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Berlin: "Scheiß Ausländer, Scheiß Türke"

Die viel diskutierte Gefahr für ausländische Besucher während der Fußball-WM wird durch einen neuen Fall angeheizt: In Berlin wurde ein türkischstämmiger Politiker der Linkspartei von Rechtsextremen krankenhausreif geprügelt.

Der türkischstämmige Berliner Linkspartei- Politiker Giyasettin Sayan ist Opfer eines fremdenfeindlichen Überfalls geworden. Wie die Polizei in der Hauptstadt am Samstag mitteilte, beschimpften zwei Männer den 56-Jährigen am Vorabend gegen 22.30 Uhr im Berliner Stadtteil Lichtenberg zunächst als Ausländer und schlugen ihn dann mit einer Flasche nieder. Der migrationspolitische Sprecher der Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus alarmierte von einer Pizzeria aus die Polizei. Er liegt mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen im Krankenhaus.

Die Polizei geht von einem extremistischen Hintergrund aus. Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch setzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von bis zu 3000 Euro aus. Bislang gebe es noch keine heiße Spur. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Opfer äußert sich im Radio

Zwei Angreifer seien auf ihn zugekommen und hätten ihn unvermittelt angegriffen, sagte Sayan dem Sender RBB. "Plötzlich schlug einer mit einer Flasche auf meinen Kopf und mein Gesicht. Ich wollte weglaufen, da hat er von hinten auf meine Schulter und meinen Rücken geschlagen." Die Täter hätten "Scheiß Türke, wir kriegen Dich" gerufen. Lichtenberg gilt als eine Hochburg der Berliner Neonazi- Szene.

Wowereit spricht von "übelster Form der Gewalt "

Zahlreiche Politiker reagierten bestürzt. Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) rief am Samstag zu einem entschiedenen Kampf gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit auf. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verurteilte "diese übelste Form der Gewalt aufs Schärfste". Berlins Linkspartei-Fraktionschef Stefan Liebich betonte: "Ich bin entsetzt, dass so etwas in Berlin passieren kann." Er wertete den Überfall als nachträglichen Beweis für die These des früheren Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye, dass es für Ausländer lebensgefährliche Gegenden in Deutschland gebe.

Sayan lebt seit fast 30 Jahren in Berlin und ist deutscher Staatsbürger. Von 1982 bis 1995 war er Mitglied der Grünen. Seit Ende 1995 sitzt er für die Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus.

Bestätigung für Heye

Liebich wertete den Überfall als nachträglichen Beweis für die These des früheren Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye, dass es für Ausländer lebensgefährliche Gegenden in Deutschland gäbe. Leider gelte dies auch für Berlin. Er habe sich lange dagegen gewehrt, dies als Tatsache zu akzeptieren, sagte der Linkspartei-Politiker.

DPA/AP / AP / DPA