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Aus für Bischof Tebartz-van Elst: Rücktritt ohne Einsicht

Nach monatelangem Gezerre ist nun auch offiziell klar, dass es für Franz-Peter Tebartz-von Elst keine Rückkehr auf den Bischofssitz an der Lahn geben kann. Einen Nachfolger zu finden, wird schwer.

Ein Kommentar von Frank Ochmann

Schmerzlich lange hat es gedauert, bis sich der bisherige Bischof von Limburg und der Vatikan zu jenem Schritt durchringen konnten, der spätestens seit vergangenem Dezember unausweichlich war. Damals war durch die vom Amtsgericht Hamburg auferlegte und dann auch akzeptierte Zahlung von 20.000 Euro aktenkundig geworden, dass Franz-Peter Tebartz-van Elst falsche eidesstattliche Erklärungen zu seinem First-Class-Flug nach Indien abgegeben hatte. Ein solches, in der Geschichte der katholischen Kirche hierzulande beispielloses Fehlverhalten war schon Grund genug, Bischof und Bistum zu trennen. Dazu kamen die unrühmlichen und undurchsichtigen Auswüchse beim Bau der neuen Bischofsresidenz und die kräftezehrenden Streitereien innerhalb des Bistums, die zur offenen Auflehnung von einfachen Gläubigen bis hinein ins Domkapitel führten.

Hochrangige Verteidiger

Hilfe suchte Tebartz-van Elst vor allem in Rom, wo er seine treuesten Verbündeten wusste: den Präfekten der Glaubenskongregation und früheren Regensburger Erzbischof Gerhard Ludwig Müller und auch Erzbischof Georg Gänswein, den Privatsekretär Benedikts XVI. und Präfekten des Päpstlichen Hauses. Nach längerem Warten traf Tebartz am 21. Oktober auch den Papst. Und dabei, so wird aus der heutigen vatikanischen Erklärung deutlich, bot Tebartz Franziskus offenbar seinen Amtsverzicht gemäß Kanon 401 § 2 an: "wegen seiner angegriffenen Gesundheit oder aus einem anderen schwerwiegenden Grund". Anders hätte Tebartz dem Papst wohl nicht unter die Augen kommen dürfen. Vorgespräche mit der Bischofskongregation werden das klar gemacht haben.

In Rom aber fühlte sich der Geschmähte trotzdem weiter sicher. Nichts drang vom angebotenen Amtsverzicht nach draußen außer der allgemeinen Erklärung Tebartz‘, sein Amt sei in der Hand des Papstes. Das ist es nach kirchenrechtlichem Verständnis immer, denn der Papst kann über die Besetzung eines Bischofsstuhles weltweit und jederzeit frei entscheiden. Doch rechnete Tebartz offensichtlich nicht damit, dass es am Ende auch zum Verlust des Bistums kommen würde. Wie hätte er sich sonst noch Ende Februar bei der Ernennung neuer Kardinäle im Petersdom in leuchtendem Violett zeigen und in die Kameras strahlen können, als sei nichts geschehen?

Er hoffte wohl noch, dass der neu ernannte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, der ihn über die Monate mit einer an Starrsinn grenzenden Verlässlichkeit verteidigt hatte, am Ende auch retten könnte. Bis vor wenigen Tagen hatte sich auch Erzbischof Georg Gänswein wieder und wieder an die Seite von Tebartz gestellt und ihn gegen eine vermeintliche Pressekampagne und ein treuloses Domkapitel an der Lahn verteidigt. Beim Besuch in Mannheim vor wenigen Tagen aus Anlass einer Fastenpredigt aber wollte Gänswein zum Ausgang des Falles plötzlich nichts mehr sagen. Sogar eine erste kritische Äußerung über den Schützling ließ sich Gänswein entlocken: "Wenn die Zahlen stimmen, kann man wirklich nur den Kopf schütteln", sagte er im Interview mit dem "Mannheimer Morgen" über die horrenden Kosten des Limburger Bischofssitzes.

Halsstarrigkeit hat geschadet

Spätestens jetzt musste Tebartz klar sein, dass er verloren hatte. Vielleicht auch schon kurz davor, als er noch zur Verabschiedung von Kardinal Joachim Meisner im Kölner Dom erwartet wurde, dann aber nicht erschien. Auch der folgenden Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Münster bliebe Tebartz bereits fern. Das sei ihm von Mitbrüdern nahegelegt worden, wurde gemunkelt. Und wieder konnten jene an ihren Verschwörungstheorien basteln, die bis heute nicht einsehen wollen, was tatsächlich zum Bruch in Limburg geführt hat: das Versagen des bisherigen Bischofs nämlich.

Auch wegen dieser halsstarrigen Fraktion innerhalb der katholischen Kirche bis hinauf in die Kurie, die hinter jeder weltlichen Ecke den Satan wittert, ist der Rücktritt von Limburg einer ohne Einsicht. Müller, Gänswein und Co. haben keine Gelegenheit ausgelassen, Tebartz öffentlich zu verteidigen und als Opfer von Medienhatz und Treulosigkeit darzustellen. Einen Dienst aber haben sie damit weder sich selbst, noch der katholischen Kirche und Papst Franziskus erweisen.

Chance auf einen Neuanfang

Auch Franz-Peter Tebartz-van Elst hat das nur geschadet. Denn der hartnäckige Widerstand gegen das Unvermeidliche hat den Skandal nur verzögert und damit Pein wie Peinlichkeit verlängert. Damit ist es nun vorbei, und in Limburg besteht die Chance auf einen Neuanfang. Die Gräben zwischen den Befürwortern und Gegnern des bisherigen Bischofs aber sind noch immer tief. Der nun vom Papst berufene Administrator, der Paderborner Weihbischof Manfred Grothe, und sicher auch der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, werden in den kommenden Wochen und Monaten gut damit beschäftigt sein, jenes "Klima der Barmherzigkeit und Versöhnung" zu schaffen, um das Rom mit der heutigen Erklärung bittet. Leicht wird das nicht.

Und noch schwerer wird es sein, einen Nachfolger für Tebartz zu finden, der das Bistum in eine friedliche Zukunft führen kann. Noch ist überhaupt nicht abzusehen, wer dafür in Frage kommt. Soviel aber ist sicher: Der neue Hirte über der Lahn – so würde es der Papst wohl ausdrücken – wird sehr viel stärker "nach Schaf riechen" müssen als sein Vorgänger.