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Hausotter-Grundschule: Tod einer Elfjährigen - Offenbar schon früher massive Mobbing-Probleme an Berliner Schule

Hätte der Tod einer Elfjährigen verhindert werden können? An ihrer Grundschule ist sie offenbar gemobbt worden. Dabei waren die Probleme der Schulbehörde seit Jahren bekannt.

Hausotter Grundschule in Berlin

Schüler und Trauernde haben in Gedenken an die verstorbene Schülerin Kerzen und Stofftiere vor dem Eingang der Schule abgelegt

DPA

Noch ist nicht aufgeklärt, wie es zu dem Suizid eines elfjährigen Mädchens kam, das auf eine Berliner Grundschule im Stadtteil Reinickendorf ging. Die Ermittlungen der Polizei in dem Fall laufen noch, auch das Ergebnis der Obduktion steht aus.

Es stehen schwere Vorwürfe im Raum: Die Elfjährige soll laut Aussagen von Elternvertretern Mobbing-Opfer sein. Die Rektorin der Hausotter-Grundschule, Daniela Walter, hatte eingeräumt, dass es Probleme an der Schule gebe. Zugleich betonte sie, dass Lehrerkollegen, die Schulsozialarbeiter und der Hausmeister immer ansprechbar seien, wenn es Streit gebe.

Hat die Grundschule in Berlin ausreichend auf die Probleme reagiert?

Es bleibt die Frage: Hat die Schule ausreichend genug auf die Mobbing-Probleme reagiert? Wie der "Tagesspiegel" jetzt berichtet, war sie "bereits bei einer Inspektion im Jahr 2013 durchgefallen – unter anderem wegen mangelnder pädagogischer Fähigkeiten".

Die Zeitung zitiert weiter aus dem internen Untersuchungsbericht: "Die Hausotter-Grundschule befindet sich momentan in einer problematischen Situation. Die Lehrkräfte fühlen sich von der zunehmenden Vielfalt ihrer Schülerinnen und Schüler überfordert, vom Schulleiter hingegen zu wenig unterstützt." Das soziale Klima an der Schule sei deutlich beeinträchtigt. Fälle von Gewalt und Mobbing seien schon damals angesprochen worden: "Schülerinnen und Schüler berichten von Konflikten untereinander, die zum Teil auf dem Schulhof ausgetragen werden, ohne dass Lehrkräfte in ausreichendem Maße eingreifen", heißt es in dem Bericht.

Die Schilderungen aus dem Jahr 2013 klingen teilweise dramatisch, schreibt die Zeitung. So hätten jüngere Schülerinnen und Schüler Angst vor Älteren und müssten sich gegenseitig beschützen. Die Schulleitung habe aber Hilfe von Außen abgelehnt. Deswegen sei zwei Jahre später die nächste Inspektion erfolgt, und wieder sei die Schule durchgefallen.

Schulleiter wurde ausgewechselt

Die Schulbehörde bestätigte, dass darauf der Schulleiter ausgewechselt wurde. Gebessert hat sich die Situation offenbar nicht. Nach Berichten von Eltern gab es auch in jüngster Zeit Anzeigen gegen Schüler und auch gegen ein Mitglied der Lehrerschaft wegen Körperverletzung. Dies soll aber nicht im Zusammenhang mit der verstorbenen Elfjährigen gestanden haben.

Ein weiterer Vorwurf lautet, dass die Schulleitung versucht habe, die Geschichte unter den Teppich zu kehren. In einer Mitteilung an die Eltern sei lediglich über den Tod einer Mitschülerin informiert worden, aber nicht über nähere Umstände, wie die "Welt" berichtet. Dass es sich um einen Suizid gehandelt haben soll, wurde er erst durch die Initiative eines Elternvertreters bekannt, der sich an den früheren SPD-Landtagsabegordneten Thorsten Karge und den Mobbing-Experten Carsten Stahl gewandt hatte.

Wie immer in so einem Fall geloben alle Besserung. Berlins Bürgermeister Michael Müller versprach, den Vorfall lückenlos aufzuklären. Ende Februar wird das Thema Mobbing im Berliner Landesparlament voraussichtlich auf der Tagesordnung stehen. Das teilte die CDU-Fraktion am Dienstag mit. Am Tag zuvor hatte sie gemeinsam mit der FDP eine entsprechende Expertenanhörung im Abgeordnetenhaus beantragt. Die Schulbehörde verwies auf die bestehenden Maßnahmen gegen Mobbing und versprach, dass es weitere geben werde.

Quelle: "Der Tagesspiegel", "Welt"

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und (0800) 1110222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.