Benedikt XVI. Der Herr hat ihn nicht gehört


Bei dem Besuch deutscher Pilger in Rom gab sich der neue Papst Benedikt XVI. sichtlich entspannt. Außerdem plauderte er aus, dass er das Amt nicht gerade herbeigesehnt habe.

Einen Tag nach seiner Amtseinführung hat Papst Benedikt XVI. zu verstärktem Dialog mit den Muslimen und zur Einheit der Christen aufgerufen. "Ich versichere Ihnen, dass die Kirche weiterhin Brücken der Freundschaft zu den Anhängern aller Religionen bauen will, um das wahre Gute jeder Person und der Gesellschaft als Ganzer zu suchen", sagte der Pontifex bei einer Audienz mit Vertretern anderer Religionen und verschiedener christlicher Konfessionen. Zugleich traf sich Joseph Ratzinger am Montag in Rom mit mehreren Tausend deutschen Pilgern. In aufgeräumter und launiger Stimmung meinte Ratzinger, dass er beim Konklave gehofft habe, dass die Wahl nicht auf ihn falle.

Beobachter in Rom werteten das interreligiöse Treffen bereits in der ersten Woche nach seiner Wahl als Überraschung. Es sei ein klares Zeichen für den Wunsch Ratzinger, im Verhältnis der Kirche zu anderen Religionen und anderen christlichen Kirchen weiter zu kommen.

Er sei besonders dankbar über die Anwesenheit von Vertretern des muslimischen Glaubens, fügte der Papst hinzu. Offenbar mit Blick auf Terrorismus und Gewalt sagte er: "Dem Frieden müssen alle Völker verpflichtet sein, vor allem diejenigen, die sich zu einer religiösen Tradition bekennen." Deshalb sei ein "echter und ernsthafter Dialog" unerlässlich.

Große und herzliche ökumenische Begegnung

An die Vertreter anderer christlichen Konfessionen gewandt, äußerte Benedikt den "starken Wunsch, von neuem das unumkehrbare Bemühen für die Förderung der Einheit der Christen zu bestätigen", das vom Zweiten Vatikanischen Konzil angestoßen worden sei. Dabei bezog er sich ausdrücklich auf die Vorbilder seiner Vorgänger Paul VI. und Johannes Paul II. Benedikt nannte die Audienz eine "große ökumenische Begegnung", die überaus herzlich verlaufen sei. Dagegen waren in den vergangenen Jahren vor allem das Verhältnis zwischen Rom und den Orthodoxen eher gespannt, trotz mancher Versuche kam es zu keinem echten Durchbruch.

Bei dem Treffen mit deutschen Pilgern machte der neue Papst einen sichtlich entspannten und lockeren Eindruck. Er schüttelte den Gläubigen die Hände, mehrfach ging er auf seine bayerischen Wurzeln ein. "Ich bin natürlich ein Bayer geblieben, auch als Bischof von Rom." Das Amt des Papstes habe er niemals angestrebt, bekräftigte Ratzinger. Als er sah, dass die Wahl auf ihn zulaufen könnte, habe er gen Himmel gefehlt: "Tu mir das nicht an!" Doch "der Herr hat mir offenbar nicht zugehört", fügte er lächelnd in Erinnerung an den Moment im Konklave hinzu, "als das Fallbeil auf mich herab fiel und mir ganz schwindelig zumute wurde". Benedikt sagte: "Bequem sind die Wege des Herrn nicht."

Eindringlich wandte sich Ratzinger an die Jugend. Es sei nicht richtig, dass die Jugend immer nur Luxus und Konsum wolle. "Sie will das Große und das Gute." Am Abend war ein Besuch Ratzingers in der römischen Basilika Sankt Paul vor den Mauern, einer der vier Papstkirchen in Rom, vorgesehen.

DPA DPA

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