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Café Rizz: Berliner Wirtin positioniert sich klar gegen die AfD – dann eskaliert der Streit ziemlich schnell

"Nazis sind nicht willkommen": Eine Wirtin wettert auf Twitter gegen Rassisten und die AfD. Sie muss einen Shitstorm über sich ergehen lassen, bekommt aber auch sehr viel Zuspruch.

Public Viewing im Café Rizz

Das Café Rizz wird auch zur WM Public Viewing anbieten. Weil dort AfD-Wähler ausdrücklich nicht erwünscht sind, kam es nun zum Streit.

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Das Kreuzberger Café Rizz bietet seit mehreren Jahren zu diversen Sportereignissen Public Viewing an. Dabei kam es in letzter Zeit immer häufiger zu Beleidigungen anwesender Gäste. Birgit, die Wirtin des Cafés, sprach mit der "taz" über die Probleme mit einigen Besuchern und berichtete, dass sie sich erst Ende Mai  gezwungen sah, einen Mann aus dem Lokal zu werfen. Er hatte während des Champions-League-Finales homophobe Kommentare abgelassen.

Ein weiterer Vorfall betraf eine Frau mit Down-Syndrom. Ein Mann beschwerte sich, dass sie lauter rede als andere Gäste. "Das hätten sich die Leute in früher nicht getraut", sagte sie.

 

Sie möchte nicht, dass solche Sprüche bei ihr im Café zur Gewohnheit werden. Als sie den Vogelschiss-Satz des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland im Internet las, reichte es ihr. Sie entschied sich, dazu im Namen des Rizz zu twittern, dass für Nazis kein Platz bei ihr sei – und stellte dabei explizit den Bezug zur AfD und deren Wählern her, indem sie schrieb: "Und damit meinen wir ausdrücklich Anhänger der AfD." Der Beitrag fand zahlreiche Unterstützer: 700 Retweets und 4000 Likes sprechen eine eindeutige Sprache.

Shitstorm und Bewertungs-Battle

Die Reaktion der Angesprochenen folgte direkt im Anschluss. Prominentester Kritiker war der ehemalige AfD-Parteichef in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, der ihren Tweet als "intolerant", "undemokratisch" und "faschistoid" abstempelte.

In der Folgedes Tweets habe das Rizz auch einige Drohungen erhalten, berichtete die Wirtin der " ". Von Baseballschlägern bis zu Haufen vor der Tür sei alles dabei gewesen.

Außerdem haben erboste -Sympathisanten massiv versucht, die Online-Bewertungen des Cafés bei Google, Facebook und TripAdvisor zu verschlechtern, indem sie es mit einem von fünf möglichen Sternen bewerteten – gehässige Kommentare inklusive.

Ziemlich deutliche Antwort an Poggenburg

Die wütenden Reaktionen der AfD-Wähler blieben ihrerseits jedoch auch nicht lange unbeantwortet: Rizz-Sympathisanten glichen die schlechten Bewertungen wieder mit positiven Bewertungen aus. Und auch auf den Kommentar von gab es entsprechende Widerrede. Die Antwort mit den meisten Likes war: "Ach wissen Sie, Herr Poggenburg, Juden wie ich z.B. fühlen sich im Café Rizz sehr wohl. Das liegt wohl auch daran, dass ich mich darauf verlassen kann, dass ich dort sicher vor rechter Hetze und Gewalt bin. Und schmecken tut es dort auch gut."

Birgit steht zu ihrem klaren Statement, kann aber auch nicht leugnen, dass sich aufgrund des Online-Shitstorms bei ihr auch ein mulmiges Gefühl eingeschlichen hat. Dennoch bereut sie nicht, ihre Meinung geäußert zu haben. Im Gegenteil. Der "taz" sagte sie: "Das habe ich richtig gemacht."

ari