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Petition für mehr Sicherheit: Tod am Bahnübergang - kein Einzelschicksal

Zwei Andreaskreuze, Halbschranke, ein Signal: Bahnübergänge wirken in der Regel harmlos. Dennoch können sie zur Todesfalle werden. Allein die Liste tödlicher Unfälle im Jahr 2014 ist erschreckend.

Von Kerstin Herrnkind

Eine Mutter klagt an: Todesfalle Bahnübergang

Der fünfjährige Matteo starb Mitte Mai an einem unbeschrankten Bahnübergang in Schleswig-Holstein Der Unfall seiner Familie ist kein Einzelfall. 49 Menschen kamen 2013 an deutschen Bahnübergängen zu Tode. Über 1000 wurden verletzt. Die Zahl der Toten ist seit Jahren in etwa konstant. Das bedeutet: Beinahe jede Woche stirbt in Deutschland ein Mensch an einem Bahnübergang.

Nur vier Tage nach Matteos Tod, am 15. Mai, starb ein 52-jähriger Radfahrer an einem Bahnübergang in Pleß. Er umfuhr die Halbschranke. Die meisten Bahnübergänge werden mit Halbschranken gesichert. Immer wieder kommt es hier zu schweren Unfällen. Sechs Tage später, am 21. Mai, wurde eine 28-jährige Frau an einem Bahnübergang bei Aukrug (Schleswig Holstein) verletzt. Vier Tage darauf, am 25. Mai, starb ein 63-jähriger Mann an einem unbeschrankten Bahnübergang in Groß Quassow in Neubrandenburg. Er war mit seinem Wagen über die Gleise gefahren und mit einem Triebwagen zusammengestoßen. Seine beiden Beifahrerinnen, 62 und 83 Jahre, wurden schwer verletzt. Neun Tage später, am 30. Mai, wurde an einem Bahnübergang bei Marienborn eine 46-Jährige von einem Güterzug erfasst. "Drei Menschen sind nach Matteo gestorben. Es muss endlich was passieren", sagt Matteos Mutter Marzia P. Sie hat eine Petition im Internet gestartet. Inzwischen haben bereits um die 40.000 Menschen den Aufruf unterschrieben.

2014 - die Unfälle eines Jahres

Wie häufig Menschen an Bahnübergängen sterben, zeigt eine Zusammenstellung aus dem Jahr 2014, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

25. November 2014, Rümpel (Schleswig-Holstein): Elfriede K., die 56-jährige Pflegerin von Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt, wird mit ihrem Wagen von einem Regionalexpress erfasst. Offenbar hatte der Streckenposten Elfriede K. über die Gleise gewinkt. Der Bahnübergang zwischen Hamburg und Lübeck war von Streckenposten gesichert worden, nachdem die Schranke im April 2013 durch einen Blitzschlag zerstört worden war. Die Staatsanwaltschaft Lübeck ermittelt nun gegen den Streckenposten. Besonders tragisch: 1983 starb an diesem Bahnübergang schon einmal eine Frau durch den Fehler eines Streckenpostens.

8. November 2014, Miesbach (Bayern): Ein 17-jähriger Asylbewerber radelt über einen unbeschrankten Bahnübergang, wird vom Zug erfasst und 30 Meter mitgeschleift. Der Teenager stirbt kurz darauf im Krankenhaus.

1. November 2014, Cloppenburg: Ein zwölfjähriger Junge fährt mit seinem Rad um eine geschlossene Halbschranke herum, wird vom Zug erfasst und stirbt. "Jeder Bahnübergang wird von uns sehr ernst genommen“, sagt ein Sprecher zur "Osnabrücker Zeitung". "Umso bedauerlicher ist es, wenn junge Menschen zu Tode kommen.“ Es war allerdings nicht der erste tödliche Unfall an diesem Bahnübergang. Zwei Jahre zuvor, im August 2012, ist hier ein 43-jähriger Radfahrer vom Zug erfasst und getötet worden.  

24. Oktober 2014, Bad Saarow: Ein 46-jähriger Radfahrer stirbt an einem unbeschrankten Bahnübergang.

24. September 2014, Sylt: Ein 57-jähriger Mann stößt an einem unbeschrankten Bahnübergang mit einem Triebwagen zusammen und stirbt.

12. August 2014, Kröpelin (bei Rostock): Der fünfjährige Emil kommt mit Vater und Bruder von einer Radtour zurück. Vor dem Bahnübergang ermahnt der Vater die Söhne zu bremsen. Doch Emil kann auf der abschüssigen Straße nicht mehr stoppen. Er saust an der Halbschranke vorbei auf die Gleise, wird vom Zug erfasst und getötet.

29. August 2014, Petershagen: Eine 79-jährige Frau wird vom Zug erfasst, als sie den Bahnübergang trotz geschlossener Halbschranken überquert.

18. Juli 2014, Pfaffenhofen: Gegen 10.20 Uhr überquert ein 59-jähriger Mann einen unbeschrankten Bahnübergang und wird vom Zug erfasst und getötet.

9. Juni 2014, Lehrte: Ein 27-Jähriger kommt nachts vom Schützenfest. Nicht mehr ganz nüchtern, umgeht er an einem Bahnübergang die Halbschranke und wird von einer S-Bahn überfahren. Er ist sofort tot.

10. Juni 2014, Bernsdorf: Ein 16-Jähriger wird an einem unbeschrankten Bahnübergang von einer Lok erfasst und stirbt.

23. März 2014, Siegsdorf (Traunstein): Eine 72-jährige Frau übersieht bei starkem Schneetreiben die Halbschranken und wird vom Zug erfasst. Sie stirbt noch am Unfallort.

16. März 2014, Lübbecke (Nordrhein-Westfalen): Ein fünfjähriger stirbt an einem unbeschrankten Bahnübergang, weil seine Mutter das Rotlicht übersieht. Sein Geschwisterchen - ein zwei Monate alter Säugling - wird, wie Mutter (31) und ihr Beifahrer (28), schwer verletzt. Kommentar eines Bahnsprechers: "In 90 Prozent der Fälle liegt ein Verschulden der Straßenverkehrsteilnehmer vor."

25. Februar 2014, Borken (Hessen): Ein 18-Jähriger wird mit seinem Wagen auf einem Bahnübergang erfasst und stirbt.

6. Februar 2014, Offenburg: Ein 17-Jähriger umfährt mit seinem Rad die geschlossenen Halbschranken, wird von der S-Bahn erfasst und tödlich verletzt. Es ist der dritte tödliche Unfall an diesem Bahnübergang: Im Juli 2012 starb ein 59-jähriger Rollerfahrer. Im Mai 2011 stieß eine 63-jährige Frau in ihrer Ente mit einem Regionalzug zusammen.

Silvester 2013, Sontheim: Zwei Männer, 23 und 25 Jahre alt, sterben an einem unbeschrankten Bahnübergang, als sie vom Zug erfasst werden.