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Benedikt XVI. in Nahost: Flammender Friedensappell zum Abschluss

"Nie mehr Blutvergießen! Nie mehr Kampf! Nie mehr Terrorismus! Nie mehr Krieg!" Einen eindringlichen Appel sandte Papst Benedikt XVI. am Ende seiner Reise in den Nahen Osten in die Welt. Zudem rief er zu mehr Religionsfreiheit auf. Glaubensvertreter in Deutschland reagierten dennoch kritisch.

Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss seiner einwöchigen Reise in den Nahen Osten einen flammenden Friedensappell an Israel und die Palästinenser gerichtet. "Nie mehr Blutvergießen! Nie mehr Kampf! Nie mehr Terrorismus! Nie mehr Krieg!", rief Benedikt am Freitag vor seiner Rückkehr nach Rom aus. Deutlicher als in den Tagen zuvor sprach sich das Oberhaupt der katholischen Kirche auch für eine Zwei-Staaten-Lösung aus, bei der Israelis und Palästinenser friedlich nebeneinander leben. "Lasst die Zwei-Staaten-Lösung Realität werden und nicht einen Traum bleiben", sagte er.

Während der Abschiedszeremonie mit dem israelischen Präsidenten Schimon Peres auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv erinnerte Benedikt an die gemeinsamen geistigen Wurzeln von Christen und Juden. "Wir begegnen uns als Brüder. Als Brüder, die zeitweise in unserer Geschichte ein angespanntes Verhältnis hatten, aber sich heute fest dafür einsetzen, Brücken einer dauerhaften Freundschaft zu schlagen", sagte er.

Peres bezeichnete den Besuch als bedeutsamen Beitrag für die neuen Beziehungen zwischen Israel und dem Vatikan. Die Erklärungen Benedikts in den vergangenen Tagen hätten substanzielles Gewicht, "insbesondere ihre Aussage, dass der Holocaust weder geleugnet noch vergessen werden darf und dass Anti-Semitismus sowie Diskriminierung in jeder Form und überall in der Welt energisch bekämpft werden müssen".

Benedikt warb am letzten Tag seines Aufenthaltes im Heiligen Land noch einmal für Toleranz, Religionsfreiheit sowie ein friedliches Miteinander der Gläubigen aller Religionen. "Lasst uns den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen", forderte der Papst. Er sei gleichermaßen als Freund Israels und der Palästinenser ins Heilige Land gekommen, sagte der Pontifex.

Als einen der "traurigsten Anblicke" seiner Reise bezeichnete Benedikt die meterhohe Sperrmauer zwischen Israel und dem Westjordanland. Er habe für eine Zukunft gebetet, "in der die Menschen im Heiligen Land in Frieden und Harmonie leben können und ohne Notwendigkeit für ein solchen Instrument der Sicherheit und Trennung", sagte Benedikt. Israel und die Palästinenser sollten allen Formen der Gewalt und der Aggression abschwören.

Angesichts anhaltender Kritik in Israel an seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem am Montag stellte Benedikt noch einmal unmissverständlich klar, dass der Holocaust eine "brutale Ausrottung" von Juden war und als schreckliches Kapitel in der Geschichte weder geleugnet noch vergessen werden dürfe. Die Begegnung mit Holocaust-Überlebenden seien der "traurigste Moment" seines Aufenthaltes in Israel gewesen, sagte er. "Diese tief bewegende Begegnung hat die Erinnerung an meinen Besuch im Todeslager Auschwitz vor drei Jahren zurückgebracht, wo so viele Juden - Mütter, Väter, Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern und Freunde - brutal ausgerottet wurden von einem gottlosen Regime, das eine Ideologie des Anti-Semitismus und des Hasses propagiert hat", sagte Benedikt. "Dieses schreckliche Kapitel in der Geschichte darf niemals vergessen oder geleugnet werden."

Kritiker in Israel hatten Benedikt vorgeworfen, dass er nicht ausdrücklich die Zahl der sechs Millionen ermordeten Juden genannt und nicht die Verantwortung der Nazis und Deutschen erwähnt habe. Andere halten Benedikt vor, er habe mehr Emotionen beim Besuch der Palästinenser in Bethlehem gezeigt als beim Besuch von Jad Vaschem. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sagte am Freitag im Saarländischen Rundfunk: "Viel mehr schaden konnte die Reise dem Verhältnis zwischen Vatikan und der jüdischen Glaubensgemeinschaft nicht." Dagegen meinte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, bei MDR Info, die Reise sei in Israel "gut aufgenommen worden". Der Papst sei wahrgenommen worden als einer, "der sich für die Versöhnung und die Vermittlung einsetzen will."

Spiritueller Höhepunkt zum Abschluss

Zum Abschluss der einwöchigen Reise, die den Papst nach Jordanien, Israel und das palästinensische Westjordanland geführt hatte, gab es noch einen spirituellen Höhepunkt: Der 82-Jährige besuchte in Jerusalem die Grabeskirche, die an der biblisch überlieferten Stelle der Kreuzigung und des Grabes Jesu steht. "Hier ist Christus gestorben und wieder auferstanden, um nie wieder zu sterben. Hier wurde die Geschichte der Menschheit entscheidend geändert", sagte Benedikt. Christus lehre, dass das Böse nie das letzte Wort habe, dass Liebe stärker als der Tod sei und die Zukunft der gesamten Menschheit in den Händen Gottes liege. "Durch Gottes Gnade möge Hoffnung immer wieder neu in den Herzen aller Menschen aufkommen, die in dieser Region leben", fügte er an.

DPA / DPA