall gibt es einen Videomitschnitt, der auf der Plattform Liveleaks hochgeladen wurde. Über das Portal werden regelmäßig kontroverse Situationen ins Netz und dort zur Diskussion gestellt.

Männer fesseln Flüchtling an Baum - und dürfen gehen

Das gesamte Video ist sehr unscharf, zu erkennen ist aber, dass ein Mann in heller Kleidung, der irakische Asylsuchende, an der Kasse eines Supermarktes steht; zeitweise ist zu sehen, dass er eine Flasche in der Hand hinter seinem Rücken hält. Die Kassiererin fordert ihn mehrmals auf, die Flasche hinzustellen und den Laden zu verlassen. Nach rund zwei Minuten betreten mehrere schwarz gekleidete Männer den Laden. Sie gehen zielstrebig auf den jungen Flüchtling zu, packen ihn am Arm, entreißen ihm die Flasche, schubsten ihn herum und tragen ihn anschließend mit Gewalt aus dem Laden.


Was danach passiert, ist zwar nicht mehr im Video zu sehen, dafür aber von der Polizei dokumentiert: Der junge Mann wurde vor dem Supermarkt mit Kabelbinder verschnürt und an einen Baum gefesselt. So hatten die Täter ihn der Polizei übergeben, die schließlich anrückte.

Einer der Täter ist ein CDU-Gemeinderat in Sachsen

Die Männer sollen angegeben haben, dass sie den Asylbewerber zur Abwehr einer angeblichen Gefährdungssituation festgehalten und durch das Fesseln verhindert hätten, dass er flieht. Sanitäter versorgten den 21-Jährigen und brachten ihn zum Krankenhaus zurück. Die verantwortlichen Männer durften gehen. Nach Informationen der "Sächsischen Zeitung" ist einer der beteiligten Männer ein CDU-Politiker, der im Gemeinderat sitzt und im vergangenen Jahr laut der für das Amt des Bürgermeisters kandidiert hat.

Nun ermittelt die Polizei gegen den Asylbewerber wegen des Verdachts der Bedrohung und gegen die Männer wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung. Auch der Staatsschutz wurde eingeschaltet. Dass es sich bei den Männern um eine Bürgerwehr handeln soll, ist eine Vermutung aus dem Videomitschnitt. Eine unbekannte Frau nennt das Stichwort, nachdem die Männer den Iraker aus dem Laden gebracht hatten.

Der Angriff auf den Flüchtling hatte sich laut Polizei bereits am 21. Mai ereignet. Durch den Clip wurde der Fall jedoch erst jetzt bekannt. Das Video wurde in den sozialen Netzwerken vor allem in rechtsextremen Kreisen verbreitet und menschenverachtend kommentiert.

jen
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