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Berlin "Ihr seid nicht vergessen!": Sprayer erinnern mit U-Bahn-Graffito an die Opfer rechten Terrors


Anfang des Jahres war die Sorge vor rechtsextremem Terror in Deutschland groß, mittlerweile ist das Thema wieder in den Hintergrund gerückt. Eine Sprayer-Crew hat in Berlin wieder daran erinnert.

Noch nicht einmal zwei Monate ist der rechtsextreme Anschlag in Hanau her, bei dem der Täter insgesamt neun Personen mit Migrationshintergrund erschoss. Damals waren die Themen Rassismus und Rechtsextremismus in aller Munde – dann kam das Coronavirus, das seitdem die Nachrichtenlage beherrscht. Das Bewusstsein für die Gefahr, die von Rechtsextremisten in Deutschland ausgeht, scheint dadurch wieder in den Hintergrund getreten zu sein.

Das Sprayer-Kollektiv "1UP-Crew" aus Berlin will mit einer spektakulären Aktion dieses Thema wieder auf die Agenda bringen – und zwar mitten im Alltag der Menschen in der Hauptstadt. Die Gruppe hat die Namen von Opfern rechtsextremer Gewalt auf eine U-Bahn der BVG gesprayt. Bilder davon teilte die "1UP-Crew" auf ihrem Instagram-Account.

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In memory of the victims of right-wing terror, this subway rolls through Berlin with the names of those killed. You are not forgotten! Neither are the deeds and perpetrators, some of which have not yet been cleared up or brought to justice. There is still talk of single perpetrators and the danger of neo-Nazis is minimized, although there have been murders for decades, attacks on people and armed neo-Nazi structures up to police and army are known for a long time. ____ In Erinnerung an die Opfer rechten Terrors, rollt durch Berlin gerade diese U-bahn mit den Namen der Getöteten. Ihr seid nicht vergessen! Genauso wenig wie die Taten und Täter*innen, die teilweise bis heute nicht aufgeklärt oder zur Rechenschaft gezogen wurden. Es wird immer noch von Einzeltäter*innen gesprochen und die Gefahr durch Neonazis kleingeredet, obwohl seit Jahrzehnten gemordet wird, Anschläge auf Menschen verübt werden und bewaffnete Neonazi Strukturen bis hin zu Polizei und Bundeswehr längst bekannt sind. Wir gedenken den Getöteten und wünschen ihren Familien und Freunden viel Kraft. Ihr seid nicht allein ✊ Fotos von @timschnetgoeke #nonazis #noracism #noantisemitism #nofascism #nazisraus #fightracism #writersagainstracism// #repost @writers.against.racism

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Graffito-Aktion in Berlin: Gedenken an Opfer rechten Terrors

Nicht nur die Namen der neun Opfer von Hanau sind auf der U-Bahn, die durch Berlin fährt, zu lesen, sondern auch die, vieler weiterer Todesopfer. "Ihr seid nicht vergessen! Genauso wenig wie die Taten und Täter*innen, die teilweise bis heute nicht aufgeklärt oder zur Rechenschaft gezogen wurden", schreibt die Sprayer-Gruppe dazu in ihrem Beitrag auf Instagram. 

Die Gefahr durch Neonazis werde immer noch kleingeredet, kritisieren die Sprayer, "obwohl seit Jahrzehnten gemordet wird". Mit dem Graffito wollen sie der Toten gedenken und ihren Familien und Freunden Kraft geben: "Ihr seid nicht allein."

In jüngerer Zeit hatte es in Deutschland immer wieder Morde mit rechtsextremem Hintergrund gegeben – auch schon vor der Tat in Hanau im Februar dieses Jahres. Im Juni 2019 hatte ein Mann, der im Neonazi-Milieu aktiv war, den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) vor dessen Wohnhaus erschossen. Im Oktober tötete der rechtsextreme Stephan B. in Halle zwei Menschen und versuchte vergeblich, sich zu einer Synagoge Zugang zu verschaffen, um dort ein Blutbad anzurichten. 

Die Zahl der Todesopfer rechtsextremer Gewalt unterscheidet sich je nach Definition. Die Amadeu Antonio Stiftung zählte 208 Todesopfer seit 1990 (Stand: März 2020). Die Bundesregierung erkennt nur 94 der Delikte als rechts motiviert an.

Quellen: "1UP-Crew" auf Instagram / Antonio Amadeu Stiftung

epp

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