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Bevölkerungsentwicklung: Die Welt wächst, Deutschland schrumpft

Bald leben sieben Milliarden Menschen auf der Erde. Und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. In Deutschland dagegen wird es bis 2060 rund ein Fünftel der Bevölkerung weniger geben.

Die Weltbevölkerung wird immer größer und im Durchschnitt auch immer jünger. Wenn am 31. Oktober offiziell sieben Milliarden Menschen auf der Erde leben, ist die Spitze des Wachstums noch lange nicht erreicht. Das geht aus dem neuen Weltbevölkerungsbericht hervor, den die Vereinten Nationen nun vorgestellt haben. Außerdem wächst der Anteil von Menschen, die in Städten leben, weiter rasant.

Die durchschnittliche Lebenserwartung ist weltweit nach UN-Angaben im zurückliegenden halben Jahrhundert von 48 auf 68 Jahre gestiegen. Bemerkenswert sei die Altersstruktur, sagte der Direktor des UN-Bevölkerungsfonds UNFPA, Babatunde Osotimehin. "Heute sind 893 Millionen Menschen älter als 60. In der Mitte des Jahrhunderts wird diese Zahl auf 2,4 Milliarden steigen." Bei dieser Verdreifachung müsse sich jeder fragen, was er für Ältere tun könne, damit sie weiter eine aktive Rolle in der Gesellschaft spielten.

"Sieben Milliarden Chancen"

Gleichzeitig allerdings sind nach UN-Angaben weltweit 43 Prozent aller Menschen jünger als 25 Jahre alt, in einigen Ländern sogar 60 Prozent. Ein Grund dafür ist, dass die Kindersterblichkeit um knapp zwei Drittel zurückgegangen ist, von 133 Todesfällen pro 1000 Geburten auf jetzt 46. "Im Laufe meines Lebens hat sich die Weltbevölkerung fast verdreifacht", sagte der 1949 geborene UN-Direktor Osotimehin. "Wir sind sieben Milliarden Menschen mit sieben Milliarden Chancen."

Fast zwei von drei Menschen sind heute Asiaten, die übrigen Erdteile teilen sich die übrigen 40 Prozent. Im Jahr 2025 wird Indien China überholen und mit 1,46 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde sein. Allerdings soll sich die Zahl der Afrikaner bis zum Ende des Jahrhunderts von heute 1 auf 3,6 Milliarden mehr als verdreifachen.

Zahl der Slumbewohner schrumpft

Die Menschen zieht es dabei immer mehr in Städte. In 40 Jahren sollen 90 Prozent aller Amerikaner, Nord wie Süd, urban leben. In Europa werden es den Prognosen zufolge 85 Prozent sein. Derzeit liegt der Anteil bei etwa 73 Prozent. In Elendsquartieren leben heute weltweit mehr Menschen als je zuvor. Allerdings: Der prozentuale Anteil der Slumbewohner sank innerhalb der vergangenen zwei Jahrzehnte von 46,1 auf 32,7 Prozent.

Auch die Wanderung haben die UN-Wissenschaftler untersucht. Von weltweit rund 200 Millionen Migranten haben die USA mit 42,8 Millionen die meisten Menschen aufgenommen. Erst weit danach kommen Russland mit 12,3 und an dritter Stelle Deutschland mit 10,8 Millionen Menschen. Das als Einwanderungsland bekannte Kanada kommt nach Saudi-Arabien nur auf Platz fünf mit 7,2 Millionen Einwanderern.

Ein Drittel weniger Menschen in den neuen Ländern

Trotz dieser überraschend hohen Einwandererquote - die Bevölkerung Deutschlands wird in Zukunft schrumpfen. Bis zum Jahr 2060 wird es bis zu 17 Millionen Einwohner geben, das entspricht rund einem Fünftel der aktuellen Bevölkerung von 82 Millionen Menschen. Besonders stark betroffen sind die neuen Länder, wo in 50 Jahren voraussichtlich ein Drittel weniger Menschen leben wird als heute. Das geht aus dem Demografiebericht hervor, den Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich im Bundeskabinett vorlegte.

Am stärksten wird der Demografiewechsel in Sachsen-Anhalt ausfallen: Hier sinkt die Einwohnerzahl voraussichtlich um 42 Prozent. Thüringen muss mit einem Rückgang von 41 Prozent rechnen und Mecklenburg-Vorpommern mit einem Minus von 36 Prozent. Die geringsten Bevölkerungsveränderungen sind in Hamburg (-6 Prozent), Bremen (- 14 Prozent) und Bayern (-15 Prozent) zu erwarten. Neben einem Rückgang der Einwohnerzahlen verschiebt sich auch die Altersstruktur. Da immer mehr Menschen immer älter werden, nimmt die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter ab. Heute leben in Deutschland 49,8 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 64 Jahren. Die Autoren des Demografieberichts gehen davon aus, dass es im Jahr 2030 rund 6,3 Millionen Menschen weniger sein werden als heute. 2060 wird jeder Dritte mindestens 65 Jahre alt sein.

nik/DPA / DPA
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