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Aufruhr in London: "EU will England aufspalten!"

"Die EU will England von der Karte löschen!" Ausgerechnet am St. George’s Day, dem Nationalfeiertag, schreckt der "Daily Telegraph" mit dieser reißerischen Meldung seine Landsleute auf.

England! Aufgelöst! Und noch viel schlimmer: Das Land soll in drei Teile aufgespalten und anderen EU-Ländern zugeschlagen werden. Der Süden soll mit Nordfrankreich zusammengelegt werden. Ausgerechnet. Noch schlimmer träfe es aber die Ostküste: Sie soll sogar mit Norddeutschland, Schweden, Dänemark und den Niederlanden ein neues Gebilde geben.

Und der Westen? Nun ja. Der Westen Englands würde dann zu Portugal und Spanien gehören. Ob Portugal und Spanien das wissen? Wer hat sie überhaupt gefragt? Egal. Der "Telegraph" präsentiert gleich auch die neue Landkarte dazu. Schottland oder Wales tauchen darauf aber vorsichtshalber nicht auf. Was aus ihnen wird, darüber schweigt sich die Zeitung aus.

Und wer sind die Schuldigen? Deutsche Minister natürlich (bitte keine Namen). Sie wollten damit dem Ziel eines vereinigten Europas näherkommen und alte Grenzen überwinden, mutmaßt die Zeitung. Also alles nur ein Aprilscherz? Nein. Denn der Tag der Scherze ist auch in Großbritannien der 1. April.

Völlig aufgeschreckt sah sich die Europäische Kommission zu einer Stellungnahme genötigt. "Es gibt keinerlei Pläne, den Kontinent in einer Weise zuzuschneiden, dass England verschwindet", versicherte EU-Kommissionssprecherin Eva Kaluczynska ganz ernst in Brüssel.

Hintergrund der Aufregung: Die genannten Regionen arbeiten freiwillig bei bestimmten EU-Förderprogrammen für grenzüberschreitende Projekte zusammen. Bleibt noch eine Frage: Woher stammt die Grafik? Von der EU jedenfalls nicht.

AP/web / AP