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Protest gegen Rassismus: Aktivisten machen aus der Berliner Mohrenstraße die George-Floyd-Straße

Schon lange wird in Berlin eine Umbenennung der Mohrenstraße diskutiert. Anlässlich des Todes von George Floyd haben Aktivisten nun den Namen des U-Bahnhofs vorübergehend verändert.

Schild "George-Floyd-Straße" am U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin

Der U-Bahnhof Mohrenstraße in Berlin-Mitte wurde als Zeichen gegen Rassismus in George-Floyd-Straße umbenannt

DPA

Wer im Berliner Ortsteil Mitte am Donnerstag den U-Bahnhof Mohrenstraße betrat, fand ein anderes Bild vor als gewohnt. Aktivisten hatten die Station mit einem Plakat in "George-Floyd-Straße" umbenannt. Der Afroamerikaner aus Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota war bei einem brutalen Polizeieinsatz getötet worden. Sein Tod hatte in den USA zu großen Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geführt, auch in Deutschland ist dadurch eine neue Diskussion über die Benachteiligung von Schwarzen in Gang gekommen.

Welche Personen oder Gruppierungen hinter der Aktion an der Berliner Mohrenstraße stecken, ist nicht bekannt. Der Umbenennung ging aber bereits eine längere Diskussion über den Straßennamen voraus. Schon seit Beginn des 18. Jahrhunderts heißt die Mohrenstraße so, "Mohr" war damals ein gängiger Ausdruck für schwarze Menschen. Aktivisten machen seit Jahren auf den rassistischen Hintergrund aufmerksam und fordern einen neuen Straßennamen.

"Silent Demos" gegen Rassismus in vielen Städten geplant

Laut Historikern ist der Name "Mohrenstraße" ein Erbe der preußischen Kolonialzeit. Damals wurden zahlreiche schwarze Jungen und Männer nach Berlin verschleppt. Viele dunkelhäutige Menschen nehmen den Namen als diskriminierend wahr, Anti-Rassismus-Initiativen plädieren schon seit längerem für eine Änderung. Gegner der Namensänderung argumentieren, dass es sich dabei um eine wertfreie Bezeichnung für Menschen mit schwarzer Hautfarbe handele.

Proteste in den USA: stern-Korrespondent Nicolas Büchse berichtet aus New York City.

Nach dem Tod von George Floyd hatte es in verschiedenen deutschen Städten Solidaritätsbekundungen für das Opfer von Polizeigewalt gegeben. In Stuttgart beispielsweise war an der Wand eines Parkhauses ein zehn Meter langes Graffito mit seinem Namenszug aufgetaucht. Nachdem es bereits am vergangenen Wochenende einige Demonstrationen gegeben hatte, wollen am Samstag in vielen Städten Menschen auf die Straße gehen, um gegen Rassismus, Diskriminierung und Polizeigewalt zu protestieren. Bei den "Silent Demos" sollen die Demonstranten in schwarzer Kleidung erscheinen. In Berlin sind 1500 Teilnehmer angemeldet.

Quellen: "Tagesspiegel" / "Deutschlandfunk Kultur" / "Silent Demo" auf Instagram

epp