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Beliebte Vornamen: Wenn das Kind Pfefferminza heißen soll

Es muss nicht immer Sofie oder Maximilian sein. Wenn es um die Vornamen ihrer Kinder geht, zeigen Eltern großen Einfallsreichtum. Die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden prüft im Zweifelsfall, ob ein Namensvorschlag zugelassen werden soll.

Manchen Eltern kann der Name für ihr Kind gar nicht exotisch genug sein. Laperla, Kantorka oder Pfefferminza sind einige Beispiele. Das führt nicht selten zum Streit mit dem  Standesamt. Bei so ungewöhnlichen Namensvorschlägen wird daher oft die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden eingeschaltet. Sie bietet eine Beratung speziell für Vornamen an und erstellt eine Art Gutachten. Um es vorwegzunehmen: Laperla und Kantorka sind aus ihrer Sicht in Ordnung, Pfefferminza fiel dagegen durch.

Gescheitert sind im vergangenen Jahr auch Varianten wie Menez, Junge oder Puppe. Bei ihrem Urteil greifen die Wiesbadener Sprachwissenschaftler auf mehrere Kriterien zurück: In erster Linie denken sie an das Kind. Reine Quatsch- oder Fantasienamen haben keine Chance.

Sie prüfen auch, ob Namensvorschläge eindeutig männlich oder weiblich sind. "Bei uns gelten etwa ein Drittel der Namen als geschlechtsneutral, die dann noch einen zweiten Namen verlangen", sagt Lutz Kuntzsch, Leiter der GfdS-Sprachberatung. Wichtig ist auch, dass der Name den Charakter eines Vornamens hat. Und schließlich suchen Kuntzsch und seine Mitarbeiter nach seriösen Quellen für einen Namensvorschlag - etwa in amtlichen Dokumenten oder Fachliteratur. Und so spricht nichts dagegen, dass Kinder Napoleon, Belana oder Nox heißen.

An das Votum der Gesellschaft der deutschen Sprache sind die Standesämter zwar nicht gebunden. Allerdings folgten sie meist den Gutachten der Vornamensberatung. Etwa 3000 Anfragen gingen im vergangenen Jahr in Wiesbaden ein, wie die Gesellschaft am Donnerstag mitteilte. 20 Euro kostet so eine Expertise. Auch an der Uni Leipzig gibt es eine Vornamensberatung.

Seit 1977 veröffentlicht die GfdS jedes Jahr eine Rangliste der beliebtesten Vornamen. Dabei hat sie beobachtet: Die Bandbreite steigt, 37 000 verschiedene Vornamen waren es im vergangenen Jahr. Erfasst wurden insgesamt 536 000 einzelne Vornamen. "Der Namensschatz wächst, durch Migration, durch Fantasie", sagt Kuntzsch.

Früher seien Kinder oft nach ihren Paten genannt worden, erläutert der GfdS-Vorsitzende Rudolf Hoberg. "Wenn der Patenonkel Josef hieß, besonders in katholischen Gegenden, dann hieß der Sohn auch Josef. Das ist ja völlig weggefallen", sagt er. "Wir gehen ja heute praktisch nur noch nach klanglichen Dingen, also das, was die Leute schön finden."

Aber es gibt auch noch Moden bei den Vornamen, wobei das relativ ist. Für Wechsel gelten Zeiträume von 50 bis 100 Jahren. Ein Beispiel: "Die Emma war vor 100 Jahren gut belegt. Dann ist sie fast verschwunden", erläutert Kuntzsch. Seit einigen Jahren ist der Vorname wieder stark vertreten. 2010 landete Emma auf Platz acht der beliebtesten Vornamen in Deutschland.

Jan Brinkhus, DPA / DPA