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Ausstellung: Gefangen in der "braunen Falle"

Wie Jugendliche in die rechtsextreme Szene geraten und wie schwer ihnen der Ausstieg gemacht wird, will die in Berlin eröffnete Wanderausstellung "Die braune Falle" zeigen. Als roter Faden dient die fiktive Geschichte von Mario S.

"Meine Kumpels haben mich blutend in der Gosse liegen lassen - was ist das denn für eine Kameradschaft?" Diese ernüchternde Bilanz zieht ein ehemaliger Neonazi, der im rechtsextremen Milieu Anerkennung und Zuneigung fand - bis er sich dazu entschied, ein normales Leben zu führen und aus der Szene auszusteigen.

Derartige persönliche Erfahrungen bilden den Kern der Ausstellung "Die braune Falle", die am Mittwoch in Berlin eröffnet wurde. Bis zum 2. Juli wird im Presse- und Besucherzentrum der Bundesregierung gezeigt, wie Jugendliche in die rechtsextreme Szene geraten und wie schwer ihnen dort der Ausstieg gemacht wird. Verfassungsschutz-Präsident Heinz Fromm erklärte, die von seiner Behörde organisierte Wanderausstellung wolle das Thema in einer Art und Weise darstellen, "mit der sich Jugendliche identifizieren können".

Bereits 60 weitere Anfragen

Es kommen in erster Linie Betroffene zu Wort, die beschreiben, in welcher Situation sie waren, als sie sich im jugendlichen Alter den Rechtsextremisten anschlossen, in welchem Moment sie bemerkten, dass die den falschen Weg eingeschlagen haben, und welchen Bedrohungen sie ausgesetzt waren, als sie die Szene verlassen wollten. Weitere Stationen der Ausstellung sind in den kommenden Monaten Schwetzingen (Baden-Württemberg) und Unna (Nordrhein-Westfalen). Insgesamt gibt es den Angaben zufolge bereits 60 weitere Anfragen.

Da die Ausstellung auf jugendlichen Besucher abzielt, gibt es nicht nur die üblichen Schautafeln: Über einen Bildschirm flimmern Interviews mit ehemaligen Neonazis, und über Kopfhörer werden den Besuchern Beispiele rechtsextremer Musik eingespielt.

Breiter Raum für Bedeutung der Musikszene

Der Bedeutung der Musikszene wird in der Ausstellung breiter Raum eingeräumt, weil sie nach Ansicht des 1993 verstorbenen britischen Neonazis Ian Stuart Donaldson der effektivste Weg ist, rechtes Gedankengut an den Mann zu bringen: "Es ist doch viel angenehmer, mit anderen ein Konzert zu besuchen und Spaß zu haben, als in eine politische Veranstaltung zu gehen."

Termine und Veranstaltungsorte

Berlin

Ort: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, Presse- und Besucherzentrum, Reichstagufer 14, 10117 Berlin
Termin: 24.06.2004 - 02.07.2004
Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch: 08.30 bis 16.30 Uhr, Donnerstag: 08.30 bis 18.00 Uhr, Freitag: 08.30 bis 13.00 Uhr
Führungen für Schulklassen und Gruppen: Tel.: 01888-792-3838
Eintritt frei

Schwetzingen (Baden-Württemberg)

Ort: Palais Hirsch, Schlossplatz, 68723 Schwetzingen
Termin: 13.07.2004 - 23.07.2004
Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch: 08.00 bis 16.00 Uhr, Donnerstag: 08.00 bis 18.00 Uhr, Freitag: 08.00 bis 14.00 Uhr, Samstag/Sonntag: 10.00 bis 16.00 Uhr
Führungen für Schulklassen und Gruppen: Tel.: 06202-288205
Eintritt frei

Unna (Nordrhein-Westfalen)

Ort: Hansa Berufskolleg Unna, Platanenallee 41-43, 59425 Unna
Termin: 07.09.2004 - 20.09.2004
Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch: 08.00 bis 16.00 Uhr, Donnerstag: 08.00 bis 18.00 Uhr, Freitag: 08.00 bis 14.00 Uhr
Führungen für Schulklassen und Gruppen: Tel.: 0221-7923838
Eintritt frei

Axel Hofmann/DPA / DPA