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Augenzeugenberichte aus Japan Als Tokio erbebte


Die Katastrophe von Japan: Via Internet berichten Menschen aus Tokio, wie sie das Beben erlebt haben und wie die Lage in der Hauptstadt derzeit ist.
Von Dirk Benninghoff

Heftige Beben, hohe Flutwellen - Japan wird von dem schwersten Erdbeben in der Geschichte des Landes heimgesucht. Die Kontaktaufnahme mit Betroffenen vor Ort fällt schwer: Das Telefonnetz ist teilweise zusammengebrochen, der Flugverkehr liegt lahm. In Tokio, das nicht von Flutwellen, wohl aber vom Beben erschüttert wurde, brach Chaos aus. U-Bahnen fuhren nicht mehr, der Verkehr brach komplett zusammen, Angstellte müssen im Büro übernachten. Via Internet berichten die Menschen aus Tokio, wie sie die Katastrophe erleben.

So schildert ein deutscher Ingenieur, der derzeit für eine japanische Firma in Tokio arbeitet, in einer Mail an stern.de das Drama: "Die erste Minute haben die japanischen Kollegen mir noch zugelächelt, um mir Mut zuzusprechen. Nach zwei Minuten, als es richtig heftig wurde, hörte das Lachen aber auf. Leute haben unter oder neben den Schreibtischen Schutz gesucht. Im Nachbarbüro fielen Schrankteile um. Auch zum jetzigen Zeitpunkt wackelt mein Schreibtisch mit Stuhl im Erdbebentakt der Tower mit. In den News liest man, dass eine bis zu zehn Meter Tsunami-Welle Japan getroffen hat. In Tokio hingegen merkt man "nur" das 8,9 Erdbeben. Das Handynetz ist nach wie vor down. Draußen haben sich die Leute auf Plätzen versammelt. Zwei Gebäude in Sichtweite brannten länger, etwa ein bis zwei Stunden. Wieviele Gebäude wirklich brennen oder wieviele Menschen in Japan gestorben sind, weiß ich nicht, sondern erfahre es auch nur aus den japanischen und deutschen News-Seiten."

Viele Angestellte in Tokio verbringen die Nacht im Büro, denn der Verkehr in der Megastadt ist komplett zusammengebrochen. Einige japanische Kollegen des Deutschen machten sich zu Fuß auf dem Weg nach Hause. Seine Firma, so schildert der Ingenieur, habe sofort Care-Pakete mit Wasser und Vitaminen zur Verfügung gestellt.

Auf BBC.com, gaben User, die in Japan leben, Kommentare ab. Wie Mike Hall aus Hokaido: "Mein Appartement wurde einige Minuten durchgeschüttelt, aber es gab keinen größeren Schaden. Es ist wie eine große schwankende Bewegung mit Stößen, die Dich Gottes Zorn spüren lässt." Yukiko aus Tokio berichtet, sie habe noch nie so ein starkes Beben erlebt. Ihre Wohnung liege im fünften Stück, sie habe immer heftiger geschankt. "Es war wirklich schrecklich." Nach ein paar Minuten habe sie mit Nachbarn draußen gestanden, man habe einander getröstet. Da die Fahrstühle ausgefallen waren, seien die Menschen teilweise aus dem Haus gesprungen.

"Wir konnten die Mauern hören"

Ryosuke aus Tokio war bei der Arbeit, als das Beben ausbrach. "Das erste war sehr lang, jeder im Büro hat geschrien. Dann hatten wir eine halbe Stunde später ein weiteres langes Beben. Wir konnten die Mauern sich bewegen hören. Dinge fielen von der Wand." Dann hätte sich die Lage wieder beruhigt und man habe die Arbeit wieder aufgenommen. Ryosukes Unternehmen bat die Mitarbeiter, im Büro zu bleiben.

Auch auf Facebook gaben die Menschen in Tokio und anderen Städten Japans nach dem Beben Kommentare ab. Die Deutsche Mareike Dornhege schreibt: "Es hat aufgehört, aber alles ist im Chaos. Die Handys gehen nicht, keine Zuge fahren etc. Weiß auch noch nicht, wie ich heut nach Hause komme." Sie berichtet von Menschen, die ziellos auf den Straßen umherwandern. Später schreibt Dornhege stern.de, dass sie notgedrungen zehn Kilometer nach Hause gelaufen sei. Auch die Japanerin Misato Yamafuji berichtet von Chaos in Tokio City: "Weil die Züge nicht mehr fahren, sind die Straßen überlaufen mit Menschen. Vor den Convinience Stores und Telefonzellen stehen die Leute massenweise Schlange." Immerhin gab es spät am Abend gute Nachrichten: Einige U-Bahnen sollen wieder fahren.

Ab und zu sind es auch ganz praktische Nöte, die die Menschen beschäftigen. So schreibt eine Japanerin via Facebook, sie sei okay, aber sie arbeite bei einer Weinfirma. Und: "So viel Wein ist kaputt gegangen".


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