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Benedikts Leben nach dem Rücktritt: Ein Ex-Papst, sieben Schwestern, ein Garten

Einen "bescheidenen Arbeiter im Weinberg des Herrn" nannte sich Benedikt bei seinem Amtsantritt. Im Ruhestand kann sich der Papst a.D. nun um einen Garten kümmern - in weiblicher Gesellschaft.

Von Christian Bartlau und Sebastian Schneider

Von Gottes Stellvertreter zum einfachen Klostermönch - wenn Papst Benedikt Ende des Monats sein Pontifikat abgibt, tritt er ein neues Leben an. Er wolle der Kirche "mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen", sagte er. Nun zieht sich Josef Ratzinger in ein Kloster im Vatikan zurück.

Der Tübinger Theologe Max Seckler kennt Josef Ratzinger seit mehr als 50 Jahren. Beide waren in den 1960er-Jahren Kollegen an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Tübinger Uni. "Benedikt wird sich in seinem neuen Leben im Kloster äußerste Disziplin auferlegen, und das wird ihm nicht schwer fallen", sagte Max Seckler zu stern.de. Üblicherweise gebe es die Regel, dass Kardinäle und Bischöfe nach ihrer Karriere den Vatikan verlassen. Benedikt aber wird künftig nur wenige hundert Meter entfernt vom Petersdom leben - im Kloster Mater Ecclesiae.

Die Nähe zu seinem Vorgänger könnte für den neuen Papst unangenehm sein. Benedikts alter Weggefährte Seckler glaubt allerdings nicht, dass das scheidende Oberhaupt der katholischen Kirche hinter den Klostermauern Politik betreiben werde: "Bei einem so bescheidenen Mann wie Benedikt sehe ich dieses Problem überhaupt nicht", sagt Seckler. "Er behauptet nicht, er ziehe sich zum Gebet zurück, nur um dann hinter den Kulissen weiterhin Einfluss auszuüben."

"Er wird seine Freiheiten haben"

Benedikt kennt seinen neuen Wohnort bereits. Dreimal - in den Jahren 2005, 2006 und 2009 - feierte er dort eine Messe in der Kapelle. Das von Blumenrabatten und Gemüsebeeten umgebene Kloster dürfte für ihn der ideale Ort für seinen Lebensabend sein. Dort blühen unter anderem zwei seltene Rosenarten - die rosafarbene "Beatrice d'Este" und die weiße "Giovanni Paolo II".

Papst Johannes Paul weihte das Kloster 1994 ein. Sieben Ordensschwestern leben dort. Den größten Teil des Tages beten sie, und halten Lesungen ab. Neben der geistigen Arbeit bauen sie Obst und Gemüse für die päpstliche Küche an - Benedikt versorgten sie mit Paprika, Zucchini und Zitronen aus ihrem Garten.

Zwar ist Mater Ecclesiae ein Klausurkloster - das heißt, die Schwestern leben in einem abgeschlossenen Bereich, den sie nur mit Erlaubnis der Oberin verlassen dürfen. Papst Benedikt soll allerdings nicht in Klausur leben, sagte sein Sprecher Federico Lombardi: "Er wird in keiner Weise eingeschlossen sein, sondern seine normalen Freiheiten haben". Ob Benedikt auch Unkraut jäten wird, ließ Lombardi offen. Es sei noch nicht klar, was der Papst genau im Kloster tun werde: "Sicherlich ist es eine (für ihn) unbekannte Situation, wir werden sehen, wie er das erleben wird." Benedikt selbst hatte stets betont, sich seinen Schriften widmen zu wollen.

Übergangswohnung in Castel Gandolfo

Bevor der scheidende Papst in das Kloster einziehen kann, soll dort noch umgebaut werden. Bislang gibt es in dem dreistöckigen Gebäude zwölf Wohnzellen. Sie sind spärlich eingerichtet, mit hölzernen Kruzifixen und religiösen Gemälden an den Wänden. Im Erdgeschoss des Hauses befinden sich neben einer Kapelle ein Wohn- und Aufenthaltsraum, eine Bibliothek sowie eine Küche.

Bis das Kloster bezugsfertig ist, soll Benedikt in seiner Sommerresidenz Castel Gandolfo wohnen. Wie die "Badische Zeitung" berichtete, soll ihn auch sein persönlicher Sekretär Georg Gänswein begleiten. Auf dem Landsitz, dessen Gelände größer ist als der gesamte Vatikanstaat, kümmern sich 21 Angestellte um den Papst - wohl das letzte Mal, dass er päpstlichen Luxus genießen wird.

Von:

Sebastian Schneider und Christian Bartlau