HOME

Aufarbeitung des Missbrauchs: Katholische Kirche lehnt Runden Tisch ab

Die katholische Kirche lehnt einen Runden Tisch zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in Kircheneinrichtungen ab. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der "Welt am Sonntag".

Die katholische Kirche lehnt einen Runden Tisch zur Aufarbeitung von Kindesmissbrauch in Kircheneinrichtungen ab. "Sexueller Missbrauch von Kindern ist kein spezifisches Problem der katholischen Kirche", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der "Welt am Sonntag". Missbrauch habe weder etwas mit dem Zölibat zu tun noch mit Homosexualität oder mit der katholischen Sexuallehre. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte, dass sich Zollitsch für die Missbrauchsfälle in Kircheneinrichtungen entschuldigt habe.

Einen Runden Tisch hatte Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) angeregt. Das Forum aus Opfer-, Staats- und Kirchenvertretern sollte der Kirche unter anderem Gelegenheit bieten, mit den Opfern über freiwillige Entschädigungen zu reden. Zollitsch sagte, sollte die Ministerin einen Runden Tisch für alle gesellschaftlichen Gruppen einrichten, sei die katholische Kirche "natürlich dabei". Sexueller Missbrauch sei aber ein gesamtgesellschaftliches Problem. "Daher brauchen wir auch keinen Runden Tisch speziell für die katholische Kirche", sagte der Erzbischof von Freiburg.

Zollitsch hatte nach dem Bekanntwerden immer weiterer Fälle von Kindesmissbrauch in der Kirche angekündigt, die Vorschriften zum Umgang mit solchen Fällen sollten überprüft werden. Merkel sagte in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin", es handele sich "um eines der schrecklichsten Delikte und deshalb muss das aufgeklärt werden". Sie habe den Eindruck, dass die katholische Kirche genau dieses auch erkannt habe. Sie begrüße, das die Justizministerin jetzt in ein Gespräch mit der Kirche eintrete.

Einer Umfrage zufolge überwiegen in der Bevölkerung die Zweifel, dass die Kirche bei der Aufklärung der zahlreichen Missbrauchsfälle konstruktiv mit dem Staat zusammenarbeitet. Eine Erhebung des Forschungsinstituts Quest für die "Frankfurter Rundschau" ergab, dass nur ein Fünftel der Befragten davon ausgeht, mehr als zwei Drittel aber nicht. Fast drei Viertel meinen, das der Zölibat in Zusammenhang mit Missbrauch steht.

Der Tübinger Theologe Hans Küng schrieb in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" vom Samstag, der Zölibat sei nicht alleine Schuld an den Missbrauchsfällen. "Aber er ist der strukturell wichtigste Ausdruck einer verkrampften Einstellung der katholischen Kirchenleitung zu Sexualität." Zollitsch sagte, nach Angaben von Fachleuten sei die Gefahr, dass katholische Priester Kinder missbrauchten 36-mal geringer als bei anderen Berufsgruppen. Die meisten Vorfälle geschähen im Familienumfeld.

Reuters / Reuters