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Betrugsverdacht: Scientology in Frankreich vor Gericht

Neuer Ärger für Scientology: Die Organisation muss sich vor einem französischen Gericht gegen den Vorwurf des "organisierten Bandenbetrugs" wehren. Zudem ermittelt die Justiz wegen "illegaler Ausübung des Apotheker-Berufs". Eine Verurteilung könnte offenbar weitreichende Folgen haben.

Die Scientology-Organistation muss sich in Frankreich wegen "organisierten Bandenbetrugs" in einem Strafprozess verantworten. Eine Verurteilung könne die Auflösung der Organisation zur Folge haben, sagte ein Justizsprecher am Montag in Paris. In dem Verfahren geht es um den Fall einer Frau, die 1998 einen "Persönlichkeitstest" bei Scientology machte. Sie hatte für den Kauf von Büchern, Medikamenten und eines so genannten Elektrometers zur Messung des geistigen Wohlbefindens mehr als 30.000 Euro ausgegeben.

Einen Termin für den in Paris geplanten Strafprozess gibt es noch nicht. Als juristische Personen angeklagt sind das Celebrity Centre, die wichtigste Struktur der Scientology-Bewegung in Frankreich, sowie deren Buchhandlung Sel. Zudem ermittelt die Justiz gegen sieben französische Scientology-Mitglieder, unter ihnen den Leiter des Celebrity Centres, Alain Rosenberg. Einigen von ihnen wird unter anderem "illegale Ausübung des Apotheker-Berufs" zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft hatte eigentlich die Einstellung der Ermittlungen beantragt. Dies wies nun der zuständige Untersuchungsrichter Jean-Christophe Hullin zurück. Als Nebenkläger treten eine weitere Frau sowie der französische Apotheker-Verband auf.

In Frankreich, wo die Organisation seit 1995 als "Sekte" eingestuft wird, werfen die Behörden Scientology vor, Mitglieder psychisch zu destabilisieren. 1995 wurde eine erste Scientology-Vereinigung aufgelöst, weil sie sich weigerte, Steuern an den Fiskus zu zahlen, der ihr den Status als Kirche verweigerte. Im Februar sorgte die Kabinettschefin von Präsident Nicolas Sarkozy für Aufsehen, weil sie offen die Frage stellte, ob Scientology tatsächlich eine Gefahr darstelle. Sarkozy, der als Minister Scientology-Promi Tom Cruise empfing, versicherte darauf, der Staat werde "größtmögliche Härte" gegenüber Sekten zeigen.

Wie in Frankreich wird die 1954 in den USA vom Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründete Organisation auch in mehreren anderen europäischen Ländern als "Sekte" angesehen - unter anderem in Belgien und Griechenland. In Deutschland wird Scientology seit 1997 vom Verfassungsschutz observiert. Eine Klage der Organisation gegen diese Praxis wies das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster im Februar ab.

In Belgien durchsuchte die Polizei im April das Scientology-Hauptquartier in Brüssel, wo Dokumente und Computer beschlagnahmt wurden. Auch dort wird gegen die Organisation wegen Betrugsverdachts ermittelt. Dagegen konnte Scientology in Spanien einen juristischen Sieg verbuchen: Im November 2007 wurde die Organisation von einem Madrider Gericht erneut als "religiöse Einheit" anerkannt. Zwei Jahre zuvor hatte ihr das spanische Justizministerium diesen Status aberkannt. Dagegen war die Bewegung, die in Madrid ein riesiges und luxuriöses Zentrum bertreibt, vor den Kadi gezogen.

AFP / AFP