HOME

Bagdad: Schwerer Anschlag vor Abzug der US-Truppen

Nur noch wenige Tage, dann wollen sich die amerikanischen Kampftruppen aus den Städten und Dörfern im Irak zurückziehen. Teile der Bevölkerung fürchten deshalb um ihre Sicherheit. Nicht ohne Grund: In Bagdad haben Unbekannte einen der blutigsten Bombenanschläge in diesem Jahr verübt.

Eine knappe Woche vor dem geplanten Abzug der US-Soldaten aus allen irakischen Städten und Dörfern sind bei einem Bombenanschlag in Bagdad nach Angaben des Innenministeriums 69 Menschen getötet worden. Polizei und Krankenhausmitarbeiter sprachen sogar von 72 Todesopfern. 135 Personen sollen Verletzungen erlitten haben. Der Anschlag ereignete sich im überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtviertel Sadr City. Der Sprengsatz war nach Polizeiangaben unter Gemüse auf einem Karren in der Nähe eines belebten Marktes verborgen. Splitter hätten Opfer noch in 600 Metern Entfernung getroffen, hieß es. Außerdem gerieten mehrere Geschäfte auf dem Markt in Brand.

Etwa eine Stunde später explodierte in dem ebenfalls vorwiegend von Schiiten bewohnten Stadtteil Dschihad eine Bombe. Dabei wurden nach Angaben von Polizei und Krankenhausmitarbeitern eine Zivilperson getötet und zehn weitere Menschen verletzt. Es handelte sich zumeist um junge Männer, die sich in der Nähe einer Billardhalle aufhielten.

Sadr-City ist die Hochburg des radikalen Schiiten-Prediger Moktada al-Sadr und seiner Mehdi-Armee. Die Miliz hat ihre Aktivitäten im vergangenen Jahr weitgehend eingestellt. Daraufhin gewann die Armee die Kontrolle über das Gebiet zurück. Der jetzige Anschlag war einer der schwersten in diesem Jahr in der irakischen Hauptstadt.

In den vergangenen Tagen hat eine neue Terrorwelle den Irak erfasst. Die Regierung sieht sie im Zusammenhang mit dem Rückzug der US-Kampftruppen. Vor vier Tagen hatten sie die Kontrolle in Sadr-City offiziell an lokale Behörden übergeben. Bis Ende des Monats sollen die Amerikaner die Städte und Dörfer verlassen und sich auf außerhalb gelegene Stützpunkte zurückgezogen haben. Bis 2012 wollen die USA den Irak vollständig verlassen.

Die jüngsten Anschläge schüren die Angst der Menschen vor einer möglichen Verschlechterung der Sicherheitslage nach dem Rückzug der US-Soldaten. Experten befürchten, dass die Zahl der Anschläge vor der für Januar geplanten Parlamentswahl weiter zunehmen wird. Die irakische Regierung zeigt sich aber überzeugt, dass sie die Sicherheitslage in den Griff bekommt.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters
Themen in diesem Artikel