Benedikt XVI. Papst sorgt sich um Nahen Osten


Zum ersten Mal während seines Pontifikats hat Papst Benedikt XVI. die Ostermesse geleitet und den Segen "Urbi et Orbi" gesprochen. In seiner Predigt setzte er sich vor allem für eine Konfliktlösung im Nahen Osten ein.

An seinem 79. Geburtstag hat Papst Benedikt XVI. nach seiner ersten Osteransprache als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche den Segen "Urbi et Orbi" (der Stadt und dem Erdkreis) erteilt. Der Segen gewährt auch den Gläubigen, die nur an Fernseh- und Radiogeräten zuhören, einen Ablass ihrer Sünden. Millionen Menschen weltweit richtete der deutsche Papst Ostergrüße in 62 Sprachen aus. Vor fast 100.000 Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom rief er zu einer Einigung im Atomkonflikt mit dem Iran sowie zur Gründung eines eigenständigen Palästinenserstaats - bei Beachtung des Existenzrechts Israels - und zum Frieden im Nahen Ostern und im Irak auf. Zuvor hatte er die erste Ostermesse seines Pontifikats gelesen.

Der Papst forderte eine Einigung im Atomstreit und eine Beilegung religiöser Konflikte. "Was die internationalen Krisen im Zusammenhang mit der Atomkraft angeht, so möge durch ernsthafte und aufrichtige Verhandlungen eine für alle ehrenvolle Schlichtung erreicht werden. Bei den Verantwortlichen der Nationen und der Internationalen Organisationen stärke sich der Wille, ein friedliches Zusammenleben zwischen Ethnien, Kulturen und Religionen zu verwirklichen, das die drohende Gefahr des Terrorismus fern hält."

Papst für Frieden im Nahen Osten

"Über die tragische Gewalt im Irak, die weiterhin erbarmungslos Opfer dahinrafft, obsiege endlich der Friede", sagte Benedikt. "Frieden wünsche ich von Herzen auch denen, die in den Konflikt im Heiligen Land verwickelt sind, und ermutige alle zu einem geduldigen und beharrlichen Dialog, der die alten und neuen Hindernisse aus dem Wege räumt." Er ergänzte: "Die Internationale Gemeinschaft, die das Recht Israels auf eine Existenz in Frieden erneut bekräftigt, möge dem palästinensischen Volk helfen, die prekären Umstände, unter denen es lebt, zu überwinden und seine Zukunft aufzubauen, indem es der Bildung eines wirklichen Staates entgegengeht."

Der Papst wünschte auch Frieden für die sudanesische Krisenregion Darfur und andere Regionen Afrikas. Er rief auch zu einer Verbesserung der Lebensumstände und einer Demokratisierung in Lateinamerika auf. Die österliche Verkündigung der Auferstehung Christi sei Anlass für Hoffnung, sagte der Pontifex. "Vom auferstandenen Christus erwarten - manchmal auch unbewusst - all jene Hoffnung, die immer noch eingezwängt sind durch die Fesseln des Leidens und des Todes." Benedikt stand auf der Loggia des Petersdoms, auf die er vor fast einem Jahr auch erstmals als Papst vor die Gläubigen getreten war.

Stimmungsvolle Osterwache

Im stimmungsvoll beleuchteten Petersdom hatte Papst Benedikt XVI. am Samstag erstmals die nächtliche Osterwache geleitet. Zu Beginn der Messe schnitt der aus Deutschland stammende Papst den ersten und den letzten Buchstaben des griechischen Alphabets - Alpha und Omega - sowie die Jahreszahl 2006 in eine große Kerze. Einige Minuten lang war der Petersdom ohne Licht, um die Dunkelheit im Grabe Christi vor der Auferstehung zu symbolisieren. Dann wurden Kerzen entzündet, später erhellten große Lichter die Basilika zur Feier der Messe.

In seiner Predigt rief der in weiß-goldene Gewänder gekleidete Papst die Gläubigen auf, die Auferstehung Christi nicht als Akt der Vergangenheit wahrzunehmen. Noch immer sende sie den Menschen ein Signal der Hoffnung. "Das ist die Freude der Osternacht. Die Auferstehung ist nicht vergangen, die Auferstehung hat nach uns gegriffen, hat uns ergriffen. An ihr, das heißt am auferstandenen Herrn halten wir uns fest, und wir wissen: Er hält uns fest, wenn unsere Hände zu schwach werden", sagte der Kirchenführer in seiner Predigt bei der Osterwache.

Insgesamt waren zu Ostern rund eine halbe Million Touristen in die Ewige Stadt gekommen, so viele wie schon seit langem nicht mehr, berichteten italienische Medien. Auch viele Deutsche waren bei den Feierlichkeiten mit Joseph Ratzinger dabei.

DPA/Reuters DPA Reuters

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