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Assange vor Anhörung zum Haftbefehl: Prominente Unterstützer halten Kaution bereit

In London wird derzeit entschieden, ob Wikileaks-Gründer Julian Assange weiter in Haft sitzen muss. Neben einem neuen Promi-Anwalt steht ihm seine Mutter zur Seite. Prominente Wikileaks-Fans stehen bereit, um seine Kaution zu bezahlen.

Von Conny Fuchs

Bleibt Julian Assange in Haft? Oder kommt der Wikileaks-Gründer auf Kaution frei? Am Nachmittag wird darüber im Magistrates Court in der Horseferry Road in London entschieden. Die Menge an Journalisten scheint die Zahl der Demonstranten vor den Toren des zu übertreffen. Nur knapp 30 Menschen haben sich mit Plakaten dort versammelt. Wie auch am Tag von Assanges Verhaftung sind wieder einige Prominente im Gericht, die Gelder für die mögliche Kaution aufbringen wollen. Dabei sind unter anderem der Regisseur Ken Loach, Bianca Jagger, Jemima Khan, Alt-68er und Schriftsteller Tariq Ali und Fatima Bhutto, die Nichte der ermordeten pakistanischen Politikerin Benazir Bhutto.

Ken Loach sagte zu Reportern, er werde 20.000 britische Pfund zur Verfügung stellen: "Assange verdient es, entlassen zu werden. Wenn es irgendeine Gerechtigkeit gibt, dann muss dies geschehen. Die Beweise gegen ihn scheinen sehr fadenscheinig zu sein. Besorgniserregender ist die politische Scharade hinter den Kulissen."

Assanges neue Heimat: Ein Bio-Bauernhof

Assange hat einen weiteren Anwalt in seinem Verteidigerteam: Geoffrey Robertson. Der in Australien geborene Robertson ist einer der bekanntesten Medien-Anwälte in Großbritannien. Er hat unter anderen Salman Rushdie vertreten und deswegen Todesdrohungen erhalten. Er sitzt ebenfalls im Internationalen Gerichtshof Sierra Leone der UN.

Der neue Anwalt von Assange hat offensichtlich eine feste Adresse für Assange angegeben: den Bio-Bauernhof des Frontline-Club-Gründer Vaughan Smith.

Eines der Hauptprobleme bei der letzten Kautionsverhandlung war sein Obdachlosen-Status. Bei seiner Verhaftung wollte er dem Haftrichter zunächst nur eine Postbox als Adresse angeben.

In seiner ursprünglichen Entscheidung hatte der Haftrichter angeführt, er sehe die "Möglichkeit und Fähigkeit" Assanges zur Flucht. Der Haftrichter sagte weiter, er sehe das Risiko, dass Assange von "unbeständigen Personen" beeinflusst werde.

Entscheidung kann Monate dauern

Die Anhörung entscheidet nicht über eine Auslieferung. Darüber muss spätestens 21 Tage nach Assanges erster Verhaftung entschieden werden. Tatsächlich kann aber auch dann das Gericht noch einmal vertagt werden und erst in einigen Monaten eine Entscheidung treffen. In einem Fall mit solch erhöhter Aufmerksamkeit wäre dies nicht ungewöhnlich.

Assange kann danach in Berufung gehen. Dieses Verfahren müsste innerhalb von 40 Tagen zu einer Sitzung kommen - aber auch hier kann eine Entscheidung wieder Monate auf sich warten lassen. Ergeben sich aus dieser Entscheidung rechtliche Probleme, kann Assanges Team bis zum Supreme Court gehen. Als letzte Instanz steht ihnen das Europäische Gericht für Menschenrechte offen.

Insgesamt kann sich das Verfahren bis zu einer endgültigen Entscheidung bis zu einem Jahr hinziehen - was es in bisherigen Fällen auch getan hat. So wartet Gary McKinnon seit 2009 auf seine Auslieferung, nachdem der Supreme Court ihm eine Berufung versagt hatte. Er wird von den USA angeklagt, den Pentagon-Computer gehackt zu haben.

Mutter Assange als Unterstützung

Unterdessen bekräftigte der Wikileaks-Gründer in einem Gespräch mit seiner Mutter, die die Aussagen ihres Sohnes im australischen Fernsehsender Network Seven wiedergab, dass die Veröffentlichungen von Wikileaks fortgesetzt werden. Dem Sender lagen die Antworten von Assange zudem in schriftlicher Form vor. Assange bleibe seinen Idealen treu, ließ er seine Mutter weiter mitteilen, seine Überzeugungen hätten sich nicht geändert: "Wenn das Ganze irgendetwas bewirkt hat, dann, dass meine Entschlossenheit stärker geworden ist."

Christine Assange habe ihrem Sohn versichert, es gebe weltweit Unterstützung für ihn. "Ich habe ihm gesagt, dass Menschen aus der ganzen Welt für ihn aufstehen mit Plakaten und sich laut für seine Freiheit und für Gerechtigkeit aussprechen", sagte sie. "Als Mutter bitte ich die Welt, meinen mutigen Sohn zu unterstützen", sagte sie.

Assange kritisierte gegenüber seiner Mutter zudem die großen Finanzfirmen, die Zahlungen an seine Wikileaks-Seite im Zuge des Skandals einstellten. "Wir wissen jetzt, dass Visa, Mastercard, Paypal und andere, Instrumente der US-Außenpolitik sind. Das ist etwas, was wir zuvor nicht wussten", sagte Assange. "Ich rufe die Welt dazu auf, meine Arbeit und meine Leute von diesen illegalen und unmoralischen Angriffen zu schützen."

Internet-Aktivisten hatten in Reaktion auf den Zahlungsstopp für WikiLeaks durch große Firmen wie Mastercard deren Seiten durch Angriffe auf die Server empfindlich gestört. Die Aktion nannten sie "Operation Payback". Auch die Seiten der schwedischen Regierung wurden so zeitweise lahmgelegt.

Britische Regierung wappnet sich

Die britische Regierung hat einige Webseiten vor der Anhörung gesichert - aus Angst vor Angriffen aus dem Cyberspace nach der Kautions-Anhörung von Julian Assange in London. Insbesondere die Internetauftritte der Sozial- und Steuerbehörden wurden überprüft. Hier können britische Staatsbürger Sozialhilfen abrufen oder Steuerinformationen eingeben.

swd/be/DPA/Reuters / DPA / Reuters