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Bauen und Wohnen: Nie wieder ... Maklergebühren

In Deutschland bezahlen Käufer oder Mieter den Makler. Ein teures Ärgernis. Dass es auch anders geht, will jetzt ein Haus- und Wohnungsvermittler aus Hessen beweisen. Bei ihm zahlt der Verkäufer einen Festpreis von 995 Euro. Ein Gespräch mit dem Rebellen.

Herr Blumenauer, in Deutschland kassiert ein Makler bis zu sieben Prozent vom Kaufpreis einer Immobilie. Macht bei einem Haus im Wert von 200.000 Euro 16 660 Euro Provision inklusive Mehrwertsteuer. Wie viel darf man an der Vermittlung eines Hauses verdienen?

995 Euro.

Mehr nicht?

Nein, bei unserem Modell zahlt derjenige, der uns beauftragt hat, nämlich der Verkäufer, und zwar einen Festpreis. Ich finde das auch logisch: Ich zahle doch auch nicht den Scheidungsanwalt meiner Frau.

Nie wieder Maklergebühren zu zahlen klingt grandios. Kann das wirklich wahr werden?

Aber absolut! Erfahrungen in den Niederlanden zeigen: Von Festpreisen profitieren Käufer und Verkäufer. Dort ist das Modell bereits marktführend.

Wie überzeugen Sie die Verkäufer, Ihnen für Ihre Dienste fast 1000 Euro zu bezahlen?

Ganz einfach: Der Verkäufer bekommt so erheblich mehr Geld für sein Haus. Der Käufer hat doch einen bestimmten Betrag zur Verfügung, den er für den Kaufpreis, die Notarkosten, die Maklercourtage und die Bankgebühren ausgeben kann. Wenn die Maklerkosten wegfallen, kann er entsprechend mehr für die Immobilie zahlen.

Was bekommt ein Verkäufer für sein Geld?

Alles, was der Profi besser kann als der Verkäufer: Objektaufnahme, Feststellen des Marktpreises, Präsentation des Angebotes in geeigneten Medien, Arrangieren der Besichtigungen. Die führt der Verkäufer durch. Das kann er selbst am besten.

Überflüssig wird der Makler demnach nicht?

Ein Immobilienkauf oder -verkauf ist immer eine große Sache. Es geht um viel Geld. Momentan arbeiten Makler in Deutschland aber für beide Seiten gleichzeitig, obwohl sie vom Verkäufer beauftragt und oft vom Käufer bezahlt werden. Das ist paradox!

Wenn man mit einem Makler über seine Provision verhandeln will, sagt der, man habe keine Ahnung, wie viel Arbeit er investiert hat. Stimmt das?

Der klassische Makler ist in Deutschland nur verpflichtet, die Adresse und den Eigentümer zu benennen, um sich eine hohe Provision zu sichern. Leider beschränken sich auch viele auf diese Leistung.

Was halten Sie von dem Argument, Makler würden nur im Erfolgsfall bezahlt, kommt kein Kauf zustande, gingen sie leer aus?

Das stimmt. Aber komischerweise müssen alle im Erfolgsfall einen - auch im internationalen Vergleich - überhöhten Preis zahlen. Ein Anwalt bekommt auch seine feste Gebühr, ob er gewinnt oder verliert. Misserfolge sind im Festpreismodell übrigens selten.

Bei jedem, der mal eine Provision zahlen musste, bleibt das Gefühl, noch nie so wenig Leistung für so viel Geld bekommen zu haben.

Das ist nicht nur ein Gefühl. Das ist leider zu oft auch Realität. Das ist, als ob eine Putzfrau fürs Aufschließen der Wohnung schon ihren vollen Lohn bekäme.

Man vertraut Maklern nicht, weil sie die übelsten Bruchbuden schönreden.

Das ist der schlimmste und häufigste Fehler. Ein Eigenheim ist eben keine Bratpfanne, die in der Fußgängerzone verramscht wird. Die kaufen die Leute vielleicht noch, weil der Verkäufer unterhaltsam war. Beim Haus schauen sie genauer hin. Natürlich wollen auch wir die Angebote vorteilhaft präsentieren. Um Vertrauen zu gewinnen, muss aber auch über die Schattenseiten gesprochen werden.

Die Hälfte der Deutschen sagt, die Tätigkeit eines Maklers sei völlig undurchsichtig. Hat der ganze Berufsstand abgewirtschaftet?

Wenn wir so weitermachen, ist es zu befürchten. Der Berufsverband muss erkennen, dass wir unseren Kunden verpflichtet sind. Ansonsten könnte der Verdacht aufkommen, nur noch eine Schutzvereinigung für Makler zu sein.

Sie waren sogar Vorsitzender des Maklerverbandes. Jetzt gelten Sie als Nestbeschmutzer, man will Sie rausschmeißen.

Das ist schlicht dumm, da wir innovative und kundengerechte Lösungen anbieten. Es ist höchste Zeit, in der Öffentlichkeit darüber zu sprechen und nicht nur hinter vorgehaltener Hand unter Kollegen.

Es gibt noch andere, die so denken wie Sie?

Ja, denn eines ist klar: dass wir im privaten Immobilienmarkt keine "deutschen Verhältnisse" mehr brauchen. Die sind international ein aussterbendes Modell. Die Preise für die professionelle Vermittlung privaten Wohnraums werden in Deutschland drastisch sinken.

Wie fühlt sich ein Vorreiter, der mit Missständen bricht?

Sehr gut, auch wenn man vorn gelegentlich etwas einsam reitet. Aber ich bin ganz sicher, dass sich uns viele anschließen. "Makler" wird bald kein Schimpfwort mehr sein.

Interview: Elke Schulze / print